Satire im Netz: Der Urheber findet's lustig, die FDP nicht.  (Bild: tkre)
Politik Medien

Satire im Netz: Der Urheber findet's lustig, die FDP nicht. (Bild: tkre)

Internet-Profi veräppelt Luzerner FDP

6min Lesezeit 1 Kommentare

Es gibt viele Kuriositäten im World Wide Web. Der Internet-Profi Max Ruchti treibt es aber ziemlich bunt. Er hat es speziell auf die Luzerner FDP abgesehen – es gäbe viele «Witzfiguren» in dieser FDP. Mit vielen Blogs gelangt er bei Google systematisch auf die Hitliste. Was steckt dahinter? 

Wenn man «fdp-luzern.ch» in den Browser eintippt, erscheint nicht etwa eine offizielle Seite der Luzerner Liberalen. Nein, die Domain führt uns auf einen – etwas schrägen – Blog.

Mit dickem Stempel steht da zwar «Vorsicht Satire». Trotzdem befindet sich das offzielle blaue Logo der FDP Luzern drauf. Und gleich daneben steht mit knallig roten Buchstaben: «Die Partei der Liebe.» Lustig für die, welche den Humor teilen. Für andere ziemlich fragwürdig. 

Als Autor zieht ein gewisser «Omischreck» über die Luzerner FDP her. Die falsche Partei-Seite ist in der Hitliste von Google weit oben. Da hat ein Kenner mit System und den entsprechenden Möglichkeiten gearbeitet. Es gäbe viele «Witzfiguren» in dieser FDP, so zum Beispiel den «achten Blick-Bundesrat» oder «den 31-jährigen Ständeratskandidaten D. M.». Dieser sei eine «Kinderüberraschung». 

«Ich gehe an die Grenzen des ‹noch Vertretbaren›.»

Max Ruchti, SEO-Spezialist

Stolz auf sein Werk

Der Urheber dieser kuriosen Seite ist Max Ruchti, 41-jährig, gebürtiger Luzerner und selbstständiger Domain-Händler. Er lebt und arbeitet in Zürich und besitzt nach eigenen Angaben ein paar Hundert Reservationen für Internetseiten im Netz.

Max Ruchti (41)
Max Ruchti (41) (Bild: zvg)

Gegenüber zentral+ sagt er: «Beim ‹FDP Luzern›-Projekt kann ich schon sagen, dass ich an die Grenzen des ‹noch Vertretbaren› gehe». Ruchti optimiert seine Seiten für die Suchmaschinen. Er setzt auf Satire, dabei steht er mit vollem Namen hin und schreibt einfach, was ihm so einfällt.

Ruchti sei stolz auf sein Werk, sagt er gegenüber zentral+. Sein Business sei, verschiedene Domains als Blogs zu projektieren. «Ich probiere zum Beispiel verschiedene Techniken aus, um bei Suchmaschinen möglichst weit oben zu stehen Ruchti bewirtschaftet noch mehrere weitere Blogs, die unter dem Suchbegriff «FDP Luzern» bei Google auftauchen.

«Romy Odoni ist nicht mehr in meinem Schussfeld.»

Max Ruchti, SEO-Spezialist

Wut auf FDP

Google überlisten ist ja gut und recht – aber warum basht er gerade die FDP so penetrant? Das Ganze hat eine Vorgeschichte: Vor zwei Jahren wurde die damalige Luzerner FDP-Kantonsrätin Romy Odoni von Ruchti im Internet persönlich angegriffen (zentral+ berichtete).

Ruchti war damals sauer, weil Odoni früher als Politikerin die «Schwarze Liste für säumige Krankenkassenprämienzahler» lancierte. Ruchti landete aus Versehen drauf. Und nachdem er sich vergeblich an die Verantwortlichen gewandt hatte, startete er die Offensive mit verschiedenen Blogs gegen Romy Odoni. So wollte er sich Gehör verschaffen.

Wegen Beschimpfung verurteilt

Der Streit gipfelte in einer Zivil- und einer Strafklage. Max Ruchti wurde wegen Beschimpfung verurteilt. Bei einer zusätzlichen Anklage wegen Drohung, versuchter Nötigung und sogar Computerhacking wurde Ruchti freigesprochen. Danach richtete Ruchti seinen Groll nicht mehr gegen Personen, sondern generell gegen die FDP. «Romy Odoni ist nicht mehr in meinem Schussfeld. Die Sache ist gegessen. Aber über die FDP schreibe ich gerne noch meine Witzchen», sagt er. 

Warum seine Seiten alle so gut sichtbar sind, könne er sich manchmal selber nicht erklären. «Das Wichtigste sind gute Texte und eine aktive Suchmaschinenoptimierung mit dem Aufbau von Backlinks aus meinem eigenen Blognetzwerk. Dass ich damit aber die meisten FDP-Webseiten verdränge, erstaunt mich manchmal schon.»

 «Er hat eben eine spezielle Betrachtungsweise auf die Politik, das muss man ihm lassen.»

Peter Schilliger, FDP-Präsident

FDP nimmt's gelassen

Für den Luzerner FDP-Präsidenten Peter Schilliger ist da nicht mehr viel zu machen. «Wir hätten die enstprechenden Domain-Namen selber reservieren müssen», sagt er zu den besetzten Webseiten seiner Partei. Jedoch sei zu bedenken, dass es eine Vielzahl an Domainnamen im gesamten Nutzerumfeld der Partei gebe. Max Ruchti sei ihnen da zuvorgekommen. «Wir hatten über die FDP ein paar mal Kontakt. Es war immer freundlich und niemals aggressiv.» 

Die FDP lasse sich nicht auf das Spiel ein. «Inhaltlich treffen die Einträge von Max Ruchti manchmal sogar, manchmal gar nicht», sagt Schilliger. Man müsse es mit Humor nehmen. «Ich gehe selten auf seine Seiten. Er hat eben eine spezielle Betrachtungsweise auf die Politik, das muss man ihm lassen. Und das gilt es zu akzeptieren.» 

Die FDP beobachte sporadisch, was Ruchti schreibe und im Netz verteile. Im Grossen und Ganzen lässt man den Widersacher aber in typisch liberaler Manier gewähren. «Solange seine Blogs nicht persönlichkeitsverletzend sind, akzeptieren wir sie. Wenn es aber wirklich rufschädigend und relevant wird, würden wir reagieren.» 

Ihre Meinung interessiert uns! Als Community-Mitglied können Sie diese mit der Kommentar-Funktion mitteilen. 

 
x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Politik