Der ehemalige Kantonsförster Martin Winkler. (Bild: Montage les)
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Der ehemalige Kantonsförster Martin Winkler. (Bild: Montage les)

Wie der Kantonsförster abgesägt wurde

9min Lesezeit

Der unvermittelte Abgang von Kantonsförster Martin Winkler nach fast 30 Dienstjahren sorgt für rote Köpfe in der Zuger Waldwirtschaft – und für Kritik an der Personalführung von Frau Landammann Manuela Weichelt, der einzigen Frau und linken Politikerin in der Zuger Regierung. Werfen wir einen analytischen Blick hinter die Kulissen.

Markus Mathis

«Das ist einfach keine Art», schäumt der Walchwiler Revierförster Vitus Hürlimann über die stille Verabschiedung des Kantonsförsters Martin Winkler nach 28 Jahren im Dienste des Kantons und der Republik Zug. Kein Dank, keine Würdigung, ein nüchterner Satz, war alles, was zu Winklers Kündigung kommuniziert wurde. Dies bewegte Hürlimann dazu, mit einem erzürnten Leserbrief in der «Zuger Zeitung» die Personalführung der grün-alternativen Regierungsrätin Manuela Weichelt zu kritisieren und einen politischen Aufruhr zu entfachen.

SVP-Kantonsrat Philip C. Brunner nahm Hürlimanns Argumente auf, schickte eine kleine Anfrage an die Regierung, was von den Grünen mit einer Gegenanfrage zur Personalführung in der SVP-geführten Finanzdirektion gekontert wurde (zentralplus berichtete). Denn dort hatte es in jüngerer Vergangenheit ebenfalls mehrere Kündigungen gegeben, wie auch im Departement des Innern von Manuela Weichelt.

Waldbesitzer mit politischem Einfluss

Absehbar ist, dass das politische Hickhack keine Klarheit zu den Vorgängen in der Verwaltung bringt – das müssen die Medien leisten. Rückblende: Als Manuela Weichelt 2006 in den Regierungsrat gewählt wurde, war Martin Winkler Leiter des Kantonsforstamts. Traditionell ist das ein personell gut besetztes Amt, denn Wald bedeckt knapp einen Drittel des Zuger Kantonsgebietes und die Waldbesitzer – vor allem Korporationsgemeinden– gelten als einflussreiche politische Player.

2010 wurde Weichelt wieder gewählt, aber der zweite linke Sitz in der Regierung ging verloren. Manuela Weichelt ist seitdem nicht nur die einzige Frau, sondern auch die einzige Vertreterin der Linken in der Regierung.

Politisches Manöver verläuft im Sand

Nun entwickelten ihre politischen Gegner flugs kreative Ideen, wie sie auch die letzte Linke in der Regierung loswerden oder zumindest schwächen konnten. Eine davon hatten der Walchwiler SVP-Kantonsrat Moritz Schmid und der Zuger FDP-Mann Rudolf Balsiger, die das Amt für Forstwirtschaft aus der Direktion des Innern loseisen und der Baudirektion unterstellen wollten.

Ihre Initiative lief freilich ins Leere. Die Gesamtregierung hatte im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform Pragma von langer Hand die Fusion des Amts für Forstwirtschaft mit dem Amt für Fischerei und Jagd vorbereitet und setzte diese um.

Eine Fusion mit Folgen

Der Staatskalender 2011/12 wies für das Kantonsforstamt 13 Angestellte, fürs Amt für Fischerei und Jagd 5 Angestellte aus. Die Fischerei und Jagd sollte mit dieser Reorganisation entlastet werden.

«Die Zusammenlegung der beiden Ämter beschloss der Regierungsrat aufgrund einer externen Analyse.»

Manuela Weichelt, Zuger Regierungsrätin und Frau Landammann

Doch mit dieser Zusammenlegung der beiden Ämter zum Amt für Wald und Wild entstanden auch Konflikte, die später zu gewichtigen Abgängen führen sollten. Kantonsförster Winkler musste sich nun die Leitung mit Peter Ulmann, dem bisherigen Chef des viel kleineren Amts für Fischerei und Jagd, teilen. Das bestehende Personal wurde auf drei Abteilungen aufgeteilt, daneben wurden zentrale Dienste ausgeschieden. Der einst mächtigen Waldwirtschaft war die Abteilung «Waldplanung und Waldnutzung» vorbehalten, «Naturgefahren und Schutzwald» kümmerte sich um die aufgewertete Schutzfunktion des Waldes, die Abteilung Jagd und Fischerei erhielt zusätzlich ökologische Aufgaben.

Effizienz sieht anders aus

Die Waldbewirtschafter waren mit dieser Umstrukturierung nicht glücklich und sind es bis heute nicht. «Wo wir früher eine Ansprechperson beim Kanton hatten, haben wir nun drei bis vier», sagt Walter Andermatt, Chef der Korporation Baar und Präsident von Wald Zug. Man habe sich zwar daran gewöhnt, aber die Situation sei «nicht ideal».

«Die Zusammenlegung der beiden Ämter beschloss der Regierungsrat aufgrund einer externen Analyse», sagt Manuela Weichelt. Die Amtsleitungen seien früher nachweislich überlastet gewesen. Sie hätten vor der Reorganisation auch keine Abteilungsleitungen gehabt, um Aufgaben zu delegieren.

Winkler wird zurückgestuft

Kantonsförster Martin Winkler trug die Vorgaben seiner Regierungsrätin mit, trat medienwirksam als Promoter des Zuger Schutzwaldes auf und zerrte einen Unterägerer Bauern, der unbewilligt Bäume am Waldrand gefällt hatte, vor Gericht. Das nützte ihm alles nichts.

Ende 2015 setzte sich Co-Leiter Peter Ulmann zum Kanton Luzern ab. Von dort wurde nun ein neuer Chef fürs Amt für Wald und Wild geholt: Otto Holzgang. Dieser brachte Erfahrungen mit Restrukturierungen mit. Co-Leiter Winkler indes wurde degradiert und leitete fortan nur noch die Abteilung Naturgefahren und Schutzwald.

Weichelt vertritt ihre Vorstellungen bis ins Detail

Dummerweise warf der neue Amtsleiter Holzgang noch in der Probezeit den Bettel hin. Manuela Weichelt und er hätten «unterschiedliche Ansichten bezüglich des Ausrichtung des Amts und bezüglich der Art und Weise, wie ich das Amt zu führen habe», sagte er im vergangenen Sommer der «Neuen Zuger Zeitung».

Will den kantonalen Fuss vom Gaspedal nehmen: Frau Landammann Manuela Weichelt.
Will den kantonalen Fuss vom Gaspedal nehmen: Frau Landammann Manuela Weichelt. (Bild: fam)

Aber was heisst das nun? Manuela Weichelt hat einen beachtlichen politischen Gestaltungswillen und in ihren zehn Jahren im Amt auch schon einiges verändert – sehr zur Freude ihrer Wählerschaft.

Gemäss Gewährsleuten pflegt sie sich in Dossiers einzuarbeiten und bei ihren Chefbeamten auch in Detailfragen zu intervenieren. Dies ertragen wohl nicht alle Männer in leitender Stellung gleich gut – zumal Weichelt eine links-grüne Politikerin und eine Frau ist, die darüber hinaus Ostschweizer Dialekt spricht.

Flirt mit «grünem» Superamt

Das Amt für Wald und Wild hat – wie andere Ämter auch – im Rahmen des kantonalen Entlastungsprogramms erhebliche Einsparungen zu schultern. Die Zuger Regierung überlegt sich gar in Zukunft ein «grünes» Superamt zu schaffen, in dem verschiedene Amtsstellen zusammengefasst werden. Das freut die Waldwirtschaft gar nicht.

«Es darf nicht sein, dass man den Fokus im Zuger Wald nur noch auf die Biodiversität und ökologische Ausrichtung setzt.»

Walter Andermatt, Präsident Wald Zug

«Man muss sich beim Kanton überlegen, wohin das Ganze führen soll. Es darf nicht sein, dass man den Fokus im Zuger Wald nur noch auf die Biodiversität und auf eine reine ökologische Ausrichtung setzt», sagt Wald-Zug-Präsident Walter Andermatt. Denn gerade weil der Wald bisher naturnah genutzt und professionell bewirtschaftet worden sei, sei die Biodiversität heute so hoch. «Deshalb fordern wir, dass die wirtschaftliche Nutzung auch beim Kanton im Vordergrund bleiben muss.»

Die Sparprogramme jagen sich

Und Kantonsförster Martin Winkler? Der kam auch nach Holzgangs Rückzieher nicht mehr als Amtsleiter zum Handkuss. Priska Müller von der Abteilung Jagd, Fischerei und Biodiversität leitete das Amt für Wald und Wild interimistisch. Winklers Kündigung sehen seine Freunde aus dem Forst so: Der Kantonsförster habe «mehr als 10 Jahre schulmeisterliche Behandlung ertragen müssen» und deswegen «die Reissleine» gezogen. Dies schreibt zumindest der pensionierte Baarer Förster Karl Müller in einem Leserbrief der «Zuger Zeitung».

Von den Hauptakteuren – Frau Landammann Manuela Weichelt und Kantonförster Martin Winkler – ist nichts zum Vorgang zu erfahren. Beide verweisen auf eine Schweigevereinbarung, die im Zusammenhang mit der Demission abgeschlossen wurde (zentralplus berichtete).

Aber Martin Winkler hat wohl gesehen, dass weitere Einsparungen und Umstrukturierungen geplant sind. Tatsächlich wird im Sparpaket 2018 der Waldpflege 305'000 Franken gestrichen, wie am Freitag bekannt wurde. Ausserdem gibts 40'000 Franken weniger Entschädigungen an die Revierförster der Korporationen. Es wird nicht das einzige Streichkonzert bleiben, denn die Zuger Regierung plant mit «Finanzen 2019» schon das nächste Sanierungsprogramm.

Neuer Amtsleiter wurde als Sanierer geholt

Albin Schmidhauser, der seit 1. März das Amt für Wald und Wild leitet, wurde vom Departement des Innern medial ganz speziell angepriesen: Der 62-jährige Zuger, der früher beim Kanton Luzern arbeitete, verfüge nicht nur über Fachwissen, sondern auch über langjährige Verwaltungs- und Führungserfahrung. Und jetzt kommt’s: «Dazu gehören insbesondere die Erarbeitung und Umsetzung diverser Sparprogramme und Leistungsüberprüfungen sowie Reorganisationen und Verwaltungsreformen.»

Affaire à suivre.

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