Catherine Meier hält die britische Fahne hoch.
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Catherine Meier hält die britische Fahne hoch.

Wer hätte das gedacht: Zugs Briten unterstützen vor allem Theresa May

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Momentan sind die von Theresa May angesetzten Neuwahlen fürs britische Unterhaus im vollen Gange. In Zug verfolgen viele der 2’243 hier lebenden Briten und Doppelbürger die Wahl mit Spannung. zentralplus holte Stimmen ein.

Grossbritannien steigt aus der EU aus. Mit Neuwahlen will die konservative britische Premierministerin Theresa May für die anstehenden Verhandlungen ihre Machtbasis sichern. Doch beging sie viele Fauxpas in den letzten Wochen, wovon Jeremy Corbyn, der bisher erfolglose Leader der linken Labour-Partei profitierte. May pokert hoch. Gibt es gar einen Machtwechsel im Brexit-Land? Was denken die hier lebenden Zuger Briten über die Wahl, wer ist ihr Favorit?

Zugs britische Community ist gross: 2’243 Personen, die im Kanton Zug wohnen, haben laut Statistik Wurzeln im Vereinigten Königreich.

Karen Umbach findet Mays Politik, die sie kritisch betrachtet, das kleinere Übel.
Karen Umbach findet Mays Politik, die sie kritisch betrachtet, das kleinere Übel. (Bild: mbe.)

Karen Umbach ist britisch-schweizerische Doppelbürgerin, Präsidentin von Kinderbetreuung Zug und Kantonsrätin. Sie stammt aus einer kleinen Ortschaft in Nordwales. «Ich habe nur noch wenig Bezug zu meiner alten Heimat, die ich 1987 verliess», sagt sie auf Anfrage. Sie verfolge die Wahl aber als politisch interessierte Person, so die Stadtzuger FDP-Gemeinderätin und Kantonsrätin.

«Der Zick-Zack-Kurs von Mays Politik irritiert mich.»
Karen Umbach, britische Zugerin

Corbyns Rezepte seien veraltet

Sie selbst nimmt nicht an der Unterhaus-Wahl teil, eine Meinung hat sie aber trotzdem. «Ich bin auf keinen Fall für Jeremy Corbyn», sagt sie. Seine Rezepte, dass der Staat den Bürgern alles umsonst geben sollte, taugten nichts und führten in die Vergangenheit. Von Theresa May ist Umbach aber ebenfalls enttäuscht. «Der Zick-Zack-Kurs ihrer Politik irritiert mich», sagt sie.

Den Brexit von 2016 bezeichnet Karen Umbach als «schlechteste Entscheidung des Landes». «Die Bürger wurden masslos angelogen, was das alles bringen würde. Heute würden sie, in Kenntnis der Fakten, wohl anders entscheiden.» Dennoch glaubt Umbach, dass May gewinnen wird. «Meine Landsleute haben heute einfach die Wahl zwischen dem Regen und der Traufe», sagt sie.

«Der Brexit war foolish und ein Schock.»
Andy Beaumont, Zuger Brite

Vermögende Expats für May?

Eine ähnliche Meinung hat Andy Beaumont, den wir im Pickwick Pup in Zug antreffen. Der Brite lebt schon über 25 Jahre in der Schweiz. Er sei «eher Tory», erklärt er. Wie seine oft vermögenden Kunden aus Zug, fügt er hinzu. Seine Firma hilft Expats bei Alltäglichkeiten und Formalitäten nach dem Zügeln.

Den Brexit bezeichnet er als «foolish» (dumm). «Niemand hätte gedacht, dass es ein Ja gibt, das war ein Riesenschock.» Ebenfalls dumm fände der Engländer nun einen Regierungswechsel von den Tories zu Labour. Kontinuität sei jetzt gefragt und nicht noch mehr Instabilität. Er selbst könne nicht mehr wählen, dafür müsste man sich in eine Wahlliste eintragen.

Der Engländer Andy Beaumont ist für May. «Corbys politische Rezepte stammen aus der Vergangenheit.»
Der Engländer Andy Beaumont ist für May. «Corbys politische Rezepte stammen aus der Vergangenheit.»

Anlaufstelle für Heimweh-Briten

May hat offenbar viele Freunde in Zug. Als «eine gute Politikerin» bezeichnet auch Catherine Meier von der Confiserie Meier die britische Premierministerin. Obwohl sie ursprünglich aus Schottland stammt, das May und erst recht dem Brexit kritisch gegenübersteht. Meier lebt eben schon über 40 Jahre fern ihrer alten Heimat. Ihr Ehemann ist der Zuger Confiseur Albert Meier.

Die Confiserie ist, neben ihrer langjährigen Kirschtorten-Tradition, auch eine Anlaufstelle für Heimweh-Briten. Denn hier kann man englische Produkte und Backwaren kaufen, manchmal dekoriert Catherine Meier das Schaufenster auch mit Bildern der Queen.

Einer für Corbyn

Ja, gibt es denn in diesem ganzen Zug keinen einzigen Labour-Fan? Im Pickwick-Pub hören wir eine laute Stimme «Vote for Corbyn!» rufen. Doch es stellt sich dann heraus, das der Rufer gar nicht aus dem Land der Queen stammt.

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