Asylzentrum, wie hier der Sonnenhof in Emmen, oder leere Wohnungen: Den Gemeinden bleiben momentan keine anderen Optionen, Flüchtlinge unterzubringen. (Bild: cha)
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Asylzentrum, wie hier der Sonnenhof in Emmen, oder leere Wohnungen: Den Gemeinden bleiben momentan keine anderen Optionen, Flüchtlinge unterzubringen. (Bild: cha)

Familien wollen Flüchtlinge aufnehmen – dürfen aber nicht

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Der Zuweisungsentscheid trifft die Gemeinden hart – leerer Wohnraum ist knapp und Liegenschaftsbesitzer spielen oftmals nicht mit. Die letzte Möglichkeit wäre, Asylsuchende bei Privatpersonen unterzubringen. Der Ball ist nun beim Kanton. Trotz konkreten Angeboten will dieser jedoch weiter zuwarten.

Der Kanton Luzern stösst bezüglich der Asylsuchenden an seine Kapazitätsgrenzen. Aus diesem Grund haben 67 Luzerner Gemeinden einen Zuweisungsentscheid erhalten. Diese bekunden jedoch Mühe damit, das vorgeschriebene «Soll» zu erfüllen (zentral+ berichtete).

Zuätzlich hat der Kanton Luzern aufgrund der Notsituation drei Zivilschutzanlagen in Aussicht, in denen Anfang 2016 insgesamt 160 Flüchtlinge untergebracht werden sollen (zentral+ berichtete). Weitere Recherchen haben gezeigt, dass der Kanton durch ein Projekt gewisse Gemeinden hätte entlasten können – dies jedoch nicht tat.

Die Gemeinden spielen bei der Organisation von Unterkünften für Asylsuchende eine Vermittlerrolle. Da es in vielen Gemeinden keine öffentlichen Unterkünfte gibt, sind sie auf das Entgegenkommen von Liegenschaftsbesitzern angewiesen. Während einige einlenken und der Caritas eine oder mehrere Wohnungen für Asylsuchende zur Verfügung stellen, weigern sich andere.

Ein halbes Dutzend wäre bereit

Die letzte Option, die bleibt, sind Privatpersonen, die freiwillig Asylsuchende bei sich zu Hause aufnehmen. «Im Kanton Luzern haben sich rund sechs Einzelpersonen oder Familien gemeldet, die bereit wären, Asylsuchende vorübergehend bei sich aufzunehmen», erklärt Stefan Frey, Sprecher der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH). Immerhin könnte so in den Gemeinden etwas Abhilfe geschaffen werden.

Doch: «Bislang konnten noch keine Flüchtlinge in privaten Haushalten platziert werden», sagt Frey und erklärt: «Der Grund dafür liegt bei den kantonalen Asylbehörden.» Diesen habe man das Projekt zwar vor einigen Monaten vorgestellt. «Bis heute haben diese Behörden jedoch keine Bereitschaft signalisiert, das Projekt auf dem Gebiet des Kantons Luzern zusammen mit der SFH umzusetzen», gibt Stefan Frey zu bedenken.

Ergebnisse des Pilotprojekts abwarten

«Die Flüchtlingshilfe hat mir das Projekt vorgestellt», bestätigt Ruedi Fahrni, kantonaler Asylkoordinator und Leiter der Dienststelle Soziales und Gesellschaft, auf Anfrage. «Ich erachte das Projekt als äusserst interessant.» Dass dieses seither jedoch stagniert, habe folgenden Grund: «Wir haben entschieden, dass wir die Ergebnisse des Pilotprojektes, das momentan im Kanton Waadt läuft, abwarten.»

Denn so gut das Projekt auch klingen möge, dürfe man Eines nicht ausser Acht lassen: «Für den Kanton ist dieses Projekt mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Sowohl finanziell als auch bezüglich personeller Ressourcen», so Fahrni. Die Ergebnisse des Pilotprojektes seien frühestens in einem Jahr zu erwarten. «Dann müssen wir nochmals über die Bücher und bei Erfolg das Projekt vorantreiben.»

Dass Privatpersonen sich engagieren möchten, zeigen folgende vier Angebote: In Malters beispielsweise haben Bewohner ein grosses Haus mit viel Umschwung, in dem sie ein Zimmer mit separatem Bad zur Verfügung stellen würden. In einem Einfamilienhaus in Meggen wären gar zwei grosse Zimmer mit Bad zum Einzug bereit. Auch in Emmen könnte in einem Zimmer mit eigenem Bad ein Flüchtling untergebracht werden. Auch ist in Kriens ein Ehepaar bereit, seine grosse Wohnung mit einem Flüchtling zu teilen.

«Das persönliche Engagement steht im Vordergrund»

«Bei den Gastgebern handelt es sich sowohl um berufstätige als auch pensionierte Personen. Diese möchten sich persönlich für die Betreuung der Flüchtlinge einsetzen», betont Stefan Frey. Im Vordergrund stehe bei allen Angeboten das persönliche Engagement. «Das finanzielle Argument ist in keinem Fall von Bedeutung, obwohl davon ausgegangen werden muss, dass für die Unterbringung den Privatpersonen Gelder pro Flüchtling zur Verfügung stehen würden», so Frey.

Insbesondere Meggen hätte Entlastung nötig. Denn: Laut dem Verteilschlüssel muss die Gemeinde noch 26 Plätze für Asylsuchende zur Verfügung stellen. Und anstatt das Projekt voranzutreiben, Flüchtlinge bei Privatpersonen unterzubringen, schiebt der Kanton Luzern Asylsuchende lieber kurzfristig in eine Zivilschutzanlage ab.

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