«Wir werden uns nicht von den anderen Parteien vorschreiben lassen, wen wir in den Wahlkampf schicken», sagt der Krienser Parteipräsident Peter Portmann im Interview. (Bild: zvg)
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«Wir werden uns nicht von den anderen Parteien vorschreiben lassen, wen wir in den Wahlkampf schicken», sagt der Krienser Parteipräsident Peter Portmann im Interview. (Bild: zvg)

«Das ist eine reine Lügengeschichte»

6min Lesezeit

Die Krienser SVP ist aufgebracht. Der Sprengkandidat der FDP für die Krienser Ersatzwahlen habe eigentlich für die eigene Partei kandidieren wollen. Hinter der Nomination von Simon Konrad verberge sich eine «Lügengeschichte», sagt der Krienser SVP-Parteipräsident Peter Portmann im Interview. Zudem ist die Partei befremdet, dass ihr Kandidat angegriffen wird. 

Da ist ordentlich Feuer unterm Dach. Zuerst aber der Hintergrund: Am 23. August sind in Kriens Ersatzwahlen angesagt. Bis am nächsten Montag läuft die Frist für die Krienser Parteien, Kandidaten für die Nachfolge von Ex-Gemeindepräsident und Finanzchef sowie Neo-Regierungsrat Paul Winiker (SVP) zu nominieren. Am Dienstagabend wurde dann bekannt, dass der Sitz im Krienser Gemeinderat von der FDP und der CVP angegriffen wird (zentral+ berichtete). Und dabei wartet die Krienser FDP pikanterweise mit einem Kandidaten auf, den die Volkspartei lieber in den eigenen Reihen gehabt hätte. Oder war es umgekehrt? Parteipräsident Peter Portmann spricht im Interview mit zentral+ Klartext. 

zentral+: Herr Portmann, die Krienser SVP scheint ziemlich aufgewühlt. Was hat die Parteileitung vor?  

Peter Portmann: Wir halten heute Abend eine erweiterte Vorstandssitzung ab und besprechen das weitere Vorgehen. 

zentral+: Warum ist die SVP so erstaunt über die Kandidatur von Simon Konrad für den politischen Gegner, die FDP?  

Portmann: Simon Konrad hat im Vorfeld mit uns Kontakt aufgenommen. Er hat also effektiv bei uns angefragt, ob er für die SVP kandidieren soll. Er würde sogar einen Parteiübertritt in Kauf nehmen, hat er gesagt. Die Parteileitung der SVP hat auf sein Angebot nicht reagiert.

zentral+: Wir sind verwirrt. Er ist doch langjähriges Mitgied der FDP. Können Sie uns aufklären?

Portmann: Was hier jetzt passiert, ist eine reine Lügengeschichte. Wir wollen die Sache klarstellen mit dem Fahnenwechsel von Simon Konrad. In der Sitzung heute Abend wird klar, wie wir auf diese Situation reagieren werden. Ein Rückzug der Kandidatur von Patrick ist schon aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Der Wahlvorschlag wurde bereits letzten Donnerstag bei der Gemeindekanzlei deponiert.

zentral+: Mit diesem Hin und Her macht die SVP aber nicht gerade einen geschlossenen Eindruck. 

Portmann: Ich habe langsam genug vom Theater. Wir werden uns nicht von den anderen Parteien vorschreiben lassen, wer wir in den Wahlkampf schicken. Der erweiterte Vorstand der SVP steht weiterhin geschlossen hinter der Kandidatur von Koch. 

zentral+: Wie steht es eigentlich um den zweiten Kandidaten Zellweger, steht der noch zur Verfügung?

Portmann: Ja, ich habe heute morgen mit ihm telefoniert. 

«Tatsache ist, dass FDP und CVP gegen Patrick Koch gehetzt haben und ihn politisch fertig machen wollen.»

zentral+: Die CVP und die FDP werden ihre Kandidaten stehen lassen, wenn Koch kandidiert. Hat die SVP mit Koch wirklich aufs richtige Pferd gesetzt?

Portmann: Patrick Koch wurde von der Nominationsversammlung demokratisch gewählt. Tatsache ist, dass FDP und CVP gegen Patrick Koch gehetzt haben und ihn politisch fertig machen wollen. Die hochgelobte Konkordanz seitens der CVP wird offenbar ausser Kraft gesetzt.

zentral+: Warum wollte man denn Simon Konrad nicht? Er scheint ein starker Kandidat zu sein. 

Portmann: Ich denke, dass Simon Konrad nur eine berufliche Neuorientierung suchte, offenbar hat er auch Mühe mit seinem Geschäft. Das war mein erster Gedanke. Ich kann mir das nicht anders vorstellen. Simon Konrad sagt natürlich, wir seien ihn angegangen. Aber das stimmt nicht. Da hat er offenbar seinen Parteikollegen von der FDP eine Lügengeschichte aufgetischt.

zentral+: Trotzdem scheint der FDP-Kandidat eine echte Gefahr für die SVP zu sein. Wie sehen Sie die Chancen für die SVP?

Portmann: Ich denke, wir haben gute Chancen. Jetzt erst recht. Wir dürfen nicht vergessen: Die SVP hätte von der Wählerstärke her einen Sitz zu Gute. 

zentral+: Warum sind die anderen Parteien mit Koch nicht zufrieden? 

Portmann: Das weiss ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Er ist ein valabler Kandidat mit grosser politischer Erfahrung. Vielleicht passt der CVP und FDP einfach seine Art nicht. Die CVP ist vermutlich neidisch auf seine Erfolge auf kommunaler Ebene. Ich denke in erster Linie auf die erfolgreiche Gründung der Rebbaugenossenschaft Sonnenberg, durch Patrick Koch. Die waren immer gegen dieses Projekt.

Lesen Sie ausserdem: Der FDP-Kandidat Simon Konrad nimmt zur «Lügengeschichte» Stellung.

SVP hält zu Patrick Koch 

Um 22 Uhr, direkt nach der ausserordentlichen Sitzung, hat die SVP eine Medienmitteilung versandt. Darin schreibt die Partei, sie sei befremdet, «dass bereits vor den Nominationsversammlungen der Krienser Parteien, FDP und CVP, den SVP Kandidaten grundlos angreifen». Die CVP habe zum Beispiel bekannt gegeben, dass der SVP Kandidat Patrick Koch «mangels Qualifikation» nicht wählbar sei. «Dabei ist Patrick Koch ein ausgewiesener HR Fachmann mit eidgenössischem Fachausweis einer höheren Fachhochschule». In Sachen «Qualifikation und Ausbildung» der eigenen Kandidaten hüllten sich CVP und FDP Parteien jedoch in Schweigen.

Das Vorgehen von CVP und FDP heble den «demokratischen» Anspruch der SVP auf einen Gemeinderatssitz aus. Auch die vielzitierte Konkordanz werde von beiden Parteien ausser Kraft gesetzt. «Wir wünschen uns mehr Respekt und Feingefühl gegenüber mehr als 20 Prozent der Krienser Wählerinnen und Wähler».

«Wir erwarten von allen Krienser Parteien ein klares Bekenntnis zur Konkordanz und zwar jetzt. Eine Vertröstung auf den Frühling, wie es CVP und FDP vorschlagen, kommt für die SVP nicht in Frage.»

Zudem werde sich die SVP auch nicht, weder von der CVP noch von der FDP, benutzen lassen, im Frühling 2016 die Gemeinderatssitze der Grünen oder der SP im Frühling 2016 anzugreifen. 

 

 

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