Ständerat Konrad Graber (CVP) und Anwärter Damian Müller (FDP). Zwei, die im Rennen ums Stöckli die Nase vorn haben. (Bild: Montage, bra)
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Ständerat Konrad Graber (CVP) und Anwärter Damian Müller (FDP). Zwei, die im Rennen ums Stöckli die Nase vorn haben. (Bild: Montage, bra)

«Graber und Müller sind die Favoriten»

10min Lesezeit

In gut zwei Wochen ist Showdown. Die Parteien geben alles, um auch noch die letzten Wähler für die nationalen Wahlen zu mobilisieren. Dazu die Einschätzungen der Experten: Rechts legt zu, Mitte und Linke verlieren. Das sind die Trends. Doch was gilt für Luzern? Wir haben nachgefragt. 

Was wird uns am 18. Oktober erwarten? Was sind die neusten Trends? Welche Partei wird gewinnen? Welche verlieren? Und schafft es die FDP, ihren Ständeratssitz zu verteidigen?

Die Wahlkampfmaschinen laufen auf Hochtouren. zentral+ hat mit Experten und den Parteipräsidentinnen und -präsidenten gesprochen und gibt kurz vor den nationalen Wahlen einen Überblick. 

«Wir werden aber kämpfen und versuchen, zuzulegen.» 

Katharina Meile, Co-Präsidentin Grüne

FDP ist sich sicher 

Die Luzerner FDP sieht sich für die kommenden nationalen Wahlen bereits schon auf der Siegerseite: «Wir haben uns hohe Ziele gesetzt und wollen einen dritten Sitz holen. Insgesamt bin ich guten Mutes», sagt Parteipräsident Peter Schilliger. Das politische Umfeld ist auf der Seite der FDP und das Image seiner Partei sei besser als noch vor vier Jahren. Zudem gebe die FDP noch alles bis zum Schluss. «Wir sind mit allen Kräften daran, unsere Wähler an die Urne zu bringen.»

Schlussspurt heisst es auch für die Grünen. Laut nationalen Trends stehen sie in leichtem Gegenwind. Co-Präsidentin Katharina Meile will es allerdings positiv formulieren: «Wir kennen die Prognosen der Experten. Wir werden kämpfen und versuchen, zuzulegen. Wie es es wirklich ausgeht, werden wir in zwei Wochen sehen.» 

«Wenn es vorbei ist, werde ich die Nacht wieder mal richtig gut durchschlafen.» 

Laura Kopp, Präsidentin Grünliberale

Auch die Grünliberalen sind voll engagiert. Sie haben aller Erwartungen nach viel zu verlieren und müssen um einen Nationalratssitz bangen. «Es ist ein offenes Rennen», sagt Parteipräsidentin Laura Kopp. «Nervös sind wir nicht, aber ich bin froh, wenn es vorbei ist. Dann werde ich die Nacht wieder mal richtig gut durchschlafen.» 

David Roth, Präsident der Luzerner SP, geht noch heute Abend selber wieder ans Telefon, um möglichst viele SP-Wähler zu mobilisieren. «Unser Nationalratssitz ist eigentlich in Sicherheit. Wir werden aber versuchen, noch einen zweiten Sitz zu erobern. Die Ausgangslage dafür ist gar nicht so schlecht.»  

«Die CVP hat starke Kandidaten», sagt Parteipräsident Pirmin Jung. «Wir haben zwar nicht die meisten Plakate, aber starke Ortsparteien, die sich mächtig ins Zeug legen und gute Arbeit leisten.» Das Ziel von Jung ist klar: Stärkste Partei bleiben, die drei Nationalratssitze und den Ständeratssitz halten. 

Franz Grüter, Präsident der Luzerner SVP, gibt sich ob den positiven Prognosen für seine Partei vorsichtig. «Mir wäre es lieber, wenn wir nicht zu den Favoriten zählen würden. Dann könnten wir mehr Wähler mobilisieren.» Die Grosswetterlage für die Wahlen sei für seine Partei zwar schön. Aber das Ziel dennoch ehrgeizig: «Wir wollen von den Grünliberalen den dritten Nationalratssitz zurück.»

 

«Trotz seines jugendlichen Alters stehen die Chancen von Müller nicht schlecht.»

Thomas Milic, Politikwissenschaftler


Wie sehen die Experten die Ausgangslage?

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Luzerner Ständeratswahl. Der Stöckli-Sitz des zurücktretenden Georges Theiler (FDP) wird von den anderen Parteien munter angegriffen. Verteidigen soll das FDP-Mandat der 31-jährige Damian Müller.

«Trotz seines jugendlichen Alters stehen die Chancen von Müller nicht schlecht», schätzt Politikwissenschaftler Thomas Milic von der Forschungsstelle Sotomo. «Wenn die CVP mit Konrad Graber und FDP-Wähler mit Damian Müller ihre eigenen Kandidaten wählen – wofür es natürlich keine Garantie gibt, aber immerhin Indizien wie zum Beispiel die vergangene Luzerner Regierungsratswahl, dann sind FDP und CVP in der Favoritenposition.»

Müller dürfe sich zudem noch Stimmen von zahlreichen SVP-Wählern erhoffen und Graber gar Stimmen von links und rechts, denn als Amtsinhaber hat er einen Bekanntheits- und Vertrautheitsbonus, den Müller nicht hat. Hinzu komme: «Die Hauptkonkurrentinnen von Müller und Graber werden es schwer haben, Stimmen ausserhalb des eigenen Lagers zu holen.» Denn SVP-Nationalrätin Yvette Estermann könne zwar mit der wuchtigen Unterstützung der SVP-Wähler rechnen, «aber das alleine reicht nicht aus», so Milic. 

Linke konkurrieren sich

Wie sieht es auf der linken Seite aus? Die SP-Vertreterin Prisca Birrer-Heimo ist als Nationalrätin zwar bekannt, so Milic. Aber die erst kürzlich zurückliegende, deutliche Nicht-Wahl von Felicitas Zopfi bei den Luzerner Regierungsratswahlen zeige, dass sich auch SP-Kandidatinnen derzeit schwertun, Stimmen ausserhalb des linken Lagers zu erzielen. «Zudem gibt es noch Konkurrenz aus dem grünen Lager mit ihrem Kandidaten Louis Schelbert. Da gehen gewiss auch einige Stimmen für Birrer-Heimo verloren.» 

Der Politikwissenschaftler rechnet mit einem zweiten Wahlgang. «Estermann und Birrer-Heimo werden weiterhin dabei sein. Wenn Müllers Resultat in der ersten Runde passabel ist, wird er nochmals antreten, falls nicht, wird es wohl eine Diskussion über die überraschende Nomination geben.»

«Die Flüchtlingsdiskussion nützt den rechtskonservativen Parteien.»

SVP profitiert von Flüchtlingsdiskussion

Spannung versprechen auch die Nationalratswahlen: Zehn Sitze hat der Kanton Luzern in der grossen Kammer. Und die Ansage der Parteien ist klar: Die SVP will zulegen. Und alle anderen Parteien wollen mindestens den Status quo halten. Das Interesse ist zudem so gross wie nie zuvor: 159 Kandidatinnen und Kandidaten treten an. 

«Die Luzerner Kantonsratswahlen von Ende März gelten als Modell für einen schweizweiten Trend», sagt Milic. Man erinnert sich: FDP und SVP konnten im Kantonsrat je um zwei Sitze zulegen. Ausser die SP verloren alle anderen Parteien an Wählerstärke. Das war bei den Kantonsratswahlen in Luzern so, im Kanton Baselland und auch in Zürich. «Dieser Trend wird auch die nationalen Wahlen beeinflussen», schätzt Milic.

Die SVP gewinnt in allen Kantonen seit Herbst 2012 hinzu. Und die FDP hat auch schon seit Längerem einen Lauf. Die FDP profitiere gemäss dem Experten von den wirtschaftlichen Sorgen, die sich die Wähler aufgrund der Frankenstärke und der unsicheren Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative machen.

«Der SVP hingegen kommt mit grösster Wahrscheinlichkeit die aktuelle Flüchtlingsdiskussion zugute. Die letzten Wahlen in Oberösterreich haben gezeigt, dass die aktuelle Flüchtlingsdiskussion rechtskonservativen Parteien keineswegs schadet, sondern vielmehr nützt.» In Oberösterreich feierte die asylkritische FPÖ einen Triumph und hat ihre Stimmenanteile mehr als verdoppelt. 

«Die SP könnte ein wenig an Wählerstärke zulegen.»

Löst SVP langsam die CVP ab? 

In Luzern habe die SVP noch Potenzial, sagt Politologe Olivier Dolder vom Luzerner Forschungs- und Beratungsbüro Interface. «Es ist gut möglich, dass die SVP auch in Luzern die CVP mittelfristig ein- oder überholen wird, so wie sie es bereits in Schwyz oder Nidwalden getan hat. Die SVP löst so die früheren konservativen Kräfte innerhalb der CVP allmählich ab.» 

Klar, passieren kann theoretisch alles. Grundsätzlich gilt aber: Bisherige Kandidaten werden in der Regel wieder gewählt. Aktuell ist die CVP mit drei Sitzen die stärkste Delegation der Luzerner Parteien im Nationalrat. Da allerdings Nationalrat Ruedi Lustenberger nach 16 Jahren zurücktritt, hat die CVP eine Lücke zu verkraften.

Gute Chancen für die Nachfolge hat etwa die Stadtluzerner Kantonsrätin Andrea Gmür. Sie erzielte bei den kantonalen Wahlen im Frühjahr das mit Abstand beste Ergebnis auf der Liste der städtischen CVP. Aber auch alt Parteipräsident Martin Schwegler, VBL-Direktor Norbert Schmassmann oder der populären Jodlerin Priska Wismer können gute Chancen eingeräumt werden. 

Kann SP zulegen? 

Im linken Lager steht die SP auf festem Boden. Sie hält mit Prisca Birrer-Heimo aktuell einen Nationalratssitz. «Die SP könnte allenfalls ein wenig an Wählerstärke zulegen», sagt Dolder. Für einen weiteren Sitz müsste aber schon ein ordentlicher Sprung nach vorne hin. Andererseits: Bei einem allfälligen Sitzverlust für die GLP werden sich sowohl die SVP wie auch die SP gewisse Chancen auf einen Sitzgewinn ausrechnen können.


Wähleranteile in Prozent

(Nationalratswahlen 2011, 10 Prozent entsprechen einem Sitz)

Quelle: Kanton Luzern
Quelle: Kanton Luzern

Wirklich um den Sitz bangen muss also nur die GLP. Ganz knapp gelang es vor vier Jahren den Grünliberalen, den Sitz der SVP wegzuschnappen. «Die SVP lieferte sich mit der GLP ein Duell um den zehnten Sitz. Und schlussendlich haben nicht einmal ganz 8'500 Stimmen den Unterschied ausgemacht», sagt Dolder. 

Die Ausgangslage zeigt also gewisse Parallelen zu vor vier Jahren», hält Dolder fest. Nimmt man die Veränderungen der Parteienstärken bei den Kantonsratswahlen und den nationalen Trend als Richtwert, so kann von einem Gewinn bei SVP, FDP und wohl auch bei der SP und Verlusten bei den restlichen Parteien ausgegangen werden. 

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