Ampel vor der Luzerner Gibraltarstrasse Es dauert keine zwei Minuten, wird das Rotsignal ignoriert. (Bild: bra)
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Ampel vor der Luzerner Gibraltarstrasse Es dauert keine zwei Minuten, wird das Rotsignal ignoriert. (Bild: bra)

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In der Stadt Luzern sollen Velofahrer an gewissen Kreuzungen bei Rot rechts abbiegen dürfen. Als Vorbild dient ein aktuelles Pilotprojekt aus Basel. Der Luzerner Stadtrat hat die Idee geprüft und ist nicht abgeneigt. Es müssten aber noch einige gesetzliche Hürden überwunden werden. 

Es wäre eine weitere Massnahme, die den Veloverkehr in der Stadt Luzern besser fliessen lassen könnte: Der Stadtrat liess prüfen, ob das Rechtsabbiegen für Velofahrende bei Rotlicht an geeigneten Standorten erlaubt sein soll. Ein entsrechendes Verkehrsregime wäre gegebenenfalls einzuführen. Dies verlangte ein Postulat namens SP/Juso-Fraktion, der Grünen/jungen Grünen sowie der Grünliberalen. Tatsächlich könnte die Idee in Zukunft Schule machen, wie nun aus der Antwort des Stadtrates zu entnehmen ist. 

Die Vorteile für eine freie Fahrt für rechtsabbiegende Velofahrer liegen gemäss den Unterzeichnern auf der Hand: «Es entstehen weniger Konflikte zwischen Velos und Motorfahrzeugen und das durchlässige Rot erhöht den Verkehrsfluss für Velofahrende». Und auch Autofahrende würden von der Massnahme profitieren: Bei grüner Ampel wurden keine Velos die Weiterfahrt verzögern. 

Von der Baselstrasse in die Gibraltarstrasse: Velos könnten hier freie Fahrt nach rechts haben, so der Vorstoss von SP, Grünen und Grünliberalen.
Von der Baselstrasse in die Gibraltarstrasse: Velos könnten hier freie Fahrt nach rechts haben, so der Vorstoss von SP, Grünen und Grünliberalen.

Pilotversuch in Basel

In Basel-Stadt wurde im Rahmen eines Forschungsauftrages im Juni 2013 ein vielversprechender Pilotversuch gestartet. An vier signalisierten Kreuzungen montierte man «velofreundliche Lichtsignale», welche den Fahrradfahrern bei Rot das Rechtsabbiegen erlauben. Gleichzeitig dürfen die Fussgänger die Strasse überqueren. Die Standorte für die velofreundlichen Lichtsignale wurden aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedingungen gewählt und getestet. Laut dem Basler Verkehrsdepartement hat es bei dem Pilotversuch noch keine Unfälle gegeben. 

Das Tiefbauamt der Stadt hat nun beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) diese Möglichkeiten ebenfalls abgeklärt. «Der Pilotversuch in Basel zeigte tendenziell positive Ergebnisse», schreibt der Stadtrat dazu. Die Datenmenge und Auswertungen aus Basel waren jedoch zu gering, um bereits allgemeine Schlussfolgerungen ziehen zu können oder gar entsprechende Gesetzesanpassungen seitens des ASTRA vorzunehmen.

Warten auf Bundesbern

Das Projekt in Basel läuft deshalb noch weiter, um mehr Erkenntnisse zu erhalten. Der Versuch wird auf insgesamt acht Standorte ausgedehnt. Von weiteren Versuchen in der Schweiz sieht das ASTRA derzeit ab. Der Verantwortliche der Abteilung Strassenverkehr, Verkehrsregeln, des ASTRA äussert sich dazu wie folgt: «...Wir benötigen einen umfassenden Bericht, um kritische Einwände gegen diese Massnahme widerlegen zu können.» Und würden weitere Pilotversuche in anderen Städten bewilligt, könnte dies den Anschein erwecken, «es handle sich beim Rechtsabbiegen für Radfahrer bei Rot bereits um eine beschlossene Rechtsänderung». Die Ergebnisse für den Bericht werden bis 31. März 2017 erwartet. Die Rechtsänderung soll im gleichen Jahr noch diskutiert werden. 

«Viele Velofahrende missachten das Rotlicht hier.»

SP/Juso-Fraktion

Zwar lehnt der Luzerner Stadtrat den Vorstoss ab, da er an das geltende Strassenverkehrsrecht gebunden ist. Aber er könnte sich die Erlaubnis in Zukunft als mögliche Massnahme vorstellen, wie er in der Antwort auf das Postulat schreibt. «Voraussetzung dazu ist eine entsprechende Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf übergeordneter Ebene.»

Die SP/Juso-Fraktion, die den Vorstoss mitunterzeichnet hat, denkt zum Beispiel an die Ampel vor dem Sentitreff, Baselstrasse in Richtung Gibraltarstrasse. «Viele Velofahrende missachten das Rotlicht hier, indem sie via Trottoir fahren, was zur Gefährdung von Fussgängerinnen und Fussgängern auf dem Trottoir führt. Die korrekt haltenden Velofahrenden verhindern das Anfahren des Busses, der früher Grün hat als die Velofahrenden», so die Unterzeichner.

Bus beim Schlossberg wird bevorzugt

Als jüngste Anpassung hat die Stadt beim Schlossberg die Lichtanlage optimiert. Dank der Erfassung der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden wird die Anlage neu verkehrsabhängig gesteuert. Das heisst, dass je nach Auslastung der Fahrspuren die Grünzeit variieren kann. Um die Sicherheit für Velofahrer zu erhöhen, wurden separate Veloampeln montiert.

Auch die Busbevorzugung wurde optimiert. Die Busse werden dabei frühzeitig erkannt und bevorzugt. Auch die Fussgänger profitieren. Sie erhalten längere Grünzeiten. Die Fussgängerdrücker werden für Sehbehinderte zudem mit taktilen Richtungspfeilen nachgerüstet.

Anlauf holen und ... (Bild: bra)

Die Ampel wird gerne mal übersehen.
Die Ampel wird gerne mal übersehen. (Bild: bra)

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