So könnte die geplante Maihölzli-Bebauung aussehen. (Bild: zVg / Bearbeitung: zentralplus)
Politik Abstimmung

So könnte die geplante Maihölzli-Bebauung aussehen. (Bild: zVg / Bearbeitung: zentralplus)

Maihölzli: Das geplante neue Dorfzentrum passt nicht allen

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Die Hünenberger Bevölkerung stimmt Ende September über die neue Überbauung «Maihölzli» ab. Und auch wenn das Projekt verspricht, das Dorfzentrum aufzuwerten, hat es Kritiker. Das Grüne Forum Hünenberg wünscht sich nämlich mehr preisgünstigen Wohnraum. Der Gemeinderat seinerseits spricht von unberechtigten Vorwürfen.

In Hünenberg soll das Zentrum überbaut werden. Konkret soll südlich des Maihölzliwegs eine Überbauung realisiert werden. Gegenüber dem Gemeindehaus ist eine Migros geplant, die östlich und südlich durch Wohn- und Bürogebäude ergänzt werden soll. In einem zweiten Schritt soll allenfalls die Maihölzliwiese, die sich ebenfalls im Bebauungsplanperimeter befindet, überbaut werden. Klingt unkompliziert. Wäre es auch, wenn nicht drei Parteien in den Bau involviert wären. Die Bauherrin Jego AG, die Katholische Kirchgemeinde Cham-Hünenberg und die Einwohnergemeinde.

Am 24. September stimmt nun also die Bevölkerung über den Bebauungsplan Maihölzli ab. Dies, nachdem die Wogen in der Gemeinde Hünenberg insbesondere bei einer Partei hochgingen wegen des Projekts.

Beschwerden wegen Friedhofsnähe und kostengünstigem Wohnraum

So gingen während der Auflage des Projektes anfangs Jahr verschiedene Beschwerden vom Grünen Forum ein. Einerseits beanstandete dieses, dass die Siedlung zu nahe am bestehenden Waldfriedhof stehen würde. Daraufhin wurde das Baufeld verschoben und beschlossen, keine Balkone und Loggien in Richtung Waldfriedhof zu bauen.

Als weiteren Punkt kritisierte die Ortspartei den geplanten Anteil an kostengünstigem Wohnraum. «Die Gemeinde ist Miteigentümerin einer Parzelle. Bei einer Umzonung muss sie laut Richtplan einen Anteil preisgünstigen Wohnraum berücksichtigen. Das hat sie aber nicht von Anfang an gemacht», sagt die grüne Hünenberger Kantonsrätin Rita Hofer auf Anfrage.

Das Modell zeigt, welche Neubauten entstehen sollen. Die Gebäude A und C wird die Jego AG bauen, B wird von der Katholischen Kirchgemeinde genutzt, D und E will die Gemeinde allenfalls später umsetzen.
Das Modell zeigt, welche Neubauten entstehen sollen. Die Gebäude A und C wird die Jego AG bauen, B wird von der Katholischen Kirchgemeinde genutzt, D und E will die Gemeinde allenfalls später umsetzen. (Bild: zVg)

30 Prozent kostengünstiger Wohnraum – nach Einwand der Grünen

Dass die Gemeinde diesen Anteil nicht definiert habe, räumt der Hünenberger Bauchef Thomas Anderegg ein. Es sei von Anfang an unbestritten gewesen, dass die Gemeinde verpflichtet sei, bei einer Umzonung, die eine Mehrnutzung zulasse, preisgünstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Und er relativiert sogleich: «Die Gebäude auf dem gemeindlichen Grundstück werden jedoch – wenn überhaupt – erst in einer zweiten Bauetappe realisiert werden, weshalb der Planungsstand weniger weit fortgeschritten ist als bei den übrigen Gebäuden.» Deshalb habe der Gemeinderat anfangs gezögert, einen Mindestprozentsatz zu definieren.

«Letztlich werden dort wohl nur wenige Wohnungen gebaut werden, und von diesen muss dann nur ein Bruchteil kostengünstig sein.»

Rita Hofer, Kantonsrätin ALG

Nach den Einwendungen des Grünen Forums beschloss die Exekutive jedoch, in ebendiesen Baubereichen (Gebäude D und E) mindestens 30 Prozent der anrechenbaren Wohnflächen preisgünstige Wohnungen zu realisieren und dauerhaft zu sichern.

Die Katholische Kirchgemeinde hat sich zudem verpflichtet, auf ihrem Grundstück mindestens 50 Prozent der Wohnfläche als preisgünstigen Wohnraum zu realisieren.

Diese Zahlen klingen gut. Dennoch genügt den Grünen der Anteil nicht, den die Gemeinde bietet. «Es ist geplant, dass in den später zu entstehenden Häusern, dem Anteil also, welcher der Gemeinde gehört, später die Gemeindeverwaltung einzieht. Vieles zu diesem Teilprojekt ist noch unklar. Falls die Verwaltung in das neue Gebäude einziehen sollte, werden dort letztlich wohl nur wenige Wohnungen gebaut werden, und von diesen muss dann nur ein Bruchteil kostengünstig sein.»

«Dem Gemeinderat heute vorzuwerfen, 30 Prozent preisgünstiger Wohnraum sei zu wenig, ist aufgrund des aktuellen Wissens- und Planungsstandes unberechtigt.»

Thomas Anderegg, Hünenberger Bauchef

CVP-Mann Anderegg sagt dazu: «Der Gemeinderat hat sich auf einen Mindestprozentsatz von 30 Prozent preisgünstigen Wohnraum verpflichtet. Ihm heute vorzuwerfen, dies sei zu wenig, ist aufgrund des aktuellen Wissens- und Planungsstandes unberechtigt und geht an der Sache vorbei.»

Ob's eine zweite Bauetappe gibt, ist noch unklar

Denn, wie der Bauchef betont, sei im Gebäude E primär eine Wohnnutzung vorgesehen. Und auch in Gebäude D, wo dereinst eine neue Gemeindeverwaltung denkbar sei, habe es in den oberen Etagen Platz für Wohnungen. Anderegg gibt weiter zu bedenken: «Aufgrund des heutigen Planungsstandes ist es noch völlig ungewiss, ob dereinst in einer zweiten Bauetappe eine neue Gemeindeverwaltung im Gebäude D realisiert wird.» Zuerst müsse geklärt werden, wie es mit dem aktuellen Gemeindehaus weitergehe. Falls ein Umzug in den möglichen Neubau in Frage komme, müsse sowieso die Bevölkerung darüber abstimmen.

Eine Luftaufnahme des zu bebauenden Gebietes zwischen der Chamerstrasse und dem Maihölzliwald.
Eine Luftaufnahme des zu bebauenden Gebietes zwischen der Chamerstrasse und dem Maihölzliwald. (Bild: zVg)

Rita Hofer kritisiert: «Die Gemeinde hätte klar definieren sollen, wie viele Wohnungen letztlich preisgünstig sein werden. Auch hätte sie der Jego AG klare Vorgaben dazu machen müssen. Diese muss nun in ihren Gebäuden A und C überhaupt keine kostengünstigen Wohnungen anbieten.»

Die Grünen empfehlen den Bürgern also, ein Nein in die Urne zu legen. Laut Hofer «insbesondere auch im Hinblick auf unsere Jungen. Laut Umfrage der Gemeinde bei den Jungbürgerinnen und -bürgern ist günstiger Wohnraum ein enorm wichtiges Thema.»

Die Stimmung in der Bevölkerung ist eher positiv

Und wie nimmt Hofer die Stimmung in der Bevölkerung vor der Abstimmung wahr? «Das ist sehr schwierig zu sagen. Die Bürgerlichen stehen klar hinter dem Gemeinderat. Auch die Gewerbler werden das Projekt unterstützen. Für sie stehen die Arbeitsaufträge klar im Vordergrund. Doch habe ich von Leuten gehört, die ihre Meinung nach dem letzten Infoanlass geändert haben und dem Projekt nun kritisch gegenüber stehen.»

Anderegg hingegen ist optimistisch, dass die Stimmbevölkerung die Vorlagen annehmen wird. «Sehr viele Leute und insbesondere das Gewerbe wünschen sich ein attraktives, belebtes Dorfzentrum.» Insbesondere habe die klar angenommene Vorlage über den Landabtausch der Katholischen Kirchgemeinde die positive Stimmung aufgezeigt.

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