Seit Jahrzehnten in der Politik: Vreny Wicky, CVP-Kantonsrätin und frühere Stadträtin. (Bild: mbe.)
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Seit Jahrzehnten in der Politik: Vreny Wicky, CVP-Kantonsrätin und frühere Stadträtin. (Bild: mbe.)

CVP-Frau: «Pfister hat recht – ich habs am eigenen Leib erlebt»

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CVP-Präsident Gerhard Pfister sorgt mit einem Tweet unter Linken für Empörung. Für sie seien rechte Frauen keine «richtigen» Frauen, wirft er ihnen vor. Zuspruch bekommt der Oberägerer dabei von Frauen aus seiner bürgerlichen Kantonalpartei.

Markus Mathis

«Es gibt mehr Frauen als Tessiner in der Bevölkerung,» sagte die grüne Nationalrätin und Frauenrechtlerin Maya Graf (55) kürzlich dem Online-Portal «watson.ch». Deshalb solle am 20. September auch eine (welsche) Frau und nicht der offizielle Tessiner Kandidat Ignazio Cassis in die Landesregierung gewählt werden. 

Was wiederum CVP-Präsident Gerhard Pfister (54) zu einem provokanten Tweet veranlasste. «Warum haben seinerzeit viele Linke nicht Karin Keller Suter gewählt? Weil rechte Frauen für Linke keine richtigen Frauen sind», textete er – und sorgte damit für Entrüstung bei den Linken. Beispielsweise die Luzerner SP-Nationarätin Prisca Birrer-Heimo (58) fand Pfisters Aussage «total daneben» (zentralplus berichtete).

«Pfister hat recht»

Doch was denken die Frauen in Pfisters eigener Partei dazu? Fühlen sie sich nicht als «richtige» Frauen? zentralplus hat sich in der Zuger Kantonalpartei umgehört – zum Beispiel bei Vreni Wicky (66). Die CVP-Kantonsrätin verfügt über Jahrzehnte an politischer Erfahrung, war zwei Wahlperioden lang in der Stadtregierung von Zug, fungierte als höchste Zugerin (Kantonsratspräsidentin) und kennt den Politbetrieb aus dem Effeff. 

«Pfister hat recht, ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen», meint Wicky. Bürgerliche oder rechte Frauen würden von den Linksparteien nur «minimalst» unterstützt. Zuspruch erhalte nicht, wer weiblichen Geschlechts sei – sondern, wer als Frau am linken politischen Rand stehe. «Das stimmt wirklich – ich habe es am eigenen Leib erlebt».

Support für Frauen, wenn es den Linken nützt

Auch die Oberägerer Juristin Laura Dittli (26) macht dieselbe Erfahrung. «Ich werde auf dem Niveau, auf dem ich politisiere, oft von linken Frauen und Männern nicht unterstützt», sagt die Kantonsrätin. «Hauptsächlich werde ihre bürgerlich geprägte Politik «von liberal-wirtschaftlich denkenden Politikerinnen und Politikern getragen». «Die Linken unterstützen jedoch ein Anliegen immer dann, wenn es in ihr Parteiprogramm passt», sagt Dittli.

«Ich werde oft von linken Frauen und Männern nicht unterstützt.» 

Laura Dittli, Kantonsrätin CVP, Oberägeri

Und stützt damit auch Pfisters impliziten Vorwurf, dass es den linken Unterstützern einer Frauenwahl in den Bundesrat nicht in erster Linie darum geht, das Geschlechterverhältnis in der Regierung ausgeglichen zu gestalten. Sondern darum, eine sozialere Alternative zum Kronfavoriten Ignazio Cassis zu finden, der als forscher und unnachgiebiger freisinniger Ideologe gilt.

«Etwas zugespitzt formuliert»

Christine Blättler (50) ist CVP-Gemeinderätin in Cham und eigentlich auch gewählte Kantonsrätin – die aber wegen ihres Exekutivamts auf den Sitz im Kantonsparlament verzichtet hat. Sie hat eine Bemerkung zur Tonalität von Pfisters Tweet zu machen. Der sei, auch aufgrund der begrenzten Zeichenzahl von 140 Zeichen – «selbstverständlich etwas zugespitzt formuliert».

«Falsch ist die Aussage jedoch nicht», findet auch Blättler. Vor allem deswegen, da Pfister auf eine «von linker Seite her verhinderten Wahl einer liberalen Politikerin hinweist, welche 2010 einen hervorragenden Rucksack für den Bundesrat mitgebracht hätte.» Keller-Suter sei aber vielen Linken einfach ein Dorn im Auge gewesen – Frau hin oder her. 

Warum kein Frauenticket?

Und was denken die Zuger CVP-Politikerinnen über die Bundesrats-Ersatzwahl? «Die Diskussion rund um die Vor- und Nachteile einer Frauenquote ist emotional», sagt Christine Blättler. «Persönlich hätte ich mich über ein reines Frauenticket der FDP sehr gefreut.» Entscheidend sei für sie jedoch immer, dass qualifizierte Leute in den Bundesrat gewählt werden – unabhängig von Parteizugehörigkeit und Geschlecht.

«Persönlich hätte ich mich über ein reines Frauenticket der FDP sehr gefreut.» 

Christine Blättler, Gemeinderätin CVP, Cham

Laura Dittli findet Grafs Spruch «Es gibt mehr Frauen als Tessiner in der Bevölkerung» etwas gesucht. Ohne die einzelnen Kandidaten bewerten zu wollen, findet sie, dass die italienischsprachige Schweiz ein Anrecht auf eine Vertretung in der Landesregierung hat. «Zumal sie fast 20 Jahre darin nicht vertreten war und die Verfassung die Berücksichtigung aller Landesgegenden und Sprachregionen vorsieht.» Generell solle aber die Kompetenz einer Person am wichtigsten sein.

Keller-Suter wäre «sehr kompetent»

Etwas radikaler gibt sich Vreny Wicki. «Schön wär's», sagt sie zu einer möglichen Frauenvertretung im Bundesrat. Will aber dennoch nichts von Geschlechterquoten und Sitzaufteilung nach Sprachregion oder Heimatkanton wissen. «Wir brauchen die fähigsten Köpfe im Bundesrat.» Zum Beispiel, wen? «Karin Keller-Suter, sie ist sehr kompetent und macht auch einen hervorragenden Job im Ständerat.»

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