Das Dorfzentrum von Baar ist zwar verkehrsberuhigt, auf der Dorfstrasse (Bild) gilt Tempo 30. Lebendiger ist es aber deswegen nicht geworden. (Bild: zVg)
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Das Dorfzentrum von Baar ist zwar verkehrsberuhigt, auf der Dorfstrasse (Bild) gilt Tempo 30. Lebendiger ist es aber deswegen nicht geworden. (Bild: zVg)

CVP macht Gemeinderat Dampf – Baarer Dorfzentrum soll attraktiver werden

5min Lesezeit

In rund vier Jahren wird die neue Tangente Zug-Baar eröffnet. Die CVP Baar findet, dass man die Chance nutzen sollte, um die Attraktivität des Dorfzentrums zu steigern. Tempo 30 allein genüge nicht. Denn noch sei man weit von einem attraktiven Einkaufs- und Erlebnisort entfernt.

Die Gemeindeverwaltung Baar hat am Donnerstag-Mittag Besuch bekommen. Vertreter der lokalen CVP haben dem Gemeindeschreiber Walter Lipp am Mittag eine Motion überreicht. Also eine Aufforderung zum Handeln.

Diese beauftragt den Baarer Gemeinderat, im Hinblick auf die Eröffnung der Tangente Zug-Baar in einem Massnahmenplan aufzuzeigen, wie das Zentrum von Baar als Einkaufsort und Treffpunkt für die Baarer Bevölkerung aufgewertet werden kann.

Chance nutzen

«Die Chancen, die sich durch die Eröffnung der Tangente für die Steigerung der Attraktivität des Zentrums von Baar ergeben, gilt es zu nutzen», sagt Barbara Häseli, Präsidentin der CVP Baar.

Schon 2010 habe die Partei in einer ähnlich lautenden Motion die Schaffung einer Begegnungszone in der Dorf- und der Rathausstrasse gefordert. «Diesem Vorstoss ist es zu verdanken, dass heute im Dorfzentrum Tempo 30 gilt», erklärt Häseli.

Die CVP erwarte vom Gemeinderat konkrete Vorschläge, wie Plätze aufgewertet oder neu erstellt werden können oder wie durch die Schaffung neuer Begegnungsorte und Einkaufsgelegenheiten das Zentrum belebt werden könne. «Will ein Geschäft heute überleben, muss das Einkaufen gesamthaft betrachtet einen Erlebnischarakter aufweisen», erklärt die Präsidentin. «Heute ist das Baarer Zentrum weit davon entfernt, ein solch attraktiver Einkaufs- und Erlebnisort zu sein.» (siehe auch Box)

Die Baarer CVP-Präsidentin Barbara Häseli überreicht Gemeindeschreiber Walter Lipp (rechts) die Motion ihrer Partei.
Die Baarer CVP-Präsidentin Barbara Häseli überreicht Gemeindeschreiber Walter Lipp (rechts) die Motion ihrer Partei. (Bild: zVg)

Verkehrsfreie Zonen einrichten?

Die Partei findet, dass Tempo 30 an der Dorfstrasse nicht ausreicht. «Der CVP ist es ein grosses Anliegen, dass es nicht bei isolierten Massnahmen bleibt», sagt Häseli. Sie fordert mehr Mut von der Exekutive.

Der Gemeinderat wird deshalb aufgefordert, einen langfristigen, koordinierten Prozess einzuleiten und dabei verschiedene verkehrsberuhigende Massnahmen – wie Begegnungszonen oder sogar verkehrsfreie Zonen – in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Ein neuer Markt in Baar?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Baars Ladenmix ziemlich öde ist. Ausser dem Grundbedarf, den man bei den Grossverteilern decken kann, gibt es wenig spannende Einkaufsmöglichkeiten wie zum Beispiel urban-moderne Kleiderläden. Gibt es da auch Ideen seitens der CVP? «Wir haben ja keinen eigentlichen Wirtschaftsminister in Baar», sagt Präsidentin Barbara Häseli, doch das Zentrum müsse einfach lebendiger werden. Ihr persönlicher Wunsch wäre ein weiterer Lebensmittelmarkt zwischen Bahnhof und Dorfstrasse. «Die Frage wäre, ob die Bauern mitmachen würden», sagt sie. Es gebe ja schon den Samstagsmarkt auf dem Rathausplatz. «Doch ein Markt am Montag oder Mittwoch  wie in anderen Ortschaften wäre attraktiv. Es könnten ja auch fixe Stände sein oder eine Art Markthalle.»

Weil solche weitergehenden Massnahmen jedoch oft umstritten sind, fordert die Partei den Gemeinderat auf,  die Betroffenen – Läden, Restaurants, Grundeigentümer und Quartierbewohner – in den Prozess zu integrieren und ihre Ideen anzuhören.

CVP wirft Gemeinderat keine Untätigkeit vor

Die Frage, ob ihre Partei dem Gemeinderat nun vor den Feiertagen ein Kuckucksei ins Osternest gelegt hat, verneint Barbara Häseli. «Wir sagen ja nicht, dass nie etwas passiert ist. Es ist mehr ein Denkanstoss. Was uns fehlt, ist eine Gesamtschau und eine Vision für Baar.»

Man sollte sich auch die Folgen der Tangente überlegen. «Diese ist ja auch eine Gratwanderung, gerade fürs Gewerbe.» Während die einen weniger Verkehr begrüssten, könnte den Läden plötzlich die Laufkundschaft ausgehen. «Man müsste sich auch überlegen, ob es genügend Parkplätze gibt», sagt die CVP-Präsidentin. Statt nun dem Gemeinderat einen Massnahmenkatalog vorzulegen, wolle man nun aber ihm dem Lead überlassen. Ansonsten diskutiere man wieder nur über Einzelmassnahmen.

Die Gemeinde habe zwar nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. «Aber der Gemeinderat kann als einziger, die verschiedenen Gruppen an einen Tisch bringen und sollte unserer Meinung nach die Führungsrolle übernehmen.»

Für Gemeindeversammlung im Juni zu spät

Der Baarer Gemeindeschreiber Walter Lipp sagt auf Anfrage, die Gemeinde habe die Motion gerne entgegen genommen. Sie renne quasi offene Türen ein, denn der Gemeinderat habe sich in einer Klausur bereits Gedanken gemacht, wie Baar in 10 Jahren aussehen könnte.

«Die Motion ist jedoch ein klarer Auftrag. Sie unterstreicht, was die Gemeinde sowieso macht», sagt Lipp. Die Abteilungen würden nun baldmöglich eine Auslegeordnung vornehmen und eine Vorlage für den Gemeinderat ausarbeiten. An die Gemeindeversammlung vom 22. Juni wird der Vorstoss jedoch noch nicht kommen, dafür ist die nötige 90-Tage-Frist nicht erfüllt. Es werde wohl im September oder im Dezember behandelt.

Der richtige Zeitpunkt

Der wählerstärksten Partei Baars pressiert es auch gar nicht. Die Tangente wird ja erst zirka 2021 eröffnet. Dennoch findet die Partei, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um den Karren anzustossen, es bleibe noch genügend Zeit bis zur Eröffnung, um sich grundlegend Gedanken zu machen.

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