Mit E-Government zu weniger Bürokratie. In Luzern wird derzeit an einem neuen Portal gearbeitet. (Bild: Symbolbild Fotolia)
Politik Gesellschaft

Mit E-Government zu weniger Bürokratie. In Luzern wird derzeit an einem neuen Portal gearbeitet. (Bild: Symbolbild Fotolia)

Zügeln soll per Online-Schalter organisiert werden

6min Lesezeit

Auf einem neuen Onlineportal will der Kanton Informationen von Wirtschaft, Behörden und Tourismus bündeln. Ziel ist, dass die Bürger nicht mehr an den Schalter der Verwaltung müssen, sondern beispielsweise ihren Umzug virtuell abwickeln können. Beim Projekt liegen jedoch einige Fallstricke.

Viele meiden sie wie der Teufel das Weihwasser: die öffentliche Verwaltung. Ihr haftet das Klischee der Bürokratie, langer Wartezeiten und komplizierter Formulare an. Das soll sich in Luzern nun ändern. Die Verwaltung will künftig näher an den Bürger kommen. Der Verband Luzerner Gemeinden (VLG) arbeitet gemeinsam mit dem Kanton an einem neuem Portal, das Informationen für die Einwohner bündelt. Dies im Rahmen der «E-Government-Strategie». Mit dieser sollen künftig Dienstleistungen der Behörden wie Steuerrechnung oder Abstimmungen online ausgeführt werden können.

Für den Umzug nicht mehr an den Schalter

«Das Ziel ist, eine Plattform für Bürger zu schaffen, die sämtliche E-Government-Angebote und Leistungen der Verwaltung zentral anbietet», erklärt Gerald Strub, Beauftragter E-Government des VLG. Die bereits bestehende Website www.luzern.ch soll zu einem Transaktionsportal aufgebaut werden. Was das heisst, erklärt Strub an einem Beispiel: «Damit könnte ein Neuzuzüger alles für seinen Umzug Nötige über das Portal erledigen und müsste dazu nicht mehr den Schalter der Verwaltung aufsuchen.»

«Wir wollen keinen Gegenpol zu einer Zeitung aufbauen»

Laut Strub arbeiten sechs Partner gemeinsam am neuen Portal. Die Player sind Stadt und Kanton Luzern, Tourismus, Wirtschaft und Kultur. Im Tätigkeitsbericht des Verbands ist die Rede, die Website zu einem Informationsportal auszubauen. Entsteht ein weiteres Online-Newsportal für Luzern? Strub verneint. «Das Portal wird keinen Newscharakter haben. Wir wollen keinen Gegenpol zu einer Zeitung aufbauen, sondern lediglich bestehende Informationen der Projektbeteiligten besser aufbereiten.»

«Der Domainname ist aus unserer Sicht einzigartig»

Auch Bund will E-Schalter

Auch auf Bundesebene wird derzeit daran gearbeitet, die Behörden benutzerfreundlich zu den Bürgern nach Hause zu bringen. Wie das funktioniert, zeigt beispielsweise das Portal www.ch.ch. Besucher der Webseite finden hier zu verschiedenen Bereichen wie Wahlen, Führerschein oder Umzug übersichtliche Informationen.

Es wird erklärt, wie und wo das An- und Abmelden bei der Gemeinde funktioniert, wie viele Freitage der Arbeitgeber gewährt oder was beachtet werden muss, wenn das neue Zuhause im Ausland liegt. Eine Checkliste und ein Video runden die Informationen ab.

Für eine passende Domain mussten die Player nicht lange suchen, denn sie existiert bereits. Geplant ist, die bestehende Website www.luzern.ch zu nutzen. Diese gehört heute allerdings der Stadt Luzern. «Der Domainname ist aus unserer Sicht einzigartig. Ziel ist, die Bekanntheit der Region Luzern auch im Domainnamen wiederzuerkennen», erklärt Strub seine Präferenz. Die Stadt Luzern ist bei der Planung involviert. 

Schon heute bietet luzern.ch Informationen aus den Bereichen Tourismus, Wirtschaft, Stadt und Kanton Luzern an. Es handelt sich dabei aber um eine  Link-Sammlung. Das soll sich ändern. Laut Strub will man die bestehende Website neu positionieren und visuell sowie inhaltlich anpassen. «Wie und in welchem Umfang, ist noch nicht genau geklärt», sagt Strub. Auch wer künftig das Hosting – also den Betrieb der Seite – übernehmen wird, sei noch offen.

Zeitplan steht bis im Sommer

Abgeklärt wird derzeit auch, wie das Portal technisch aufgebaut werden soll. «Dazu gibt es zwei Elemente. Wer bewirtschaftet? Und wie sieht die technische Lösung aus? Beide Fragen müssen parallel in der aktuellen Projektphase geklärt werden», sagt Strub.

Abklärungen, wie viele Ressourcen benötigt werden, um die Seite zu betreiben, laufen noch. «Das hängt vom Aufwand ab. Wenn der Schritt hin zu einem Transaktionsportal gemacht wird, ist das sicher aufwändiger.» Das Projekt befinde sich derzeit in der Initialisierungsphase. Bis zu den Sommerferien will man offene Frage klären sowie einen Zeitplan für die Umsetzung erstellen.

«Die Website ist up to date»

Und wie schlägt sich der Kanton Luzern bisher in Sachen E-Government? Der Experte Christian Weber, Leiter E-Government für KMU beim SECO, wirft für uns einen Blick auf die Website des Kantons www.lu.ch. «Der erste Eindruck ist recht gut», sagt er nach ein paar Klicks. Die Website des Kantons sei übersichtlich, habe ein modernes Design und sei verständlich. «Die Website ist up to date», so Webers erstes Fazit.

«Die Seite sieht altbacken aus.»

Christian Weber, E-Government-Experte

Auf den zweiten Blick gefallen ihm der Reiter «Direktzugriffe» auf der rechten Seite sowie der Anriss über die Jahresrechnung 2014. «Es ist wichtig für die Verwaltungen, dass sie Transparenz schaffen», sagt der Fachmann. Er will es genau wissen und klickt auf «Jahresrechnung 2014». Hier schlägt die Stimmung um. «Die Seite sieht altbacken aus», fasst er zusammen.

Dass die Links zu den verschiedenen Meldungen unterstrichen und mit einem PDF-Icon versehen sind, sei zu überladen. Zum Schluss hat er noch lobende Worte: «Die Luzerner sind gut bei den Baugesuchen. Hier haben sie eine gute und einfache Lösung für den Nutzer», hebt er hervor.

Tipp des Fachmanns: einfach und leicht verständlich halten

Wo sind allenfalls Fallstricke bei der Umsetzung des E-Government-Angebots auf dem neuen Portal? «Benutzer wollen sich nicht durch hundert Sachen klicken», sagt Weber. Am wichtigsten sei, dass die Website einfach, leicht verständlich und schnell ist.

Zudem rät der Fachmann den Projektverantwortlichen, dass sie regelmässige Tests bei Benutzern durchführen, um herauszufinden, was warum funktioniert und was eben nicht. Da sich die Branche und das Nutzungsverhalten sehr schnell verändere, rät er, die Site etwa einmal im Jahr zu überarbeiten. Öfter sei nicht sinnvoll, «da der Benutzer sich gut zurechtfinden muss».

Begrüssen Sie das geplante Online-Angebot? Nutzen Sie die Kommentar-Funktion und schreiben Sie jetzt Ihre Meinung!

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Politik