Bahnhof Baar: Hier wird sich das Zugsangebot verbessern. (Bild: Fotoagentur Aura)
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Bahnhof Baar: Hier wird sich das Zugsangebot verbessern. (Bild: Fotoagentur Aura)

Mehr Züge für Zug – die könnte man früher haben

6min Lesezeit

Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel freut sich über die besseren Verbindungen für Rotkreuz und Zug, die in ferner Zukunft durch den Ausbau des Zimmerbergs möglich werden. Doch sein schärfster Kritiker Martin Stuber lässt nicht locker: «Das ginge auch schneller und günstiger.»

Markus Mathis

Stehen im vollbesetzten Waggon, Stress am Arbeitplatz, weil der Zug liegenbleibt: Wer auf der Linie Luzern-Zug-Zürich pendelt, kennt dies zur Genüge. Man wartet auf den Bahnersatz, kommt zu spät und denkt verzweifelt: Warum tut niemand was dagegen?

Nach dem heutigen Freitag lässt sich sagen: Die Lösung des Problems ist aufgegleist. Der Bund hat angekündigt, den öffentlichen Verkehr auch in der Zentralschweiz verbessern zu wollen und den Zimmerberg-Basistunnel II zu bauen. Damit wäre eines von zwei Nadelöhren auf der Strecke beseitigt, die heute ein verbessertes Angebot verunmöglicht.

Besseres Angebot zwischen Zug und Zürich

Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Mathias Michel (FDP) begrüsst es, dass mit dem Zimmerbergbasistunnel II ein Objekt Aufnahme in den Ausbauschritt 2030/35 gefunden hat, welches sowohl die Zentralschweiz wie auch die Metropolitankonferenz Zürich fordern.

«Der Kanton Zug erhält damit mehr Angebote in Richtung Zürich und Luzern, was für einen Kanton mit vielen Arbeitsplätzen und Zupendlern aus Luzern und Zürich zentral ist», sagt Michel. «Zudem auch mehr Fernverkehrshalte für das nachfragestarke Rotkreuz.»

Nadelöhr in Luzern wird erst in 30 Jahren beseitigt

Das zweite Nadelöhr, die Einfahrt in den Bahnhof Luzern freilich, bleibt bis auf Weiteres bestehen. Der Bau des Durchgangsbahnhofs Luzern wird vom Bund zwar projektiert – aber ob man ihn bauen will, das entscheidet man in Bern erst im Jahr 2025. Er soll dann bis 2040/2045 realisiert werden – also in 25 bis 30 Jahren. Der Durchgangsbahnhof Luzern mit seinem Tunnel zwischen Ebikon und dem Luzerner Bahnhof würde locker einen durchgehenden 15-Minuten-Takt auf der Strecke zwischen Luzern und Zürich ermöglichen.

Pendlerströme: Nicht nur zwischen Zürich und Zug, sodern auch zwischen Luzern und Zug sind Tausende unterwegs.
Pendlerströme: Nicht nur zwischen Zürich und Zug, sodern auch zwischen Luzern und Zug sind Tausende unterwegs. (Bild: zvg)
«Den Durchgangsbahnhof brauchen wir eigentlich jetzt schon – nicht erst in 30 Jahren», meint Martin Stuber, Vizepräsident des Lobbyvereins Pro Bahn und früherer alternativer Kantonsrat in Zug. Er plädiert dafür, dass die gesamte Strecke Zürich-Zug-Luzern betrachtet wird. «Es liegt auch im Interesse des Kantons Zug, das Angebot auf der ganzen Bahnarterie Zürich-Zug-Luzern zu verbessern», findet er. «Die Betrachtungsweise von Regierungsrat Michel, die in Rotkreuz aufhört, ist kurzsichtig», sagt Stuber. Tatsächlich gibt es grosse Pendlerströme nicht nur zwischen Zürich und Zug, sondern ebenso zwischen Zug und Luzern, wie Untersuchungen zeigen. 

Es gibt auch zwischen Zug und Luzern mehr Sitzplätze

«Immerhin sollen neu drei Schnellzüge zwischen Zürich und Luzern verkehren», entgegnet Regierungsrat Matthias Michel. Sodann sei das Ganze etappenweise zu beurteilen. Der Zimmerbergbasistunnel sei als erste Etappe und auch Voraussetzung für den Durchgangsbahnhof zu sehen. «So äussern sich auch Luzerner Politiker», sagt Michel.

Zudem ermöglicht der Bund ja auch die Weiterprojektierung des Durchgangsbahnhofs in Luzern. «Wenn in einem ersten Schritt noch nicht alle Züge nach Luzern verkehren können, wird dennoch das Sitzplatzangebot ausgebaut», sagt Michel. Womit eine Umverteilung der Nachfrage auf den Zügen im Korridor Luzern-Zug-Zürich erreicht werde. «Davon profitieren auch Reisende zwischen Luzern und Zug».

Martin Stuber, Vizepräsident des Lobbyvereins Pro Bahn Zentralschweiz wundert sich: «Sollen die Reisenden ab Rotkreuz zu Fuss nach Luzern gehen?» Er kritisiert, dass ein Szenario mit dem Ausbau der Stammstrecke zwischen Horgen und Baar und dem Tiefbahnhof Luzern als erster Etappe des Durchgangsbahnhofs vom BAV nicht geprüft wurde.

«Sollen die Reisenden ab Rotkreuz zu Fuss nach Luzern gehen?»

Martin Stuber, Pro Bahn

«Dieses Szenario würde 2,6 Milliarden kosten und hätte im Ausbauschritt Platz gehabt – ohne Vorfinanzierungen», rechnet Stuber vor. Der Zimmerberg-Basistunnel koste alleine schon 2,2 Milliarden. «Logisch, dass es dann kein Geld mehr hat für Luzern.»

Bitte: Verbindet endlich die Passepartouts

Immer wieder versuchen Zuger Kantonsparlamentarier, etwas für bessere Zugsverbindungen zu tun. Am Donnerstag wars wieder mal so weit. Jean-Luc Moesch (CVP), Rainer Suter (SVP) und Thomas Gander (FDP) verlangten von der Zuger Regierung, dass sie für bessere Zugsverbindungen in Rotkreuz und Cham besorgt ist. Sie soll die Wiederinbetriebnahme der alten Bahnstrecke zwischen Cham und Steinhausen vorantreiben und prüfen, welche Ausbauschritte auf der Strecke Zürich-Zug-Luzern man vorziehen könnte. Und sie haben ein weiteres Anliegen. In Rotkreuz würden sich die Passepartout-Tarifverbunde von Luzern, Zürich und Zug treffen. Der Regierungsrat soll doch bitte ermöglichen, dass Pendler von und in den Ennetsee, ihre Verbundabos sinnvoll kombinieren könnten. Ihre Motion wurde in ein Postulat umgewandelt und überwiesen.

«Bundesamt ist unglaubwürdig»

Stuber möchte, dass man anstelle des Basistunnels eine Light-Variante verfolgt – den alten Tunnel zwischen Baar und Horgen Oberdorf ausbaut – aber gleichzeitig auch die erste Etappe des Durchgangsbahnhofs Luzern realisiert.

Das Bundesamt für Verkehr sieht indes keinen wesentlichen Kostenvorteil, was Stuber nicht nachvollziehen kann: Die Rechnung des Bundesamtes sei intransparent und die Aussage, dass der Zimmerbergbasistunnel II und der Ausbau der Stammstrecke gleich teuer sei, sei «nicht nachvollziehbar», sagt er. «Das macht das BAV unglaubwürdig.» (zentralplus berichtete).

Michels Sondermission

Trotzdem schickt nun also der Bund mit dem Ausbauschritt 2035 das Projekt des Zimmerberg-Basistunnels II in die Vernehmlassung. Der Ausbauschritt kann aufgrund der Vernehmlassung noch Änderungen erfahren, und auch das eidgenössische Parlament wird Änderungen anbringen können. Geplant ist, dass die Vorlage 2019 beschlussreif ist. Dann wird sich zeigen, welche Ausbauschritte die Zentralschweizer Kantone mittels Vorfinanzierung beschleunigen können.

Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel hat vom Zuger Kantonsparlament den Auftrag gefasst, den Bau eines Sanierungstunnels durch den Zimmerberg zu pushen, damit bessere Verbindungen schon vor 2035 möglich sind.

Stubers Widerspruch

«Dafür habe mich bereits vor der Sommerpause beim Bund eingesetzt», meint Michel gegenüber zentralplus, – «also lange vor und unabhängig von der Vernehmlassungsvorlage des Bundes.» Der Sanierungstunnel habe aber an sich nichts mit der Variantenwahl beim Zimmerberg zu tun. «Die Motion präjudiziert die Variantenwahl nicht.»

«Für den Sanierungstunnel habe ich mich beim Bund eingesetzt.»

Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor FDP

«Falsch», kontert Martin Stuber. «Der Sanierungstunnel wäre die erste Etappe im Ausbau der Stammstrecke. Und in der Kantonsratsdebatte kam klar zum Ausdruck, dass eine Mehrheit im Kantonsrat diesen Ausbau bevorzugt, weil schneller realisierbar und günstiger.»

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