Immer wieder war Emmen von Hochwasser betroffen. Der Gemeinderat ist sich bewusst, wie er in diesen Krisensituationen kommunizieren muss. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Immer wieder war Emmen von Hochwasser betroffen. Der Gemeinderat ist sich bewusst, wie er in diesen Krisensituationen kommunizieren muss. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

«Krisen kann man nicht aussitzen»

6min Lesezeit

Wie gehen Luzerner und Zuger Gemeinden im Falle einer Krise an die Öffentlichkeit? Eine Umfrage bei den zuständigen Behörden zeigt: Immer mehr Gemeinden sind für brenzlige Situationen gerüstet. Kommunikationsberater Daniel Deicher zweifelt indes daran.

Ein Hochwasser, eine Schiesserei, ein politischer Skandal. Lokale Krisen und Katastrophen betreffen unterschiedlich viele Personen ungleich stark, zwingen Gemeinderäte aber immer zur Kommunikation. Zusätzlich lösen diese einschneidenden Ereignisse in der betroffenen Bevölkerung und in den Medien ein grosses Echo aus und stellen für die betroffenen Gemeinden eine seltene, aber ungemütliche Herausforderung dar. Rettungsaktionen müssen koordiniert, Informationen organisiert und die Öffentlichkeit orientiert werden. Plötzlich stehen lokale Behörden im nationalen Rampenlicht.

Nicht vergessen ist der Amoklauf in der Firma Kronospan in Menznau im Frühjahr 2013. Oder das Hochwasser in Emmen im August 2005, das grosse Schäden anrichtete. In der Nacht heulten damals die Sirenen. Die kleine Emme trat zwischen Wolhusen und Emmenbrücke über die Ufer, flutete Keller und riss Fahrzeuge, sogar ganze Strassen mit. 

Viele Gemeinden seien darauf vorbereitet, solche Krisensituationen operativ zu bewältigen. Sie verfügten über Evakuationspläne, eine Feuerwehr und einen Gemeindeführungsstab. Gleichzeitig sagt der Luzerner Kommunikationsberater Daniel Deicher: «Bei der Kommunikation ist diese Vorbereitung bei den Gemeinden hingegen sehr unterschiedlich, oft sogar ungenügend.» Viele hofften, dass ein PR-Berater im letzten Moment das Steuer noch herumreisse. «Das ist nicht optimal. Krisenkommunikation muss vorbereitet sein. Dabei können Spezialisten für Krisenkommunikation Gemeinden und Städten einfach und effizient helfen», fügt Deicher an.

Ein medialer Skandal ereignete sich Ende November 2012. Die «Weltwoche» erhob schwere Vorwürfe gegen den damaligen Zuger Stadtrat und Finanzvorsteher Ivo Romer. Er soll das Vertrauen einer betagten Dame ausgenützt und von ihr mehrere Millionen Franken abgezweigt haben. Der übrige Stadtrat wurde vom publizierten Artikel völlig überrumpelt und rang in den folgenden Tagen um Worte und mit Entscheidungen.

Der Amoklauf in Menznau, das Hochwasser in Emmen und der «Fall Ivo Romer» in der Stadt Zug haben eines gemeinsam: Sie zwangen alle zuständigen Gemeindeverantwortlichen zur Kommunikation. Die Krisenkommunikation sei vom Risiko-Typ abhängig, sagt dazu Daniel Deicher. Bei einem Naturereignis stelle sich die Frage nach den personellen und politischen Konsequenzen viel weniger. In diesem Fall sei Kommunikation einfacher, als wenn einer Person ein Fehlverhalten vorgeworfen würde.

Sowohl in Menznau als auch in Emmen und Zug wurde die Krisenkommunikation der betroffenen Gemeinden einer harten Prüfung unterzogen. Wie sind sie heute aufgestellt? Verfügen sie über externe PR-Berater?

Wenige PR-Berater auf Abruf

Die Krisenkommunikation ist in Zentralschweizer Gemeinden unterschiedlich geregelt. Weggis, Sursee und Zug setzen externe Kommunikationsberater ein, die Gemeinderäte von Hochdorf und Baar kommunizieren eigenhändig und verschiedene vor allem grössere Gemeinden und Städte verfügen über fest angestellte Kommunikationsbeauftragte.

Solche können sich kleinere Gemeinden nicht leisten. Sie sehen entweder eine interne Lösung innerhalb des Gemeinderats vor oder ziehen in Ausnahmefällen einen PR-Berater bei. Zum Beispiel WeggisDer externe Kommunikationsberater entlaste die Gemeindeverantwortlichen zeitlich und verfüge über eigene journalistische Erfahrungen, sagt Gemeindepräsident Kaspar Widmer.

«Der PR-Berater bringt eine Aussensicht in die oft komplexen Prozesse ein.»

Kaspar Widmer, Gemeindepräsident Weggis

Im Zusammenhang mit der kürzlichen Räumung der Häuser im Gebiet Horlaui, aber auch bei anderen Projekten, arbeitet die Gemeinde mit dem externen ortsansässigen Kommunikationsspezialisten zusammen. «Er bringt eine Aussensicht in die oft komplexen Prozesse ein und kann sich auf die Medienarbeit konzentrieren, ohne direkt im Geschehen an der Front dabei zu sein», begründet Widmer das Engagement. Der Berater unterstützt die Gemeinde bei der Erarbeitung von Medienmitteilungen und im Aufbau einer Kommunikationsstrategie.

So stellt sich auch Kommunikationsberater Deicher die optimale Lösung für eine kleine Gemeinde vor: «Es ist ganz wichtig, dass der beigezogene Kommunikationsberater mit der Gemeinde und den Personen vertraut ist und nicht erst in der Krise beigezogen wird.»

«Es ist ganz wichtig, dass der beigezogene Kommunikationsberater mit der Gemeinde vertraut ist.»

Daniel Deicher, Kommunikationsberater

Der Stadtrat von Sursee verfügt seinerseits über verschiedene Anlaufstellen in Kommunikationsfragen. Er führte in diesem Jahr zusätzlich einen Workshop zu erfolgreicher Kommunikation mit einem Berater der Luzerner Journalistenschule MAZ durch. Stadtpräsident Beat Leu begründet dieses Vorgehen damit, dass «die Kommunikation in der heutigen Zeit komplexer und schneller geworden ist. Besonders auch an Behördenmitglieder werden höhere Anforderungen gestellt.»

Persönliche Kommunikation sei authentischer

Keinen Bedarf für einen PR-Berater haben die Gemeindepräsidenten von Hochdorf, Peter Huber, und Baar, Andreas Hotz. Sie vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Wie Hochdorf kommuniziere, sei in einem Konzept festgehalten, sagt Peter Huber. Er fügt an: «Bis jetzt konnten wir die Kommunikationsaufgaben im Rahmen des Gemeinderates lösen.»

Auf einen PR-Berater greift der Hochdorfer Gemeindepräsident nicht zurück. Huber nennt dafür einen weiteren Grund, der für den eingeschlagenen Kommunikationsweg spricht: «Die persönliche Kommunikation ist authentisch und kommt beim Bürger an, auch wenn sie sich nicht immer geschliffen präsentiert.»

Keinen fixen Berater oder Kommunikationsbeauftragten hat auch die Zuger Gemeinde Baar. «Die Krisenkommunikation ist bei uns Sache des Gemeinderates und des Gemeindeschreibers», sagt Präsident Andreas Hotz. Diese beiden würden sich aber regelmässig über die Kommunikation austauschen. Der Gemeinderat ist derzeit der Meinung, dass ein Berater «nicht notwendig» sei.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, weshalb die Stadt Zug in «Fall Ivo Romer» trotz eigener Kommunikationsabteilung zwei Spezialisten engagierte.

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