Der Zuger SVP Präsident Markus Hürlimann (links am Paket) übergibt die gesammelten Unterschriften der Staatskanzlei. Hinten links steht im blauen Karohemd Beni Riedi, und er hat gut lachen: Das Unterschriftensammeln sei sehr leicht gefallen. (Bild: fam)
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Der Zuger SVP Präsident Markus Hürlimann (links am Paket) übergibt die gesammelten Unterschriften der Staatskanzlei. Hinten links steht im blauen Karohemd Beni Riedi, und er hat gut lachen: Das Unterschriftensammeln sei sehr leicht gefallen. (Bild: fam)

Initiative «Ja zur Mundart» wurde eingereicht

4min Lesezeit

Die Zuger SVP hat ihre Initiative «Ja zur Mundart» eingereicht. Die Unterschriften habe man bis weit ins linke Lager gesammelt, sagt der Kampagnenleiter Beni Riedi. Und dass es einfach blöd klinge, im Sportunterricht Deutsch zu sprechen. Was würde Mundart in Kindergarten und Primarschule bedeuten, günstige Integration oder Barriere für Ausländische Kinder?

«Es haben uns auch Leute gesagt: Seltsam, dass man darüber überhaupt abstimmen muss», sagt Beni Riedi, Kampagnenleiter der SVP Kanton Zug, «das sollte doch normal sein.» Und abstimmen wird man: Der Karton mit den Unterschriften ist voll: 2000 Unterschriften, 800 davon alleine aus der Stadt Zug. Die SVP übergibt ihn gleich der Zuger Staatskanzlei.

«Ja zur Mundart»-Initiative

Nach Zürich und Luzern hat am 18. Mai dieses Jahres mit dem Aargau auch der dritte grosse Nachbarkanton über ein ähnliches Anliegen an der Urne abgestimmt und die Mundart im Kindergarten angenommen, schreibt die SVP Kanton Zug in ihrer Medienmitteilung.

Im Vergleich zu den Initiativen in den anderen Kantonen, wolle sie aber noch einen Schritt weiter und möchte, dass auch in der Primaschule in gewissen Fächern (Sport, Musik und Gestalten) auf die Standardsprache verzichtet und stattdessen in Mundart unterrichtet wird.

Vor dem Zuger Regierungsgebäude hat sich eine Handvoll Unterschriftensammler eingefunden, inklusive Kinder, der Materie wegen. «Klar, so wie in Bern bei den Übergaben ist das nicht», sagt Riedi, «da kommen jeweils Massen von Leuten an.» Aber froh ist er trotzdem. «Ja zur Mundart» heisst die Initiative der SVP, und das Unterschriftensammeln sei schnell gegangen: «Es war sehr spannend, wir haben bis weit in linke Kreise hinein Unterschriften sammeln können, das hat gute Begegnungen gegeben.» Dass es so leicht gefallen ist, stimmt Riedi optimistisch: «Auch im Hinblick auf die Volksabstimmung.»

«Schriftdeutsche Worte nehmen Überhand»

Was will die Initiative? «Wir wollen, dass im Kindergarten und in einigen Stunden der Primarschule Mundart gesprochen wird», sagt Riedi. «Mundart ist unsere Sprache, in der wir auch im Geschäftsleben miteinander verkehren. Die Kinder sollen sie richtig lernen können.»

Schriftdeutsch ist doch genauso unsere Sprache, gefährdet die Initiative nicht die Kompetenz der Schweizer Kinder? «Ich persönlich fühle mich nicht schlechter, nur weil bei mir im Kindergarten Mundart gesprochen wurde.» Seine Meinung würden viele teilen, das zeigen die Unterschriften und Rückmeldungen. «Eine Grossmutter hat erzählt, dass ihr Kind nach Hause komme und frage: Chum ich echli Taschengeld über?», sagt Riedi, «Schriftdeutsche Worte nehmen Überhand.»

Konkret sieht die Initiative Mundart als Unterrichtssprache in den Fächern Sport, Bildnerisches Gestalten, Zeichnen und Musik vor. Aber sind das nicht die Fächer, in denen die Lehrer sowieso meistens in Mundart mit den Schülern sprechen? Würde die Initiative überhaupt etwas ändern? «Was die Lehrer daraus machen, können wir natürlich nicht kontrollieren. Aber vom Reglement her wären sie im Moment gehalten, mit den Schülern Schriftdeutsch zu sprechen.»

Und zudem müsse man einfach den gesunden Menschenverstand benutzen: «Das klingt doch einfach doof, wenn man sich im Sportunterricht zurufen muss: [spricht Hochdeutsch] Kannst du mir mal den Ball passen?»  

«Günstigste Form der Integration»

Besonders die ausländischen Kinder sollen im Kindergarten Mundart lernen können, so Riedi: «Die sind ja nicht das Problem. Kinder wollen sich immer integrieren, die wollen sich nicht isolieren.» Und im Kindergarten würden sie die Mundart umso schneller lernen. «Das ist für sie auch wichtig bei Vorstellungsgesprächen. Es ist wirklich die günstigste Form der Integration.»

«Gegenargumente? Na, dass es von der SVP kommt»

Riedi hatte schon im Kantonsrat versucht, seine Idee durchzubringen, war da aber gescheitert. «Die Gegenargumente? Na, dass die Idee von der SVP kommt», sagt Riedi und lacht. «Aber ernsthaft: Das ist die günstigste Form der Integration.»

Und wie wäre das bei den Kindern in englischsprachigen Privatschulen? Man konzentriere sich auf die öffentlichen Schulen, so Riedi: «Die öffentlichen Schulen finanziert der Steuerzahler zu einem grossen Teil, also können wir da auch mitreden. Wenn jemand sein Kind Englisch erziehen möchte und es in eine Privatschule steckt, dann ist das seine Sache.»

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