Direktorin Fanni Fetzer in der Ausstellung des Kunstmuseums im KKL. (Bild: jal)
Politik Kultur Sparen

Direktorin Fanni Fetzer in der Ausstellung des Kunstmuseums im KKL. (Bild: jal)

Direktorin des Luzerner Kunstmuseums bringt Neuwahlen ins Spiel

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Mit einer Landsgemeinde wird diesen Freitagnachmittag auf dem Theaterplatz gegen die kantonale Finanzpolitik demonstriert. Der Protesttag ist bereits am Laufen – etwa mit einer stillen Aktion im Kunstmuseum. Laut wird es aber erst noch.

Leise und von vielen unbemerkt hat diesen Freitag der Protesttag gegen die kantonale Finanzpolitik begonnen. Am Morgen sind die Fenster der Zentral- und Hochschulbibliothek mit blauen Bändern versehen worden – ein Zeichen, um die Sparmassnahmen sichtbar zu machen.

Im Kunstmuseum läuft der stille Protest bereits seit Anfang Woche. Aufmerksamen Besuchern ist es nicht entgangen: Anstelle von Robert Zünds Bild namens Eichwald hängt ein unfachgemäss hingehängter Zettel. Das Kunstmuseum ist selber nicht von den Sparmassnahmen betroffen – will mit der Aktion aber seine Solidarität mit den Betroffenen ausdrücken. Das sind unter anderem die Freie Kulturszene, bei denen 800’000 Franken eingespart werden, die Bezüger von Prämienverbilligungen, die Polizei oder Flüchtlinge (zentralplus berichtete).

Besucher reagieren positiv

Für Direktorin Fanni Fetzer nur ein logischer Schritt. «Die Debatte hat total perverse Fragen hervorgebracht wie: Ist Kultur wichtiger als Krankenkassenprämien? Ist ein Museum wichtiger als Polizisten?» Für Fetzer ausschlaggebend ist, dass nicht alle Betroffenen gleich gut sichtbar machen könnten, was die Sparmassnahmen für sie heisse. Anders in der Kultur mit ihren Ausstellungen und Bühnen. Das Engagement des Kunstmuseums erachtet sie deshalb als Ausdruck seiner gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.

Farbiger Protest: Die Zentralbibliothek beim Vögeligärtli wurde am Morgen mit blauen Bändern geschmückt.
Farbiger Protest: Die Zentralbibliothek beim Vögeligärtli wurde am Morgen mit blauen Bändern geschmückt. (Bild: jal)

Aber auch innerhalb der Kultur würden schnell die verschiedenen Sparten gegeneinander ausgespielt, so Fetzer. «Da hilft nur, wenn die Kulturszene gemeinsam hinsteht.» Die Reaktionen der Museumsbesucher seien sehr positiv. Auf besondere Art haben die Schüler reagiert: «Sie dachten, das Bild sei gestohlen worden.»

Regierung brauche neue Legitimation

Doch welche Alternative zur aktuellen Finanzpolitik schwebt ihr vor? «Die Strategie, die Steuern für Firmen zu halbieren und dafür umso mehr steuerkräftige Personen und Unternehmen anzusiedeln, funktioniert bislang offenbar nicht», kritisiert Fanni Fetzer. «Die Frage ist, wie lange man daran festhalten soll.»

Fanni Fetzer, Direktorin des Kunstmuseums, vor dem fehlenden Bild in der Ausstellung.
Fanni Fetzer, Direktorin des Kunstmuseums, vor dem fehlenden Bild in der Ausstellung. (Bild: jal)

Der Regierungsrat hat indes bekräftigt, dass er den gewählten Kurs weiterfahren will (zentralplus berichtete). Das kommt aber nicht überall gut an. Fetzer verweist auf die Abstimmungen zur Steuererhöhung und zur Halbierung der Musikschulbeiträge, die beide am 21. Mai abgelehnt wurden. «Die Bevölkerung wehrt sich bei allen Vorschlägen – diese Regierung ist blockiert.» Die Direktorin des Kunstmuseums vergleicht die Situation mit ihrer eigenen. Wenn ihr Ausstellungsprogramm von der zuständigen Kommission mehrfach abgelehnt werde, würde sie hinterfragen, ob sie noch auf diesen Posten passe.

Fetzer zieht daher den Schluss: «Neuwahlen könnten die Blockade lösen.» Das ist in ihren Augen nicht gleichbedeutend mit neuen Köpfen – es sei auch eine Wiederwahl möglich. «Aber dann hat der Regierungsrat eine neue Legitimation.»

Spiess umdrehen

Weniger weit gehen die Organisatoren des heutigen Protesttages, die IG Kultur und der Luzerner Allianz für Lebensqualität. «Die Bevölkerung soll wachgerüttelt und sensibilisiert werden, dass sie sich in solchen Zeiten politisch engagieren muss», sagt Eva Laniado, Geschäftsführerin IG Kultur Luzern. «Die Aktion soll aber auch Kantons- und Regierungsrat zeigen: Ihr macht etwas falsch, es braucht eine Kehrtwende.»

Marcel Budmiger und Eva Laniado wollen mit dem Aktionstag Politiker und Bevölkerung wachrütteln.
Marcel Budmiger und Eva Laniado wollen mit dem Aktionstag Politiker und Bevölkerung wachrütteln. (Bild: jal)

Die Zivilgesellschaft soll diesen Nachmittag an einer Landsgemeinde auf dem Theaterplatz ein Manifest verabschieden. «Politik funktioniert momentan so: Wir haben zu wenig Ressourcen. Wir wollen zwar nicht sparen, müssen aber jetzt halt.» Das Manifest sehen die beiden als Gegenthese dazu. Die Bevölkerung soll gemeinsam mit der Politik darüber reden, was der Kanton leisten soll – und erst anschliessend wird diskutiert, woher die Mittel kommen. Budmiger verweist auf die Gfs-Umfrage, die unter anderem zeigte, dass die Bevölkerung in fast keinem Bereich sparen will (zentralplus berichtete).

Für Laniado und Budmiger ist klar: Über die Zukunft des Kantons brauche es eine breite Debatte. Doch einer macht heute nicht mit: Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. Seine Ankündigung, nicht an der Landsgemeinde teilzunehmen, interpretiert Laniado als «weiteres Zeichen des Desinteresse». «Es wäre ein idealer Zeitpunkt gewesen, um sich ein Bild der Meinung der Gesellschaft zu machen.»

Die Organisatoren der Aktion spüren aber auch Gegenwind, besonders von Seiten der Bürgerlichen (zentralplus berichtete). Unter anderem wurde der Vorwurf laut, dass die Kulturszene erst jetzt aktiv wird und nicht bereits im Mai, als die Steuererhöhung zur Abstimmung stand. «Wir waren nicht ganz inaktiv vor der Abstimmung», wehrt sich Laniado. Die IG Kultur habe empfohlen, die Steuererhöhung an der Urne anzunehmen. Die Voten der Bürgerlichen stossen bei ihr auf taube Ohren. «Sie können uns nicht für ihr eigenes Versäumnis verantwortlich machen, die Bevölkerung ungenügend überzeugt zu haben.»

Das Manifest:

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