Die SP/Juso-Grossstadträte Nico van der Heiden, Max Bühler und Mario Stübi bei einer Ratssitzung. (Bild: Roman Beer)
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Die SP/Juso-Grossstadträte Nico van der Heiden, Max Bühler und Mario Stübi bei einer Ratssitzung. (Bild: Roman Beer)

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Mit den Neuwahlen des Grossen Stadtrates sind auch neun neue Stadtparlamentarier gewählt worden – darunter nur zwei Frauen. Dies ausgerechnet wegen der SP, sie hat neu den drittkleinsten Frauenanteil im Parlament. Wieso?

Die SP war am Wahlsonntag grosse Siegerin, im Stadtparlament hat sie zwei Sitze dazugewonnen. Gesunken ist allerdings der Frauenanteil in der SP-Fraktion, von 42 auf 29 Prozent. Denn die Sozialdemokraten haben auf die neue Legislatur hin auch eine Rücktrittswelle verkraften müssen (zentralplus berichtete). Martina Akermann, Esther Burri, René Meier und Theres Vinatzer traten nicht mehr an. Daher wurden für die SP reihenweise neue Köpfe ins Parlament gewählt, vor allem Männer: Parteipräsident und Sozialarbeiter Claudio Soldati ist neuer Grossstadtrat, ebenso wie Sedel-Präsident und Journalist Adi Albisser, Gleichstellungsspezialistin Maria Pilotto und Historiker Gianluca Pardini (der Sohn von Kantonsrat Giorgio Pardini).

Mit dem besten Resultat aller Kandidierenden ins Stadtparlament gewählt wurde auch der neue Stadtrat Beat Züsli – er wird dieses Amt als neuer Stadtrat Luzerns aber nicht antreten können. Im Grossstadtrat rückt daher als erster Ersatzmann Michael Ledergerber für Züsli nach, er ist Geschäftsleiter der Behindertenorganisation Procap Luzern, Ob- und Nidwalden. Auch als Kantonsrat tritt der neue Stadtrat Züsli zurück, wie SP-Präsident Claudio Soldati auf Anfrage bestätigte. Dort rückt der Mittelschullehrer und VPOD-Präsident Urban Sager nach, der bei den Kantonsratswahlen auf den ersten Ersatzplatz gewählt wurde – und am Sonntag auch in den Grossstadtrat. Und weil Urban Sager statt Grossstadtrat Kantonsrat wird, rückt auch die erste Ersatzfrau nach, Gestalterin Nina Steinemann.

Den Juso-Sitz übernimmt der Grafiker und SP-Sekretär Yannick Gauch von Max Bühler, der nicht mehr angetreten ist.

SP fast ohne Frauen

Mit diesen Wechseln gewinnt, so ein erstes Fazit, die SP/Juso-Fraktion einige politerfahrene und bekannte Mitglieder – hat aber gleichzeitig weniger Frauen: Neben den neugewählten Maria Pilotto und Nina Steinemann gibt es nur noch zwei weitere Frauen in der 14-köpfigen Fraktion, Judith Dörflinger Muff und Luzia Vetterli. Das ist der drittkleinste Frauenanteil aller Parteien. Nur die SVP (Lisa Zanolla und sechs Männer) und die GLP (Laura Kopp und drei Männer) haben weniger Frauen.

Ist die SP also ein «Boys Club»? «Nein», findet SP-Präsident Claudio Soldati: «Die SP war immer durch viele Frauen in Regierung und Parlament vertreten. Wir sind sehr bemüht darum, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herzustellen.» Tatsächlich waren auf der SP-Liste 20 Frauen und 26 Männer vertreten. Warum nun hauptsächlich Männer gewählt wurden, kann sich Soldati nicht abschliessend erklären: «Normalerweise spült es eher die Frauen auf der Liste nach oben.» Diesmal war es umgekehrt. Die gewählten Männer seien in der Stadt allesamt sehr gut vernetzt, gibt Soldati zu bedenken: «Ihre Wahl ist also individuell sehr gut nachvollziehbar, unabhängig vom Geschlecht.» Es fällt aber auf: In den führenden Positionen der Partei engagieren sich im Moment vor allem Männer: Soldatis Vize in der städtischen SP ist Grossstadtrat Simon Roth, Fraktionschef ist Nico van der Heiden.

Immerhin: Tritt in den nächsten vier Jahren jemand zurück, steht mit Pfadi-Kantonsleiterin Nora Peduzzi eine weitere Frau auf dem ersten Ersatzplatz in den Startlöchern. Die bloss noch vier SP-Frauen bedeuten auch insgesamt weniger Frauen im neuen Parlament. Es sind noch 14 Frauen vertreten, eine weniger als bisher. Das ist ein Frauenanteil rund 32 Prozent.

CVP: Die Gmür-Dynastie lebt weiter

In der CVP gab es drei abtretende Grossstadträte: Der junge Vater Reto Derungs trat nach vier Jahren nicht mehr an. Und mit Markus Mächler und Thomas Gmür verabschiedeten sich auch zwei CVP-Urgesteine aus dem Rat. Dass der Name Gmür nicht aus der städtischen Politik verschwindet, dafür sorgt nicht nur Thomas Gmürs Schwägerin und Stadtparteipräsidentin Andrea Gmür, sondern auch sein Bruder: Der Transport-Unternehmer Peter Gmür wurde neu in in den Grossstadtrat gewählt. Stimmt er im Rat, wie er in seinem Smartvote-Profil angibt, wird der neue Gmür, wie sein zurückgetretener Bruder, am rechten Rand der CVP politisieren.

SVP: ein moderater Neuer?

Einen Wechsel gab es auch bei der SVP, die weiterhin sieben Grossstadträte stellt: Ernst Brunner, der erst im Januar für Dieter Haller nachgerückt war, trat nicht mehr an. Neu dabei ist der 36-jährige Logistikleiter Mario Willimann. Der Gewerbler scheint nicht unbedingt am rechten Rand seiner Partei zu politisieren. So befürwortet er beispielsweise mehr Kindertagesstätten und den städtischen Aktionsplan «Luft Energie Klima 2015», der erneuerbare Energien fördern will. In der Verkehrs- und Ausländerpolitik hingegen ist er ganz auf der Linie seiner SVP.

Keine neuen Grossstadträte gibt es bei den Grünen/Jungen Grünen (sieben Sitze), den Grünliberalen (vier Sitze) und der FDP (neun Sitze). Auch wurde kein bisheriger Grossstadtrat, keine bisherige Grossstadträtin abgewählt.

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