Wollen es wissen: die Krienser Gemeinderäte Matthias Senn (links) und Cyrill Wiget auf dem Dach der Sonnenbergbahn. (Bild: lwo)
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Wollen es wissen: die Krienser Gemeinderäte Matthias Senn (links) und Cyrill Wiget auf dem Dach der Sonnenbergbahn. (Bild: lwo)

Kampf ums Gemeindepräsidium – wer schafft die Wahl?

21min Lesezeit

In der drittgrössten Gemeinde des Kantons geht vor den Ersatzwahlen am 23. August die Post ab. Während um die drei neuen Bewerber für den frei werdenden Sitz von Paul Winiker (SVP) eine unschöne Schlammschlacht entstand, sind die beiden Kandidaten fürs Gemeindepräsidium in den Hintergrund gerückt. zentral+ hat deshalb Cyrill Wiget (Grüne) und Matthias Senn (FDP) zum grossen Interview geladen – und spannende Aussagen erhalten.

Luca Wolf

Am 23. August geht’s in Kriens um die Wurst. Weil Gemeinderat und Gemeindepräsident Paul Winiker (SVP) in den Regierungsrat gewählt wurde, finden dann die Ersatzwahlen statt. Um den frei werdenden Gemeinderatssitz kämpfen Franco Faé (CVP), Patrick Koch (SVP) und Simon Konrad (FDP). Um das Gemeindepräsidium duellieren sich die beiden bisherigen Gemeinderäte Cyrill Wiget (53, Grüne, Umwelt, Sicherheit und Sport) und Matthias Senn (53, FDP, Baudepartement). Bis zur Wahl am 23. August hat Wiget interimistisch das Amt des Gemeindepräsidiums inne.

Nach der Wahl von Paul Winiker (SVP, rechts) in den Regierungsrat möchten seine Gemeinderatskollegen Matthias Senn (FDP, Mitte) und Cyrill Wiget (Grüne) Winiker als Gemeindepräsident beerben.
Nach der Wahl von Paul Winiker (SVP, rechts) in den Regierungsrat möchten seine Gemeinderatskollegen Matthias Senn (FDP, Mitte) und Cyrill Wiget (Grüne) Winiker als Gemeindepräsident beerben. (Bild: zentral+)

Nächsten Frühling finden dann Gesamterneuerungswahlen statt. Diesen werden sich alle fünf Gemeinderäte stellen müssen, also auch die anderen Bisherigen: Lothar Sidler (CVP, Soziales) und Judith Luthiger-Senn (SP, Bildung und Kultur).

zentral+ hat die beiden Anwärter fürs Gemeindepräsidium der drittgrössten Luzerner Gemeinde zum Doppel-Interview auf den Krienser Sonnenberg bestellt.

zentral+: Cyrill Wiget, warum sollen die Wähler am 23. August für Sie stimmen und nicht für Ihren Kontrahenten Matthias Senn?

Cyrill Wiget: (überlegt) Meiner Meinung nach haben Matthias und ich eine gut funktionierende, bewährte Arbeitsteilung. Ich würde sagen, ich bin häufig der, der relativ kreativ und innovativ die Dinge anpackt. Und Matthias ist der, der die vielen Krienser Bauprojekte begleitet, der auch das Handwerk hat dazu.

«Ich würde sagen, ich bin häufig der, der relativ kreativ und innovativ die Dinge anpackt.»

Cyrill Wiget

Deshalb habe ich mich, als noch kein anderer Kandidat fürs Präsidium bekannt war, für dieses Amt zur Verfügung gestellt. Dass jetzt auch Matthias für Präsidium kandidiert, kam für mich etwas überraschend, es ist natürlich aber sein gutes Recht. Als Krienser Bürger jedoch würde ich empfehlen, dass wir weiterhin in dieser Zusammensetzung arbeiten können. Kommt hinzu, dass ich vom Mensch her jemand bin, der gerne mit Leuten zu tun hat, der Leute mitreissen kann.

zentral+: Was haben Sie seit ihrer Wahl in den Gemeinderat 2004 erreicht?

Wiget: Als Gemeinderat erreicht man alleine ja nichts. Es ist immer nur das Gesamtgremium. Aber ich zeichne mich mitverantwortlich. Erreicht habe ich, dass wir die Frei- und Aussenräume aufgewertet haben, dass die Badi mit Winternutzung realisiert wurde, dass die Langmattwiese als neuer Treffpunkt für die Jugendlichen funktioniert und dass der Weinberg mit Zusatznutzung realisiert werden konnte. Dann verantworte ich zwei Strategieprojekte im Verkehr, die für Kriens zukunftsweisend werden. Bei den Letzterwähnten war ich strategisch stark beteiligt.

zentral+: Als Grüner gehören Sie in Kriens einer kleinen Minderheit an, ihre Partei besetzt im Gemeindeparlament nur vier von 36 Sitzen – ist da Ihre Kandidatur nicht etwas verwegen?

Wiget: Nein, überhaupt nicht! Hat schon jemals jemand Frau Leuthard gefragt, ob sie mit 15 Prozent Wählerstärke die Richtige ist fürs Bundespräsidium? Das ist nie ein Thema. In der schweizerischen Konkordanz gibt es grössere und kleine Parteien, niemand gehört ausgeschlossen.

«Und da, ich rühme mich nicht gerne selber, soll einer hinstehen und sagen, er habe wie ich elf Jahre Erfahrungen im Gemeinderat, acht Jahre zuvor im Parlament plus 28 Jahre unternehmerische Erfahrung.»

Cyrill Wiget

Ich finde die Frage deshalb speziell. Ich glaube zudem: Wahlen sind Personenwahlen. Und da, ich rühme mich nicht gerne selber, soll einer hinstehen und sagen, er habe wie ich elf Jahre Erfahrungen im Gemeinderat, acht Jahre zuvor im Parlament plus 28 Jahre unternehmerische Erfahrung. Ich wüsste im Moment keinen in Kriens, der das bieten könnte und zur Verfügung steht. Und darauf kommt es doch an.

zentral+: Matthias Senn, warum sollen die Wähler für Sie als Gemeindepräsidenten stimmen?

Matthias Senn: Nachdem Paul Winiker in den Regierungsrat gewählt wurde, habe ich in vielen Gesprächen gemerkt, dass das Volk fürs Präsidium eine Auswahl möchte.

«Meine Vorteile sind, dass ich Ur-Krienser bin, stark vernetzt, immer in Vereinen aktiv war, seit meiner Jugendzeit politisiere und auch die unternehmerischen Fähigkeiten mitbringe.»

Matthias Senn

Meine Vorteile sind, dass ich Ur-Krienser bin, stark vernetzt, immer in Vereinen aktiv war, seit meiner Jugendzeit politisiere und auch die unternehmerischen Fähigkeiten mitbringe. Ich war zwölf Jahre im Einwohnerrat und bin nun seit sieben Jahren im Gemeinderat. Ich bringe folglich in etwa den gleichen Rucksack mit wie Cyrill. Das Amt motiviert mich, weil es mit der ab 2016 gültigen Departementsreform auf Führungsaufgaben fokussiert ist. Es geht dabei nebst der Gemeindeentwicklung auch um Wirtschaftsförderung und Regionalpolitik. Das sind Aufgaben, die ich teilweise schon heute ausführe. Das wäre sicher ein Pluspunkt.  

zentral+: Wie sieht Ihr Leistungsausweis als Gemeinderat aus?

Senn: Natürlich entstanden alle Projekte, die ich leiten durfte, aus der Strategie des Gemeinderates. Wir haben unsere Projekte angepackt und nicht nur hinausgeschoben, wie es vielleicht zu anderen Zeiten passiert ist. In den letzten Jahren haben wir sieben Schulanlagen saniert. Grösster Erfolg war aber sicher das vom Volk angenommene Zentrumsprojekt. Ich bin überzeugt, dass die Zeit kommen wird, wo wir alle sehr froh über dieses Projekt sein werden.

zentral+: Cyrill Wiget hat vorhin gesagt, dass er der Kreative und Innovative ist, der vorausdenkt, was fürs Präsidium ein Vorteil sei. Und dass Sie eher die fleissige Arbeitsbiene seien.

Senn: (lacht und überlegt dann) Ja gut ... Ich würde sagen, das stimmt. Wir haben viele Aufgaben erhalten im Baudepartement und das angepackt. Ich bin der, der gerne vorwärtsmacht und nicht alles hinterfragt. Darum konnten wir auch so viele Projekte realisieren. Ohne persönliche Innovation und Kreativität wären zudem die Projekte nicht so, wie sie heute daherkommen.

zentral+: Sie haben lange gesagt, dass Sie nicht Gemeindepräsident werden möchten. Erst als Cyrill Wiget seine Kandidatur bekannt gab, haben Sie sich von Ihrer Partei zur Kandidatur drängen lassen. Besteht da die Gefahr, dass Sie ein Gemeindepräsident ohne Herzblut wären, der am liebsten wieder zurück ins Baudepartement möchte?

Senn: (lächelt) Nein, nein, ich ging schon selber mit mir in Klausur. Ich habe mir die Aufgabe zu Gemüte geführt und kam zum Schluss, dass mich das motivieren würde. In den Medien wurde das Gemeindepräsidium als Aussenminister angepriesen.

«Mich würde es nun reizen, noch mal etwas anderes zu machen.»

Matthias Senn

Er ist aber auch Innenminister mit der ganzen Personalführung. Zudem muss er auch Zeit haben, strategisch vorauszudenken. Mich würde es nun reizen, noch mal etwas anderes zu machen. Zudem hätte ich mich auch noch gar nicht entschieden, ob ich nach der Departementsreform eventuell die Finanzen übernehmen wollte. In diesem Departement hätte ich nämlich die Zentrumsplanung zu Ende führen können.

zentral+: Sie sind von Beruf Bauingenieur und als Bauvorsteher einer, der sich in dieser Welt extrem gut auskennt. Würden Sie dem neuen Bauvorsteher – das wäre dann wohl Cyrill Wiget – nicht die ganze Zeit dreinreden?

Senn: Nein, das glaube ich nicht, ich könnte mich sicher abgrenzen, das muss ich ja schon heute gegenüber meinen Abteilungsleitern. Aber durch die Departementsreform könnte ich ja eben als Gemeindepräsident Grossprojekte, wie das neue Zentrum, weiterhin begleiten. 2016 und 2017 wird die Planung des Innenausbaus Zentrum Pilatus mit den Büros strategisch wichtig sein, was zum Aufgabenbereich des Gemeindepräsidenten gehört. Zudem war und ist Cyrill während meiner Abwesenheit mein Stellvertreter und umgekehrt. Er kennt viele meiner Projekte deshalb gut.

zentral+: Ihr Parteipräsident Robert Marty hat nach Bekanntwerden der Kandidatur von Cyrill Wiget sofort vermeldet: Ein Grüner als Gemeindepräsident kommt nicht in Frage. Sehen Sie das auch so?

Senn: Ja gut, der Parteipräsident hat es danach etwas relativiert und es auf den Anteil der Sitze im Einwohnerrat gestützt. Aber ich denke, diese Wahl ist eine Personenwahl. Wichtig ist, dass ein bisheriger Gemeinderat Präsident wird. Nun ist es gut, dass das Volk die Auswahl hat: zwischen einem Grünen und einem von der FDP.

«Nun ist es gut, dass das Volk die Auswahl hat: zwischen einem Grünen und einem von der FDP.»

Matthias Senn

Im Gespräch mit zentral+: Matthias Senn (links) und Cyrill Wiget.
Im Gespräch mit zentral+: Matthias Senn (links) und Cyrill Wiget. (Bild: lwo)

zentral+: Cyrill Wiget, eine derartige Frontalopposition wegen Ihrer Parteizugehörigkeit – was sagen Sie dazu?

Wiget: Ich bedaure das generell, nicht nur bei mir. Dennoch bleibe ich souverän. Auch bei Patrick Koch hiess es, er sei nicht wählbar. Aber Nicht-Wählbarkeit ist kein Programm. Wenn schon, macht man Hearings und hört sich die Kandidaten zuerst an, oder man sagt, man wolle mindestens einen Gewerbler. Ich bedauere das bei allen Parteien und habe auch meinen Parteikollegen geraten, ein Hearing zu machen. Diese Kultur der Offenheit und des Dialogs fehlt mir.

«Was mich an der Aussage des FDP-Präsidenten jedoch am meisten geärgert hat, ist, dass ich nichts von Wirtschaft verstehen würde. Das ist einfach nur falsch.»

Cyrill Wiget

Zudem: Mag sein, dass Patrick Koch als Einwohnerrat manchmal etwas weit geht –  aber das ging ich auch als junger Grüner. Was mich an der Aussage des FDP-Präsidenten jedoch am meisten geärgert hat, ist, dass ich nichts von Wirtschaft verstehen würde. Das ist einfach nur falsch. Ich habe meinen Tatbeweis erbracht: Mit meinem Unternehmen Velociped habe ich bei null angefangen, heute arbeiten dort 25 Personen. Und alle haben ihren Lohn immer rechtzeitig erhalten.

zentral+: Wären Sie als Gemeindepräsident ein Wolf im Schafsfell, der seine grüne Überzeugung ständig durchblicken liesse und missionieren würde? Auf der Grünen-Website schreiben Sie ja: «Mein Einsatz gilt dem Schutz unserer Lebensgrundlagen.»

Wiget: Wir sind immer zu fünft im Gemeinderat. Das Anliegen von einem kann man nicht gegen jene der anderen durchsetzen. Deshalb finde ich diese Angst völlig unbegründet. Ich gehe Kompromisse ein und sehe die Anliegen der anderen. Ich habe es im Gemeinderat in letzter Zeit schon ein paar Mal gesehen, als ich die Sitzung leiten durfte. Man wird automatisch moderater. Zudem: Auch als Unternehmer kann man kein grüner Fundi sein. Ich bin getrieben von Nachhaltigkeit. Es muss immer alles sozial, ökonomisch und ökologisch funktionieren. Wenn eines dieser drei Elemente fehlt, klappt es nicht.

zentral+: Sie sind mit Ihren 52 Jahren seit bald 20 Jahren Politiker. Haben Sie nicht langsam die Nase voll davon? Sie wirken manchmal etwas zerknirscht.

Wiget: (lacht) Also, mich hat diese Möglicheit, die Gemeinde zu führen, stark motiviert. Diese Rolle wäre reizvoll und würde mir gut tun.

«Was mich aber tatsächlich etwas abgenutzt hat in den letzten Jahren, war, gegenüber Kapitalgebern und Bauherren ständig auf die Nachhaltigkeit hinweisen zu müssen.»

Cyrill Wiget

Was mich aber tatsächlich etwas abgenutzt hat in den letzten Jahren, war, gegenüber Kapitalgebern und Bauherren ständig auf die Nachhaltigkeit hinweisen zu müssen. Diese Rolle zermürbt. Aber diese Rolle ändert sich ohnehin, ob nun als Gemeindepräsident oder als Bauvorsteher, weil wir das Bauamt mit dem Umwelt- und Sicherheitsdepartement zusammenlegen wollen.

zentral+: Matthias Senn, Sie sind 2020 nach der nächsten Legislatur 58 Jahre alt und wären dann zwölf Jahre im Gemeinderat. Dann wäre der Zug für einen Jobwechsel eventuell abgefahren – und Sie würden deshalb bis zur Pensionierung Gemeinderat bleiben wollen?

Senn: Das wurde ich auch innerhalb der Partei gefragt. Ich sage immer, 12, 14 oder 16 Jahre, so lange sollte man Gemeinderat bleiben. Aber wie lange, kann ich heute noch nicht sagen. Wenn sich nochmals eine neue berufliche Herausforderung anbieten würde, müsste ich das wohl im Jahr 2020 anpacken. Aber noch ist nichts entschieden.

zentral+: Auf unsere Anfrage für ein «Streitgespräch» haben Sie rasch klargestellt, dass Sie nicht bereit seien, mit Cyrill Wiget zu streiten. Das passt: Sie wirken immer wie ein Buddha, gelassen, gut gelaunt, ohne jemals Ärger oder Stress oder Wut zu zeigen. Können Sie auch so richtig entschlossen auftreten und sich vehement gegen Widerstand durchsetzen?

«Ich bin sicher kein Streithahn. Man kennt mich schon eher ausgeglichen. Aber ich kann auch mal lauter werden.»

Matthias Senn

Senn: (lacht) Sie waren noch nie an einer Gemeinderatssitzung... Ich führe die härteren Diskussionen eher im stillen Kämmerlein. Aber grundsätzlich finde ich schon, dass wir amtierenden Gemeinderäte uns nicht öffentlich streiten sollten. Ich bin sicher kein Streithahn. Man kennt mich schon eher ausgeglichen. Aber ich kann auch mal lauter werden.

zentral+: Gehen Sie der Konfrontation eher aus dem Weg?

Senn: (überlegt) Nein, dann versuche ich, mit Argumenten zu überzeugen. Aber ich greife niemanden persönlich an. Halt so, wie ich es selber auch gerne hätte.

Die grosse Frage: Wer ersetzt Paul Winiker im Krienser Gemeinderat? Die bisherigen Krienser Gemeinderäte von links nach rechts: Lothar Sidler, Matthias Senn, Judith Luthinger-Senn, Cyrill Wiget, sowie ganz rechts Gemeindeschreiber Guido Solari.
Die grosse Frage: Wer ersetzt Paul Winiker im Krienser Gemeinderat? Die bisherigen Krienser Gemeinderäte von links nach rechts: Lothar Sidler, Matthias Senn, Judith Luthinger-Senn, Cyrill Wiget, sowie ganz rechts Gemeindeschreiber Guido Solari. (Bild: Fotomontage les)

zentral+: Wenn man euch beide so vergleicht, hat man das Gefühl: Cyrill Wiget, Sie mögen solche Debatten hier, Sie wirken engagiert und entschlossen, für das Präsidialamt zu kämpfen. Matthias Senn, Sie wirken dagegen etwas hölzern, überlegen länger, sind gelassener, geben kürzere Antworten.

Senn: (überlegt) Es braucht ja beide Komponenten für das Amt. Als Gemeindepräsident muss man aber sicher ausgewogen sein und alle gleich behandeln. Auch sind viele Repräsentationsaufgaben gefragt, wo man spontan sein muss und Freude zeigen soll. Beides liegt mir.

«Ich bin durchaus manchmal emotional, kann auch mal wütend werden.»

Cyrill Wiget

Wiget: Auch wenn ich mich für Buddhismus interessiere, aber diese Gelassenheit ist nicht meine Stärke. Ich bin durchaus manchmal emotional, kann auch mal wütend werden. Mir geht es auch manchmal nahe. Aber das Interessante an der Politik ist: Es ist auch ein Mittel gegen Magengeschwüre. Anstatt die Faust im Sack zu machen, kann ich etwas bewegen.

zentral+: Die Schlammschlacht um die Krienser Ersatz-Gemeinderatswahl ist kein Ruhmesblatt für die Gemeinde. Kandidaten werden öffentlich ziemlich übel beleidigt oder gleich von der eigenen Partei demontiert. Als Gemeinderäte müsste Ihnen das zu denken geben, oder?

Wiget: Ich bin immer etwas hin- und hergerissen. Man wirft der Politik vor, sie sei langweilig. Und hier spielt sie sich nun mal in den ganzen Niederungen ab. Zum Teil zwar gruselig und unschön. Das ist vielleicht stossend, dafür wird’s zum Gesprächsthema. Aber vielleicht schrecken solche Sachen junge Leute davor ab, sich in der Politik zu engagieren.

Senn: Es geht sicher zu weit, wie die Kandidaten abqualifiziert werden. Aber das Volk hat das Recht, über die Qualifikationen etwas zu erfahren.

«Im Moment ist es so disqualifizierend, wie man es in Kriens noch selten erlebt hat.»

Matthias Senn

Das wäre aber die Aufgabe der Parteien, die Qualitäten ihrer eigenen Kandidaten in den Vordergrund zu stellen. Im Moment ist es so disqualifizierend, wie man es in Kriens noch selten erlebt hat. Aber ich denke, sowas wird nicht zur Regel, sondern es ist speziell und blöd gelaufen.

zentral+: Welches sind die grossen Herausforderungen für Kriens?

Senn: Wir können nun die Entwicklung im Zentrum und in Luzern Süd ausschöpfen, müssen deswegen aber auch genügend Schulraum anbieten und die Verkehrszunahme in den Griff kriegen. Auch mehr Wohn- und Pflegeplätze für die älteren Menschen sind nötig. Weiter müssen wir die Sozialkosten in den Griff kriegen und den Turnaround bei den Finanzen schaffen.

Wiget: Welche Ziele ich habe, sind auf meiner Website www.cyrillwiget.ch beschrieben. Speziell wichtig ist, dass die wohl notwendige Verdichtung nach innen mit hoher Qualität geschieht und der Schutz des Erholungsraumes gewährleistet ist. Rund um den Bahnhof Kriens Mattenhof und das Krienser Zentrum können wir verdichten. Ausserhalb aber wollen wir den Grünraum aufwerten. Ich möchte zudem ein lebendiges, pulsierendes Zentrum mit einem guten Branchenmix. Dafür würde ich mich einsetzen.

Mein Slogan lautet: Gemeinsam für Kriens. Wir müssen unsere Verwaltung gut aufstellen und alle am gleichen Strick ziehen, damit die Bevölkerung weiss, was wir wollen. Ich möchte auch den Graben zwischen den Behörden und dem Volk zuschütten und dazu mehr und besser informieren.

Senn: Auch ich sehe in der regionalen Zusammenarbeit ein grosses Potential. Mit dem Projekt K5, dem Luzern und die vier grossen Agglogemeinden angeschlossen sind, sind die richtigen Gemeinden zusammen, um wichtige Aufgaben anzupacken.

zentral+: Zum Abschluss noch drei kurze Fragen und drei kurze Antworten, bitte: Fallen nun für Sie die Sommerferien aus, weil Sie Wahlkampf betreiben müssenf? Und was investieren Sie dafür? Und wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?

Senn: (lächelt) Meine Sommerferien fallen sicher nicht aus. Ich verbringe zwei Ferienwochen in der Toscana. Der Rest wird nicht so strub sein. Finanziell muss respektive darf ich der Partei 1'500 Franken abliefern, was der Rest kosten wird, weiss ich noch nicht. Die Wahlchancen sind immer fifty-fifty vor einem Match.

Wiget: Wir haben ein Budget, und ich beteilige mich am Defizit. Das will ich recht grosszügig machen.

«Insgesamt kommen wohl schon so um die 10'000 Franken Wahlkampfkosten zusammen.»

Cyrill Wiget

Insgesamt kommen wohl schon so um die 10'000 Franken zusammen. Zu den Wahlchancen: Ich glaube, wenn ich mit den Leuten spreche, dass die Arbeitsteilung zwischen Matthias und mir von vielen Leuten geschätzt wird. Und meine Sommerferien werden durch den Wahlkampf sicher beeinträchtigt, aber ich gehe schon ein paar Tage an den Comersee. Meine Familie darf nicht zu kurz kommen, die opfere ich nicht.

Bonus: Nach dem Interview hat zentral+ die beiden Kandidaten spontan gebeten, in 30 Sekunden ihre Motivation fürs Präsidialamt zusammen zu fassen. Das Ergebnis haben wir gefilmt – hier ist es:

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