Im Wiener Fussgängerverkehr bereits im Einsatz: Ampeln mit schwulen und lesbischen Pärchen. (Bild: youtube.com)
Politik Verkehr

Im Wiener Fussgängerverkehr bereits im Einsatz: Ampeln mit schwulen und lesbischen Pärchen. (Bild: youtube.com)

Blinken bald Ampeln für Schwule & Lesben?

5min Lesezeit

Es ist Marco Müllers persönliches Anliegen: Der bekennende Schwule will in Zukunft nicht nur Ampelmännchen verwenden, sondern fordert an einigen Orten auch gleich Ampelfrauen oder Ampelpärchen. Dass so was durchaus möglich ist, zeigen Beispiele aus anderen Städten. 

Den Luzernern soll ein Licht aufgehen. Marco Müller, Präsident der städtischen Grünen, hat eine besondere Idee: Er will die Diskussionen zum Gesamtverkehrskonzept der Agglomeration Luzern nutzen, um ein spezielles Zeichen für die Gleichstellung zu setzen. Und zwar am Fussgängerstreifen. 

Der bekennende 35-jährige Homosexuelle, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, fordert von der Stadt in einer Stellungnahme, neue Ampeln mit Frauensymbolen, heterosexuellen sowie schwulen und lesbischen Pärchen aufzustellen. «Es wäre ein einfaches Mittel, um im Alltag die Toleranz und die Aufmerksamkeit für Gleichstellung zu fördern», sagt Müller.  

Luzern als Pionierin

Im Rahmen des städtischen Gesamtverkehrskonzeptes würden Ampeln ausgetauscht oder neu installiert, sowie Leitsysteme und Signalisationen erneuert. Luzern wäre mit einer Umsetzung die erste Schweizer Stadt, die Ampeln mit Frauen, Schwulen-, Lesben- sowie Heteropärchen einführen würde. «Gelingt es der Stadt, meine Anregung in die Tat umzusetzen, käme Luzern eine Pionierrolle in der Schweiz zu», sagt Müller.

Ampelweibchen gibt es bereits in mehreren deutschen Städten, ebenso in England und Belgien. Auch die Idee von unkonventionellen «Queer»-Ampeln mit Paaren kennt die Welt bereits: Lichtsignale mit homosexuellen Ampel-Pärchen sind gegenwärtig in München und Wien im Einsatz.

Marco Müller (35)
Marco Müller (35) (Bild: zvg)
Müller begründet sein Anliegen so: Erstens habe die Stadt Luzern 2007 die Charta zur Gleichstellung von Mann und Frau unterzeichnet. «Fast 10 Jahre später ist es an der Zeit, dies auch bei der Signalisation der Ampeln konkret umzusetzen. Luzern soll eine weltoffene und fortschrittliche Stadt sein.» Zweitens könne Luzern mit ein paar solcher neuen Ampeln und mit kleinem Aufwand ein «tolles Zeichen» nach aussen setzen. «Der Fremdenverkehr ist für Luzern ein wichtiges Standbein», so Müller. «Auf solch tolle Gratiswerbung soll die Stadt Luzern darum nicht verzichten.»

Luzern Tourismus wirbt seit einiger Zeit aktiv mit Veranstaltungen, die Schwule und Lesben als Gäste nach Luzern locken. So wird etwa das Filmfestival «Pink Panorama» auf der Webseite präsentiert. «Auch während der restlichen Zeit lassen zahlreiche gayfreundliche Locations sowie regelmässig stattfindende Events keine Langeweile aufkommen», so die Vermarktung von Luzern Tourismus.  

«Es wäre ein starkes und wirksames Signal.»

Aurelia Meier, Vorstandsmitglied des Kulturvereins «Queer Office»

«Eine schöne Idee» 

Aurelia Meier, Vorstandsmitglied des Kulturvereins «Queer Office» findet gleichgeschlechtliche Ampelfiguren eine schöne Idee. «Es wäre ein starkes und wirksames Signal für eine bunte und tolerante Stadt, die öffentlich ihre Vielfalt zeigt.»

Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, die Waage zu halten. «Gleichgeschlechtliche-Paare und Hetero-Paare sollen gleichberechtigt präsentiert werden. Und wenn wir schon dabei sind: Symbole für Menschen mit Behinderung wären ebenfalls ein schönes Zeichen.»

Auch Maria Pilotto von der Fachstelle für Gesellschaftsfragen des Kantons erachtet es als positiv, wenn sich die Stadt Luzern für die Charta zur Gleichstellung von Mann und Frau einsetzt. «Mit ihren ganz verschiedenen Themen gibt die Charta die Gelegenheit, über die Sichtbarkeit verschiedener Personen und Lebenssituationen im öffentlichen Raum zu sprechen. So wie dies jetzt Herr Müller im Bereich der städtischen Signalisation macht.»

«Ein solches Anliegen kann unabhängig von der jetzigen Diskussion eingebracht werden.»

Roland Koch, Projektverantwortlicher Stadt Luzern

Stadt sieht Hindernisse

Für die Stadt Luzern ist die Idee von Marco Müller neu. Einen direkten Zusammenhang mit dem Gesamtverkehrskonzept gäbe es nicht, bemerkt Roland Koch, Projektverantwortlicher für das Gesamtverkehrskonzept der Stadt Luzern. «Ein solches Anliegen kann unabhängig von der jetzigen Diskussion eingebracht werden.» Darüber hinaus würde es bestimmt zu einem politischen Entscheid kommen, da wohl mit einer Kostenfolge zu rechnen sei.

Allgemein gelte es für solche Ampelsymbole noch formelle Hürden zu überwinden, so Koch weiter. «Die Symbole sind durch die Normen der Schweizerischen Vereinigung der Strassenfachleute vorgegeben. Zuerst müssten die Normen entsprechend angepasst werden.»

Bund will neutrale Piktogramme

Beim Bund arbeitet man derzeit an einer neuen Signalisationsverordnung, wie es auf Anfrage heisst. «Verkehrssignale würden mit viel Bedacht modernisiert», schreibt die Pressestelle des Bundesamts für Strassen (Astra). Dabei würden auch Gleichstellungsanliegen berücksichtigt. So würde etwa die nächste Schildergeneration nur noch Piktogramme zeigen, die keine Rückschlüsse auf das Geschlecht zulassen. Aus Kostengründen würden veraltete Signale aber nur dort ersetzt, wo dies auch nötig sei.

Marco Müller hingegen wünscht sich nicht mehr geschlechterneutrale Piktogramme im Strassen und Fussgängerverkehr, sondern deutliche Zeichen für die Anerkennung von Schwulen und Lesben. «Es hätte schon eine gewisse Symbolik, wenn Luzern beim Bund offziell anfragen würde, ob solche Ampeln möglich sind.» 

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