Glaubt nicht, dass mit der Ablehnung des Stadttunnels alle finanziellen Probleme gelöst seien: Heinz Tännler. (Bild: fam)
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Glaubt nicht, dass mit der Ablehnung des Stadttunnels alle finanziellen Probleme gelöst seien: Heinz Tännler. (Bild: fam)

«In der Exekutive muss man im Team arbeiten»

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Er bringt den Stadttunnel voran und das neue Verwaltungszentrum: Wie geht es weiter in Zug, wenn Heinz Tännler wieder gewählt wird? In unserem dritten Regierungsrats-Interview sagt uns der SVP-Baudirektor, worauf sich die Zuger gefasst machen müssen, und weshalb er Landammann werden will.

zentral+: Was ist Ihre persönliche Motivation, um nochmals als Regierungsrat zu kandidieren?

Heinz Tännler: Im Regierungsrat kann ich mich sehr direkt für meinen Kanton einsetzen. Das ist eine höchst erfüllende Aufgabe, die mir grosse Freude bereitet. Zudem ist das Aufgabenfeld der Baudirektion ausgesprochen breit und spannend. Wir kümmern uns nicht nur um den Bau und Unterhalt von öffentlichen Infrastrukturen. Zu unseren Verantwortlichkeiten zählen auch die Raumplanung, das Energiewesen und die Umweltbelange. In den vergangenen Jahren hatten wir zudem das Glück, dass wir dank der guten Finanzlage viele der geplanten Vorhaben realisieren konnten. 

zentral+: Jetzt kommen aber die harten Jahre. Zug muss sparen. Bleibt es attraktiv?

Tännler: Zug bleibt attraktiv. Daran ändern auch Sparmassnahmen nichts. Wir sind ja nicht die einzigen, die den Gürtel künftig etwas enger schnallen müssen. Entscheidend ist, dass wir die verschiedenen Standortvorteile nicht aufs Spiel setzen. Das heisst, wir müssen das Wünschbare vom Notwendigen trennen.

zentral+: Können Sie rückblickend auf die beiden Legislaturen ein Geschäft nennen, das Ihnen besonders gut gelungen ist, und eines, das schief ging?

Tännler: Ich darf sagen, dass die Projekte der Baudirektion in den letzten Jahren regelmässig die politischen Hürden genommen haben. Sei es beim Regierungsrat, beim Kantonsrat und nicht zuletzt bei Volksabstimmungen. Gerade die Erfolge an der Urne geben mir die Bestätigung, dass unsere Arbeit den Bedürfnissen der Öffentlichkeit entspricht.

Wer ist Heinz Tännler?

Heinz Tännler hat 1991 sein Anwaltspatent erhalten und war bis 2003 Rechtsanwalt und Notar in Zug. Darauf wurde er von der FIFA zum Direktor der Rechtsabteilung berufen. Seit 2007 ist er SVP-Regierungsrat und Baudirektor im Kanton Zug. Zwischen 1994 und 2003 war er als Kantonsrat tätig. Tännler ist verheiratet und hat drei Kinder.

Was hätte man anders oder besser machen können? Ein Vorhaben, das etwas stockt, ist – «nomen est omen» – die Anlage der Deponie Stockeri in Risch. Solche Vorhaben, die private Interessen tangieren, sind jedoch selten problemlos zu realisieren. Deshalb werden wir auch in diesem Fall versuchen, zusammen mit den Direktbetroffenen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Dieses kooperative Vorgehen hat sich immer wieder bewährt.

zentral+: 2015 sind National- und Ständeratswahlen. Wollen Sie in den National- oder in den Ständerat?

Tännler: Nationalrat war nie ein Thema. Dafür sind die Gestaltungsmöglichkeiten eines Regierungsrats, zumal in einem Kanton wie Zug, einfach zu attraktiv. Ebensowenig beschäftigt mich derzeit ein Wechsel in den Ständerat. Was im Moment zählt, das sind die Regierungsratswahlen. 

zentral+: Das neue Verwaltungsgebäude und der Stadttunnel sind zwei grosse Projekte, die anstehen. Sähen sie es als persönliche Niederlage, falls eines der beiden scheitern würde?

Tännler: Nein. Das wären keine persönlichen Niederlagen. Zum einen muss man demokratische Entscheide respektieren. Und zum anderen zeigt sich gerade bei solchen langfristigen Vorhaben, dass sich die Anforderungen im Laufe der Zeit verändern können. Dann muss die Situation neu beurteilt werden. Nehmen wir den Stadttunnel: Das ist ein hervorragendes Projekt, das wir mit der Bevölkerung zusammen erarbeitet haben und das heute breit getragen wird. Nun ist es an den Stimmberechtigten des Kantons, über dieses Generationenprojekt zu befinden.

zentral+: Wenn Sie aus Kostengründen ein Projekt sistieren müssten, welches wäre es?

Tännler: Da möchte ich zurückhaltend sein. Falsch fände ich es, ein Projekt im Bildungsbereich zurückzunehmen. Bei der Schule können wir nicht einfach sagen, wir bauen sie nicht. Über das neue Verwaltungszentrum kann man dagegen diskutieren. Wir haben zwar Platzbedarf, aber die Organisation funktioniert. Und die finanziellen Herausforderungen sind nun mal ein Faktum. Deshalb muss man sowohl das Verwaltungszentrum als auch alle anderen Vorhaben kritisch unter die Lupe nehmen. Im einen oder anderen Fall wird man zum Schluss kommen, das Projekt zu etappieren oder zeitlich aufschieben. Es wäre allerdings falsch zu glauben, dass mit einer Ablehnung des Stadttunnels alle finanziellen Probleme gelöst wären.

zentral+: Also muss der Kanton ja doch Prioritäten setzen? 

Tännler: Darum müssen wir eben jetzt anfangen, die Hausaufgaben zu machen, indem wir pro Jahr 80 bis 100 Millionen einsparen. In zehn Jahren wissen wir nicht, wie es auf der Einnahmenseite aussieht. Es war aber immer so, dass es magere und fette Jahre gab. Man darf nicht nur aus Sicht von heute Projekte abklemmen. 

zentral+: Sie waren Einzelrichter im Schweizer Eishockeyverband und Direktor der Rechtsabteilung beim Fussballverband FIFA. Wieso haben Sie die Karriere als Sportjurist aufgegeben?

Tännler: Das Einzelrichteramt war ein Mandat in meinem Anwaltsbüro. Das war dann auch das Sprungbrett in die FIFA. Dort war ich vier Jahre lang. Mitentscheidend für den Wechsel war das häufige Reisen. Das war war sehr anstrengend und auf die Länge nicht mein Ziel.

zentral+: Sie wechselten zur Politik. Was konnten Sie aus Ihrer vorherigen Tätigkeit bei der FIFA mitnehmen?

Tännler: Sicher die Führungs- und Teamfähigkeit. Dazu kommt die Weltoffenheit, die es in der FIFA braucht.

zentral+: Warum fehlt es an Teamfähigkeit in der Politik? Wegen dem Parteidenken?

Tännler: Es gibt verschiedene Gründe. In der Exekutive muss man in einem Team arbeiten und das können nicht alle. Einige wollen nicht, andere sind Parteimuffel. Aber ich spreche jetzt nicht von unserem Regierungsrat.

zentral+: Wenn Sie wiedergewählt werden, worauf müssen sich die Zuger gefasst machen?

Tännler: Derzeit laufen viele Projekte, die ich als Baudirektor zum Abschluss zu bringen hätte. Sollte zudem die Wahl zum Landammann gelingen, würde ich mich intensiv für Änderungen beim nationalen Finanzausgleich einsetzen. Die übermässige Belastung der ressourcenstarken Kantone schwächt die Wachstumslokomotiven im internationalen Wettbewerb und schadet damit der Gesamtwirtschaft der Schweiz. Deshalb braucht es jetzt frische Impulse, um die blockierte Diskussion für ein faires Ausgleichssystem neu zu beleben.

zentral+: Die NFA-Abgaben fallen in das Gebiet des Finanzdirektors, findet Herr Hegglin das gut, wenn Sie sich einmischen?
 
Tännler: Da geht es nicht ums Einmischen, sondern ums Unterstützen. Ich finde es auch gut, wenn man mich unterstützt. Im Übrigen ist das ein Thema, das den ganzen Regierungsrat beschäftigt. Wir sind ein Kollegium, da soll man sich gegenseitig helfen.

zentral+: Wenn Ständerat nun 2015 doch ein Thema wird. Könnten sie denn Ihre grossen Projekte loslassen? Kann das jemand anderes auch?

Tännler: Natürlich könnte auch eine andere Person die Aufgaben übernehmen, keine Frage. Aber wie gesagt: Im Moment geht es um die Regierungsratswahlen. Und diesen will ich mich mit all meinen Kräften stellen. 

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