Damian Müller (FDP) und Konrad Graber (CVP) gehen für Luzern in den Ständerat. (Bild: jakob ineichen)
Politik Wahlen

Damian Müller (FDP) und Konrad Graber (CVP) gehen für Luzern in den Ständerat. (Bild: jakob ineichen)

Luzerner wählen Graber und Müller ins Stöckli

7min Lesezeit

Konrad Graber (CVP) wird in seinem Amt bestätigt und Damian Müller (FDP) wird jüngster Ständerat der Schweiz. Beide schaffen den Sprung ins Stöckli. Prisca Birrer-Heimo (SP) und Yvette Estermann (SVP) gehen leer aus. 

Die Würfel sind gefallen: Am heutigen Wahlsonntag wird der CVP-Ständerat Konrad Graber (57) in seinem Amt bestätigt. Der Krienser steigt somit in seine dritte Legislatur. Für die FDP kann Damian Müller den Sitz im Stöckli verteidigen. Der 31-jährige Hitzkircher Kantonsrat tritt die Nachfolge des abgetretenen Georges Theiler an. Die Wahlbeteiligung betrug 40,4 Prozent.

Schlussresultat 2. Wahlgang 

Nicht gewählt wurden: Prisca Birrer-Heimo (SP) mit 34'330 Stimmen, Yvette Estermann (SVP) mit 27'648 Stimmen und Rudolf Schweizer (Parteilose Schweizer) mit 2'123 Stimmen.

Päckli hat sich gelohnt

Konrad Graber erzielte bereits im ersten Wahlgang am 18. Oktober mit 64'577 Stimmen ein Spitzenresultat. Der bestätigte Krienser Ständerat zeigte sich sichtlich erfreut und trotz erwarteter Wiederwahl auch erleichtert, dass er nun seine dritte Amtsperiode in der kleinen Kammer antreten darf: «Ich freue mich, dass die Luzerner Bevölkerung meine Arbeit honoriert. Als Ständerat will ich in den nächsten vier Jahren weiterhin Akzente setzen und mehrheitsfähige Lösungen für Schweiz und Kanton setzen.»

«Es war mir klar: Das Resultat im ersten Wahlgang war keine Garantie für den zweiten.»

Damian Müller (FDP)

Die FDP des Kantons Luzern haben im Vorfeld beschlossen, eine gemeinsame Liste mit Konrad Graber und Damian Müller zu verabschieden. CVP-Parteipräsident Pirmin Jung sieht unter anderem den Erfolg in der gemeinsamen Listenverbindung: «Wir haben richtig entschieden. Das Resultat des ersten Wahlgangs wurde heute bestätigt.»

Jüngster Ständerat der Schweiz

Damian Müller kann den Sitz seiner Partei für den abtretenden Georges Theiler verteidigen. Der Sitz gehört seit 60 Jahren den Liberalen. Müllers Ergebnis überrascht nicht, im ersten Durchgang war er bereits erstaunlich stark. Der 31-jährige Seetaler wird nun der jüngste Ständerat der Schweiz. «Es war mir klar, dass das gute Resultat im ersten Wahlgang keine Garantie war für den zweiten Wahlgang. Umso mehr bin ich erleichtert und dankbar, dass das Luzerner Stimmvolk mir so klar das Vertrauen ausgesprochen hat», sagt Müller kurz nach seiner Wahl.

 «Ich freue mich, dass die Luzerner Bevölkerung meine Arbeit honoriert.»

Konrad Graber (CVP)

Er sei sich bewusst, dass er seine Wahl in den Ständerat der Unterstützung von vielen Personen zu verdanken hat. «Ich bedanke mich ganz herzlich für die grossartige Solidarität, die ich in den letzten Wochen und Monaten erleben durfte. Zusammen mit der Partei und meinem Wahlkampfteam sowie sehr vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern habe ich mit viel Engagement für ein gutes Resultat gekämpft. Die tatkräftige und grosszügige Unterstützung hat mich überwältigt.» Er habe zudem Respekt vor den Aufgaben, die in Bern auf ihn warten. «Diese Herausforderungen werde ich mit Freude anpacken und mich als Ständerat in Bern für die Luzerner Anliegen stark machen», verspricht der frisch gewählte Ständerat.

«Achtungserfolg» von Birrer-Heimo

Mit 34'330 Stimmen ist die SP-Kandidatin Prisca Birrer-Heimo hinter Müller weit abgeschlagen. Die SP spricht dennoch von einem Achtungserfolg und formuliert es positiv: «Der heutige Wahltag zeigt, dass in Luzern auch bei Ständeratswahlen künftig mit der SP gerechnet werden muss», bilanziert Kantonalparteipräsident David Roth. Nach gesteigerten Wähleranteilen bei den Kantons- und Nationalratswahlen und dem heutigen Achtungserfolg steige die SP guten Mutes in den Wahlkampf für die kommunalen Wahlen vom kommenden Mai.

Birrer-Heimo zeigte sich zufrieden mit dem Resultat: «Ich gratuliere Konrad Graber und Damian Müller zur Wahl in den Ständerat. Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Ich danke allen Helferinnen und Helfern, die sich für mich eingesetzt und in den letzten Wochen noch einmal alles gegeben haben.» Sie habe während des Wahlkampfes einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung gespürt. Das motiviere sie für ihre Arbeit im Nationalrat in den kommenden vier Jahren, so Birrer-Heimo weiter.

 

Kommentar: Das «Risiko Müller» hat sich gelohnt

So selbstverständlich wie das heute aussieht, war der Sieg für die FDP nicht. Für sie stand viel auf dem Spiel. Seit 60 Jahren haben die Liberalen ihren Ständeratssitz unter Kontrolle. Man stelle sich nur mal vor, was es für einen Aufschrei gegeben hätte, wäre der Sitz heute an die SP gegangen. Aber nichts da. Müller lässt die Konkurrenz deutlich hinter sich. Alles ist im Trockenen. Und das verdankt die FDP vor allem einer cleveren Strategie.

Denn dass Damian Müller so gut abschneidet, konnte man noch vor ein paar Monaten nicht wirklich erwarten. Der heute 31-Jährige sei zu jung und unerfahren für das Amt eines Ständerats, kritisierten Skeptiker von allen Seiten – und nicht wenige aus den eigenen Reihen. Viele hatten Damian Müller einen solchen Effort nicht zugetraut.

Und auf der anderen Seite hätte die SP der FDP mit einer starken Kandidatin gefährlich werden können; mit der national bekannten Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo.

Die FDP, Müllers Komitee und Müller selbst haben alles richtig gemacht. Dank viel Geld, einem professionell dirigierten Wahlkampf samt Medienorchester und nicht zuletzt persönlichem Engagement war Müller im Kanton Luzern omnipräsent. Er war von allen Kandidaten am meisten unterwegs und seine Auftritte haben auf viele Leute überzeugend gewirkt. Müller gilt als Polit-Talent, manche sagen, er sei sogar bereits ein «Polit-Star».

Den cleversten Schachzug machte die FDP mit gemeinsamen Wahlvorschlägen mit der CVP. Damian Müller stand mit Konrad Graber auf je beiden bürgerlichen Listen und erhielt so viele Stimmen der CVP. 63 Prozent von allen Stimmen wählten Graber und 48 Prozent aller Stimmen wählten Müller. Die bürgerlichen Wähler setzten quasi auch aus Prinzip auf die FDP. Das war ausschlaggebend.

Nun muss sich Damian Müller als jüngster Schweizer Ständerat bewähren und die hohen Erwartungen, die er geschürt hat, erfüllen. Der «Politi-Star» wird alle Skeptiker überzeugen müssen, die ihm mangelnde politische Erfahrung vorwerfen. Einfach wird das nicht.

Impressionen vom Wahlsonntag

Mehr Bilder finden Sie hier in unserer Slideshow (Bilder: Jakob Ineichen).

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