Zwei Elefanten aus Südafrika. (Bild: flickr/ Chris van Kan)
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Zwei Elefanten aus Südafrika. (Bild: flickr/ Chris van Kan)

Elefantenrunde in Luzern: CVP-Pfister ist das Alpha-Tier

8min Lesezeit

In der Uni Luzern fand eine sogenannte Elefantenrunde der nationalen Parteispitzen statt. Das Thema AHV-Reform wurde kontrovers diskutiert. zentralplus hat sich die Performances der Beteiligten angeschaut und festgestellt, nur lustig zu sein, genügt überhaupt nicht.

Diesen Mittwochabend debattierten die Spitzen der Bundesratsparteien an der Uni Luzern. Im Fokus stand das zentrale Geschäft der laufenden Legislatur: die umstrittene Altersvorsorge 2020. Und es wurde mit harten Bandagen gekämpft. SVP-Präsident Albert Rösti und FDP-Präsidentin Petra Gössi weibelten für eine Ablehnung, CVP-Präsident Gerhard Pfister und die kurzerhand für ihren Präsidenten Christian Levrat eingesprungene SP-Vizepräsidentin, Barbara Gysi, für eine Annahme.

Senkung des Umwandlungssatzes in der Pensionskasse, Frauenrentenalter 65, Kompensation von 70 Franken – die Vorlage ist äussert komplex. Am 24. September wird das Volk entscheiden. zentralplus hat am Podiumsgespräch des Luzerner Forums für Sozialversicherungen und soziale Sicherheit denn weniger auf die inhaltliche Argumentation geschaut, sondern sich ganz auf den Auftritt der Elefanten konzentriert. Die Notenskala ist selbsterklärend.

Rhetorik und Präsenz:

Pfister: Der Zuger in der Runde, Gerhard Pfister, ist als guter Redner bekannt. Immer wieder warf er seinen normalerweise bürgerlichen Partnern mangelndes Gespür vor und erinnerte an die heftige Klatsche bei der USR III. Glaubhaft konnte er die AHV-Reform als vertretbaren Kompromiss mit Chancen auf eine Mehrheit verkaufen. Note: 🐘🐘🐘

Rösti: Platz zwei geht an SVP-Präsident Albert Rösti. Geschickt führte er immer wieder ins Feld, wer alles die Zeche für die Vorlage bezahlt. Diese erklärende Art zeugte von Sensibilität fürs Volksempfinden. Note: 🐘🐘

Gössi: Relativ aggressiv und mit heftiger Bildsprache startete FDP-Präsidentin Gössi ihr Einstiegsplädoyer. Sie sprach von «süssem Gift» und «Klassenkampf». Diese Vorlage liegt der Nationalrätin definitiv am Herzen. Die engagierte Rede bringt ihr folgende Bewertung. Note: 🐘

Gysi: In dieser Kategorie war SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi die Schwächste. Es war spürbar, dass ihre drei Konkurrenten mehr Erfahrung auf der grossen Bühne haben. Die Statements wirkten teilweise technisch, im zweiten Teil versuchte sie allerdings geschickt Giftpfeile zu setzen, was besonders beim Publikum gut angekommen ist – dies wird aber in der letzten Kategorie bewertet. Note: 🐞

Am Podium in der Universität Luzern war die nationale politische Elite anwesend.
Am Podium in der Universität Luzern war die nationale politische Elite anwesend. (Bild: les)

Sachkompetenz

Gysi: Die Sozialpolitik ist das klassische Feld der Linken. Und Sozialpolitikerin Gysi konnte überzeugen. Immer wieder erklärte sie die Auswirkungen der Reform verständlich und zeigte auf, wer profitiert und wer verliert. Insbesondere die Anliegen der Frauen vertrat sie mit Nachdruck. Note: 🐘🐘🐘

Gössi: Inhaltlich total eine andere Schiene vertrat Petra Gössi. «Unsozial» sei die Vorlage und vom Prinzip «Giesskanne» sprach die Schwyzer Nationalrätin. Mit Beispielen konnte sie ihre Ansichten glaubhaft verkaufen. Note: 🐘🐘

Pfister: Auch CVP-Präsident Pfister überzeugte. Weniger in den Details der Vorlage als vielmehr im grossen Ganzen. Der Zuger hat verstanden, dass es für eine erfolgreiche Politik auch Kompromisse braucht. Note: 🐘

Rösti: Der letzte Platz geht ganz eindeutig an Albert Rösti. Er halte derzeit täglich Referate gegen die Energiestrategie und gab deshalb offen zu, kein Spezialist in diesem Thema zu sein. Das war zwar ehrlich, kratzte aber an seiner Glaubwürdigkeit. Note: 🐞

Humor

Rösti: Der Berner Oberländer war der Witzigste der Runde. Als er sich selbstkritisch zeigen sollte, meinte er lapidar: «Wäre schlecht, das wäre die Stärke eines Parteipräsidenten.» Angesprochen auf das knappe Resultat – in der Schlussabstimmung gab eine Stimme den Ausschlag – sagte er: «Wir hätten nur einen CVP-ler im richtigen Moment aufs WC schicken müssen.» Die Lacher hatte Rösti auf seiner Seite. Note: 🐘🐘🐘

Pfister: Geri Pfister sorgte für Schmunzler, als er Albert Rösti ein Führungsproblem in der SVP unterstellte. Die beiden Tessiner Lega-Politiker, die in der SVP-Fraktion politisieren, unterstützen nämlich die Vorlage. Lustig auch das Zitat: «Ich habe ein gewisses Verständnis für meine Position.» Note: 🐘🐘

Gössi: Bei der FDP-Präsidentin waren es weniger ihre eigenen Aussagen, sondern ihr Verhalten während des Podiums. Sie lachte oft und alberte mit dem Moderator oder ihren Gesprächspartner herum. Dabei wirkte sie sympathischer, als wenn sie stramm-liberale Positionen vertrat. Note: 🐘

Gysi: Die St. Galler Nationalrätin war die ernsteste Podiumsteilnehmerin. Verständlich, denn wirklich lustig ist Sozialpolitik ja selten. Ihre Angespanntheit hing wohl auch mit mangelnder Erfahrung in dieser Rolle zusammen – siehe Punkt eins. Note: 🐞

Barbara Gysi und Albert Rösti erläutern die Vorlage
Barbara Gysi und Albert Rösti erläutern die Vorlage (Bild: les)

Resonanz des Publikums

Gysi: Die politische Prägung des Publikums spielte bestimmt eine Rolle. Doch Gysi vermochte auch mit ihren Argumenten zu überzeugen. Kommt es während eines Podiums mehrfach zu spontanem Applaus, macht man vieles richtig. Note: 🐘🐘🐘

Pfister: Der CVP-Präsident erhielt ebenso Zuspruch. Fast schon staatsmännisch verkaufte er die AHV-Reform als gut schweizerischen Kompromiss. «Ohne die Linken im Boot geht es nicht», sorgte natürlich auch bei den Gysi-Supportern für Wohlwollen. Note: 🐘🐘

Gössi: Mit ihrer Argumentation hatte Gössi einen schweren Stand. Nichtsdestotrotz versuchte sie diese mit Substanz zu verkaufen und präsentierte nicht nur leere Worthülsen. Das reicht locker für den dritten Platz. Note: 🐘

Rösti: Die Stärken der SVP liegen bestimmt nicht in der Sozialpolitik. Das wurde dem Publikum an diesem Abend mehr als klar. Rösti sorgte eher für Kopfschütteln als für Kopfnicken mit seinen unfundierten Statements. Note: 🐞

Gerhard Pfister und Petra Gössi hören gespannt Moderator Hannes Blatter zu.
Gerhard Pfister und Petra Gössi hören gespannt Moderator Hannes Blatter zu. (Bild: les)

Fazit: Punktsieg für Gerhard Pfister

Mit acht Punkten hat Gerhard Pfister das Podium klar für sich entschieden. Dahinter wird es eng. Bei Barbara Gysi war’s eher eine Achterbahnfahrt, bei Petra Gössi viel Durchschnitt. Der Schwächste der Runde war SVP-Präsident Albert Rösti. Bis zur Abstimmung am 24. September wird jedoch noch viel Wasser die Reuss hinunterfliessen und die Protagonisten werden sich noch an etlichen Podien Saures geben. Dass bei einer spontanen Abstimmung etwa drei Viertel für die AHV-Reform in dieser Form stimmten, zeigt jedoch deutlich, dass insbesondere die Gegner noch viel zu tun haben.

Sonderpreis des Abends🍍🐘: Der Geschäftsführer des Luzerner Forums, Hannes Blatter, führte voller Elan durch den Abend und löcherte die Politiker mit spannenden Fragen. Ein belebendes Element.

Negativer Höhepunkt 🐘💩: Der Teilnehmer, welcher die «starke Vermehrung der Asylanten» als Bedrohung für unsere Sozialwerke darstellte.

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