Regierunsrat Reto Wyss baut gerne Brücken. Sei es in der Politik oder einfach so mit Lego. (Bild: bra)
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Regierunsrat Reto Wyss baut gerne Brücken. Sei es in der Politik oder einfach so mit Lego. (Bild: bra)

«Ich will keine Ehrentafel»

8min Lesezeit

Der Kultur- und Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) stellt sich in einer Interview-Reihe unseren Fragen. Der 49-Jährige kandidiert bei den Luzerner Wahlen im März für eine zweite Amtszeit und erklärt, warum die Bürgerinnen und Bürger ihn wieder wählen sollten, wie sich der Betrieb der «Salle Modulable» finanziert und warum er mit einem schlechten Ergebnis zum Regierungspräsidenten gewählt wurde.

zentral+: Im Rückblick, wie gut waren Sie als Regierungsrat?

Wyss: Meine Aufgabe ist es ja, Lösungen zu Stande zu bringen. Wenn ich zurückblicke, stelle ich fest, dass das Stimmvolk viermal den Anträgen von Regierung und Parlament zugestimmt hat, die ich vertreten durfte. Ich bin dafür dankbar und vier erfolgreiche Abstimmungen sind ein Grund zur Freude. Und meine Vorlagen an das Parlament sind bis auf eine Ausnahme akzeptiert worden.

zentral+: Welches Geschäft ging schief?

Wyss: Der Planungsbericht für das Übertrittsverfahren von Schülern an das Gymnasium wurde abgelehnt, obwohl dieser Bericht ursprünglich ein Auftrag des Parlaments war. In einem Planungsbericht steckt viel Arbeit drin. Es ist dann schade, wenn er nicht akzeptiert wird.

zentral+: Welches Geschäft ist Ihnen besonders gut gelungen?

Wyss: Das Universitätsgesetz hat mich am längsten beschäftigt. Ich finde, es ist für den Hochschulplatz wichtig. Bei meinem Amtsantritt war die Zusammenarbeit der Zentralschweizer Kantone im Bildungsbereich in Schieflage. Es ist mir innerhalb kurzer Zeit gelungen, eine gute Vertrauensbasis zu schaffen. Das erneuerte Konkordat für die Fachhochschule Zentralschweiz ist das erfreuliche Resultat daraus.

zentral+: Wir haben Ihnen etwas mitgebracht. Können Sie das zusammenbauen? 

zentral+: Was hätten Sie in den letzten vier Jahren anders angepackt?

Wyss: Die Zusammenarbeit der drei Luzerner Hochschulen fördere ich seit der Diskussion zum Planungsbericht Hochschulentwicklung im Kantonsrat im Frühjahr 2013. Das hat sich bewährt. Wenn ich aber die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich das früher anpacken müssen.

zentral+: Sie haben in diesem Wahljahr noch das Amt als Regierungsratspräsident inne. Auch wenn Sie betonen, das Präsidialamt nicht als eigene Werbung zu missbrauchen: Das geht doch eigentlich gar nicht?

Wyss: Doch. Wenn ich einen Auftritt als Regierungspräsident habe, ist es wichtig, dass ich mich nicht gleich mit dem Pin der CVP am Jackett präsentiere, speziell bis Ende März. Auch werde ich mich in einer Rede nicht auf die Wahlen beziehen. Dass will und kann ich klar trennen. 

Zur Person

Reto Wyss ist Mitglied der CVP und führt seit vier Jahren das Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons. Der Bauingenieur HTL/SIA und frühere Unternehmer – Wyss war Mitinhaber der Firma Wyss + Partner Bauingenieure AG – führt insgesamt 3'070 Personen, nicht eingerechnet sind die 5'500 von den Gemeinden angestellten Volksschullehrer. 

Vor seiner Wahl in die Regierung war Wyss 13 Jahre lang Gemeindepräsident von Rothenburg. Der 49-Jährige wohnt in Rothenburg, ist verheiratet und Vater von einem Sohn und einer Tochter. 

zentral+: Warum wurden Sie mit einem vergleichsweise tiefen Ergebnis zum Regierungsratspräsidenten gewählt?

Wyss: Das müssen Sie das Wahlgremium fragen. Es liegt nicht an mir, dies zu interpretieren und kommentieren. Ich mache dazu nur eine einzige Aussage. Bildung beschäftigt und betrifft immer viele Bürgerinnen und Bürger und da gehen halt die Meinungen vielfach stark auseinander.

zentral+: In den Bereichen Bildung und Kultur wird besonders viel gestritten. Haben Sie das mühsamste Departement?

Wyss: Nicht das mühsamste, das spannendste! Ich bin sehr glücklich in diesem Departement. Bildung wie auch die Kulturpolitik sind zentrale Aufgaben unseres Staates. Fachlich kann man in beiden Bereichen sehr gut streiten, das ist wahr. Aber solange ich in schwierigen und kritischen Diskussionen bin, und das Ganze auf einer sachlichen Ebene stattfindet, habe ich kein Problem damit. Eben, spannend.

zentral+: Fast niemand bestreitet, dass Bildung wichtig sei. Gleichzeitig könne man in der Bildung am meisten sparen. Wo führt die Diskussion hin?

Wyss: Wichtig ist, dass wir Effizienz und Qualität hoch halten. Das ist stets das Ziel und dazu braucht es Fakten. Ich glaube, wir verfügen heute über gute Durchschnittszahlen in allen Schulbereichen. Wir sind in Sachen Kosten im Vergleich zu anderen Kantonen sogar meistens unterdurchschnittlich (zentral+ berichtete). Aber die Spardiskussion wird uns immer wieder beschäftigen. Das ist ein steter und normaler Prozess der Politik.

zentral+: Trotzdem: Wo kann man noch sparen in der Bildung?

Wyss: Die Frage ist eher, auf welche Leistungen wollen wir in Zukunft verzichten? Ich bin überzeugt, dass dieses Leistungsangebot dem jetzigen politischen Willen entspricht. Das haben nicht zuletzt die Diskussionen im Zusammenhang mit dem Budget 2015 gezeigt. Die Parlamentsentscheide will ich ernst nehmen. 

«Ich habe Respekt vor der Komplexität des heutigen Lehrerberufes.»

Reto Wyss, Regierungsrat CVP

zentral+: Der Lehrerverband sagt, die Bedingungen zum Unterrichten seien schlechter geworden. Was meint er damit?

Wyss: Ich denke da vor allem an die Heterogenität in den Klassen. Die Lehrer sind sehr unterschiedlich gefordert. Sie müssen sehr stark auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingehen können. Das ist mit Aufwand verbunden. Zudem will unsere Gesellschaft Transparenz. Es gibt viele Elterngespräche. Auch das bedeutet viel Arbeit. Die Lehrpersonen erwarten deshalb Entlastungen. Wir konnten da erste Schritte machen, sind aber gleichzeitig finanziell eingeschränkt. Ich habe Respekt vor der Komplexität des heutigen Lehrerberufes.

zentral+: Ist eine Wirtschaftsfakultät an der Universität wichtiger als solide Volksschul- und Berufsbildung?

Wyss: Ich wehre mich dagegen, die einzelnen Schulstufen gegeneinander auszuspielen. Das macht keinen Sinn, weil sie verschiedene Aufgaben haben. Die Volksschule ist die Basis von allem, die Berufsbildung bedeutet für rund drei Viertel unserer Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt, und wir brauchen auch akademisch ausgebildete Personen. Eine Rangierung möchte ich auf keinen Fall vornehmen.

zentral+: Ist die Wirtschaftsfakultät für Sie ein Vorzeige- oder fast ein Prestigeprojekt?

Wyss: Nein, gar nicht. Unsere Universität soll sich entwickeln können. Schweizweit ist sie die kleinste und wird es bleiben. Wir befürchten, dass sie im Hochschulumfeld gesamtschweizerisch nicht mehr, oder zu wenig wahrgenommen wird. Wir wollen den Abstand zwischen Luzern und den übrigen Kantonen nicht allzu gross werden lassen, das ist eigentlich das Ziel.

zentral+: Was würden Sie von einer Ehrentafel an der neuer Wirtschaftsfakultät halten?

Wyss: Ich will keine Ehrentafel.

zentral+: Die Neue Theater Infrastruktur (NTI) bekommt auch von der freien Szene gute Noten. Wie wichtig ist die freie Szene für das Vorhaben?

Wyss: Ich denke, es ist eine gute Vertrauensbasis da. Wir fokussieren uns nicht nur auf das etablierte Theaterschaffen, sondern beziehen die freien Theaterschaffenden auch mit ein. Von Anfang an. Damit man auch am Tisch sitzt und gegenseitig im Bilde ist, was jeweils für den anderen wichtig ist. Zusammen mit der Stadt werden wir eine gute Koordination schaffen. Für uns ist die freie Szene nicht eine Minderheit – wir nehmen sie ernst.

zentral+: Die grosse Frage bezüglich «Salle Modulable»: Wenn mal gebaut ist, ist für den Betrieb genügend Geld da?

Wyss: Da haben wir eine klare Auflage. Grundsätzlich stehen für den Betrieb gleich viele Mittel zur Verfügung wie heute. Wir können es uns nicht leisten, ein schönes Gebäude hinzustellen und nachher erst uns Gedanken machen, wie wir den Betrieb finanzieren. Die Überlegungen spielen von Anfang an mit.

zentral+: Wie ist das kulturelle Angebot auf dem Platz Luzern?

Wyss: Ich glaube, es ist exzellent. Wenn ich sehe, wie viel in diesem vergleichsweise kleinen Raum angeboten wird – das überrascht viele Leute immer wieder. Das gelingt uns auch dank einer sehr guten Zusammenarbeit mit Privaten.

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