Als Letztes wurden am «Super Sunday» die Resultate des Zuger Kantonsrats bekannt gegeben. Die grossen Parteien müssen Verluste einstecken. (Bild: anm)
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Als Letztes wurden am «Super Sunday» die Resultate des Zuger Kantonsrats bekannt gegeben. Die grossen Parteien müssen Verluste einstecken. (Bild: anm)

6min Lesezeit

Es wurde bereits vorhergesagt: Das neue Wahlsystem mit dem doppelten Pukelsheim würde den kleinen Parteien einen Schub geben. Und so kam es: Im Zuger Kantonsrat gewinnen die glp und die Alternative-die Grünen je zwei Sitze dazu, die CVP, die FDP und die SP müssen Verluste einstecken. Die SVP konnte ihre Sitzzahl halten.

Im Kanton Zug bleibt die CVP die stärkste Partei. Das, obwohl sie mit neu 22 Sitzen einen Kantonsrat weniger stellen kann. Das sei allerdings kein schlimmer Verlust, sagt CVP-Wahlkampfleiter und Nationalrat Gerhard Pfister. «Der verlorene Sitz ist für die Partei nicht schlimm. Wir konnten unseren Wähleranteil von 24 Prozent auf etwa 27 Prozent ausbauen. Wir sind damit schweizweit eine der CVP-Kantonalparteien, die noch an der Spitze mitpolitisiert.» Im alten System (siehe Box) hätte die CVP damit etwa drei Sitze dazugewonnen, so Pfister, «mit dem neuen System wurde das etwas korrigiert.» 

Ebenfalls einen Verlust einstecken muss die FDP. Sie verlor zwei Sitze und ist nun im Parlament mit 18 Kantonsräten vertreten. Zu den Verlieren zählen auch die Sozialdemokraten. Die SP verlor einen Sitz (neu 7 Sitze). SP-Präsidentin Barbara Gysel sagt zum Sitzverlust: «Es ist schade, dass wir nicht auf dem selben Niveau sind, wie in der vorletzten Legislatur. Wir sind eben immer noch eine politische Minderheit.»

Der doppelte Pukelsheim

Beim Wahlsystem des doppelten Pukelsheim gibt es zwei Rechenrunden: Zuerst wird der ganze Kanton als einziger Wahlkreis betrachtet, um so den Wähleranteil der verschiedenen Parteien festzustellen und die Verteilung der Kantonsratssitze auf die Parteien vorzunehmen. In der zweiten Runde werden diese Sitze gemäss den Resultaten in den einzelnen Gemeinden den erfolgreichen Kandidaten zugewiesen.

Die Chance der Kleinparteien lag in der ersten Rechenrunde. Bisher wurde in den Gemeinden eine feste Zahl von Kantonsratsmandaten vergeben. Bekam ein Kandidat nicht die erforderlichen Stimmen für ein Mandat, so zählten diese Stimmen nicht. Bei den Wahlen vom Sonntag wurden aber diese Stimmen für die kantonale Zählung mitberücksichtigt. Das heisst, auch wenn ein Kandidat nicht gewählt wurde, hatte dies einen Einfluss auf die Mandatsverteilung. Deshalb traten die kleinen Parteien auch in jenen Gemeinden an, wo sie bisher chancenlos waren.

«Wir sind Pukelsheim-Gewinner»

Die Gewinner-Parteien sind die glp und die Alternative-die Grünen. Beide Parteien konnten zwei Sitze zulegen, was besonders dem neuen Wahlsystem des doppelten Pukelsheim (siehe Box) zugeschrieben wird. «Wir sind klare Pukelsheim-Gewinner», sagt Michèle Kottelat über die gewonnenen beiden Sitze. Die Co-Präsidentin der glp erklärt: «Da wird es uns zum Vorteil, dass all die Wählerstimmen aus den Gemeinden, in denen wir keine Chance hatten, auch den Kandidaten in den anderen Gemeinden zugute kamen.» Es sei auch ein Trost über den Stand im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug: «Da bleiben wir auf unseren beiden Sitzen stecken.» Die Zukunft der glp ist ungewiss, wie könnte es weitergehen? «Wir wissen es noch nicht. Und wie es in vier Jahren aussieht, kann auch keiner sagen.»

Einzig bei der SVP hat sich nichts verändert. Der Präsident der Partei ist darüber «hocherfreut», wie er gegenüber zentral+ sagt. Ein Erfolg also? «Wir mussten für dasselbe Resultat mehr Wähler gewinnen als bei den letzten Wahlen.» Das sei eine Folge des doppelten Pukelsheim, so Hürlimann. «Deshalb ist das Resultat für uns ein Gewinn. Die FDP hat zwei Sitze verloren, die CVP einen. Wir konnten unsere Sitze halten.»

Weiterhin nicht vertreten im 80-köpfigen Kantonsparlament ist die Piratenpartei. Sie ist zum ersten Mal bei den Zuger Wahlen angetreten. Insgesamt hatten sich 246 Kandidatinnen und Kandidaten auf sieben verschiedenen Listen für die 80 Sitze im Kantonsparlament aufgestellt – es waren dies 65 Frauen und 181 Männer.

 

Sitze im Kantonsrat nach Parteien und Gemeinden

CVP

Zug:
Urs Raschle
Silvia Thalmann-Gut
Richard Rüegg

Unterägeri:
Iris Hess-Brauer

Hünenberg:
Anna Bieri
Karin Andenmatten-Helbling

Risch:
Kurt Balmer
Roger Wiederkehr

Menzingen:
Monika Barmet-Schelbert
Andreas Etter

Steinhausen:
Andreas Hausheer
Thomas Meierhans

Cham:
Hans Baumgartner
Christine Blättler-Müller
Jean-Luc Mösch

Neuheim:
Emanuel Henseler

Oberägeri:
Beat Wyss-Iten
Laura Dittli

Baar:
Martin Pfister
Pirmin Frei
Heini Schmid
Pirmin Andermatt

FDP

Zug:
Cornelia Stocker
Hans Christen
Alice Landtwing
Philippe Camenisch
Karen Umbach

Unterägeri:
Gabriela Ingold

Hünenberg:
Beat Unternährer

Risch:
Daniel Burch
Daniel Stuber

Cham:
Beat Sieber
Thomas Gander

Steinhausen:
Monika Weber

Neuheim:
Thomas Lötscher

Walchwil:
Florian Weber

Oberägeri:
Peter Letter

Baar:
Daniel Abt
Adrian Andermatt
Andreas Hostettler

Grüne, CSP, Junge Alternative

Zug:
Vroni Straub
Jolanda Spiess-Hegglin
Stefan Gisler Schäfer

Unterägeri:
Marianne Hess

Hünenberg:
Rita Hofer

Risch:
Hanni Schriber-Neiger

Cham:
Esther Haas

Steinhausen:
Andreas Hürlimann
Anastas Odermatt

Baar:
Andreas Lustenberger

glp

Zug:
Daniel Stadlin
Michèle Kottelat

Cham:
Claus Soltermann

Baar:
Nicole Imfeld

SVP

Zug:

Manuel Brandenberg
Jürg Messmer
Philip C. Brunner
Wili Vollenweider

Unterägeri:
Thomas Werner
Ralph Ryser

Hünenberg:
Thomas Villiger

Risch:
Matthias Werder
Flavio Roos

Menzingen:
Karl Nussbaumer

Cham:
Rainer Suter
Walter Birrer

Steinhausen:
Daniel Burch

Walchwil:
Moritz Schmid

Oberägeri:
Thomas Wyss

Baar:
Oliver Wandfluh
Beni Riedi
Michael Riboni
Markus Hürlimann

SP, JUSO, SP-Frauen

Zug:
Barbara Gysel
Rupan Sivaganesan

Unterägeri:
Beat Iten

Hünenberg:
Hubert Schuler

Cham:
Olivia Bühler

Baar:
Zari Dzaferi

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