Eine Möglichkeit, momentan ins Hotel Château Gütsch zu kommen: die Stretchlimousine eines Limousinen-Services. Sie gehört nicht dem Hotel. (Bild: mbe.)
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Eine Möglichkeit, momentan ins Hotel Château Gütsch zu kommen: die Stretchlimousine eines Limousinen-Services. Sie gehört nicht dem Hotel. (Bild: mbe.)

Hotelbesitzer über Verzögerung «not amused»

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Das Hotel Château Gütsch wünscht sich höhere Frequenzen. Ein möglicher Grund für die ausbleibenden Gäste: Die Gütschbahn steht weiterhin still. Der städtische Beitrag von 1,73 Millionen Franken an die Wiederherstellung der Bahn ist durch ein Referendum wieder in Frage gestellt. Die Vertreter des russischen Besitzers machen «kleinliche Interessen einiger Lokalpolitiker» dafür verantwortlich.

Die Besitzer sind erfreut, dass das wieder eröffnete Schlosshotel von den Gästen so positiv bewertet wird. «Wir haben 9,2 Punkte auf der Buchungsplattform Booking.com, da steckt viel Arbeit dahinter», sagt Matthew Cooke, Verwaltungsratspräsident der Château Gütsch Immobilien AG, am Rande eines Meetings zu zentral+. Einzig der Wifi-Empfang lässt noch zu wünschen übrig im über 100-jährigen Gemäuer. Cooke und Verwaltungsrat Michael Millership, die normalerweise in London sitzen, waren gestern in Luzern. Sie kümmerten sich um diese und weitere Fragen.

Besitzer warten ab, wie Referendum ausgeht

Weitaus grössere Konsequenzen als ein spinnendes Wifi hat die fehlende Anbindung an den öffentlichen Verkehr. «Wir sind ein wenig frustriert, dass nicht die grosse Masse zu uns kommt», sagt Millership. Ein Grund sei, dass die Gütschbahn immer noch nicht in Betrieb ist. Momentan kommt man einzig zu Fuss, mit dem Auto oder mit dem Taxi auf den Gütsch.
Die Besitzer und der Stadtrat hatten sich auf eine Lösung geeinigt, das Parlament genehmigte im Juni den städtischen Beitrag von 1,73 Millionen Franken. Doch FDP und CVP haben ein Referendum angekündigt.   Michael Milllership bedauert dies. «Durch die kleinlichen Interessen einiger Lokalpolitiker, die sich profilieren wollen, verzögert sich der Bau weiter.» Bevor der städtische Beitrag nicht klar ist, wollen die Hotelbesitzer die ihnen gehörende Bahn nicht fertig bauen.

Das Referendum kommt mit grösster Wahrscheinlichkeit zustande: «Einen Teil der nötigen 800 Unterschriften haben wir schon eingereicht», sagt FDP-Präsident Daniel Wettstein. FDP und CVP sammelten bisher rund 900 Unterschriften. Je weiter weg vom Gütsch, desto eher unterschrieben die Leute. «Im Würzenbachquartier unterschrieb jeder Zweite», erklärt Wettstein. Am 3. September läuft die Referendumsfrist ab. CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach sagt dazu: «Das ist ein sehr gutes Ergebnis.» Die CVP habe während den Sommerferien an FCL-Matches, an Apéros des Wirtschaftsverbands, auf der Strasse und in den Quartieren gesammelt.

Dass die Besitzer keine Freude haben am Referendum, stört Schwarzenbach nicht. «Unser Auftrag ist, mit den Steuergeldern haushälterisch umzugehen. Im Herbst kommen die nächsten grossen Sparpakete. Den städtischen Beitrag von 1,73 Millionen Franken an die Gütschbahn verstehen viele Leute nicht. Deshalb soll die Bevölkerung jetzt darüber entscheiden.»

Untypisches Referendum?

Ist das Referendum nicht ziemlich wirtschaftsfeindlich, fragte zentral+ FDP-Präsident Daniel Wettstein. Zumal der Unterschriftenbogen den Untertitel «Kein Millionen-Geschenk für den Milliardär!» trägt. Also recht untypisch für FDP und CVP. «Nein, das sehe ich nicht so», sagt Wettstein. «Die Hotelbesitzer hätten schon früher den Tatbeweis erbringen können, dass sie ihre Versprechen einhalten. Stattdessen haben sie den Bau der Gütschbahn gestoppt und das Häuschen bei der Talstation abgerissen.» Es gebe trotz des städtischen Beitrags keine Garantie, dass die Bahn in zwei Jahren noch von den Besitzern weiter betrieben werde.

Von der Bahn profitierten in erster Linie das Hotel und das Restaurant. Die Stadt wolle jedoch mehr als die Hälfte der erforderlichen Mittel aufbringen. «Am Anfang war von 400'000 Franken die Rede», sagt Wettstein.

Kaum die gleichen Frequenzen wie früher

Der FDP-Präsident findet Nostalgie ausserdem fehl am Platz. Vor 20 bis 30 Jahren habe die Bahn noch 63'000 Fahrten im Jahr verzeichnet, davon 8000 fürs Hotel. Inzwischen habe sich das Mobiliätsverhalten geändert. «Hotelgäste, die mit dem Flugzeug in Kloten gelandet sind, werden sicher nicht das Bähnli benutzen, sondern ein Taxi nehmen.» Er bezweifle, dass die Bahn ähnliche Frequenzen haben werde.

Die SP hat dem städtischen Beitrag an die Gütsch-Bahn im Grossen Stadtrat zugestimmt. «Es ist natürlich das Recht von FDP und CVP, das Referendum zu ergreifen», sagt SP-Vizepräsident Simon Roth. Er sehe den Punkt des Referendums aber nicht ganz: «Andere Lösungen als das Bähnli für die Verkehrserschliessung des Gütschgebiets zu verlangen, finden wir ein wenig naiv. Ein Bus ist sicher nicht günstiger als das Bähnli. Wir finden, dass man mit dem städtischen Beitrag an die Bahn eine gute Lösung gefunden hat.»

Wie die Stadtluzerner darüber denken, entscheidet sich noch in diesem Jahr. Die Abstimmung über das Referendum findet gemäss FDP-Präsident Daniel Wettstein im November statt.

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