Wie wird sich dieses Bild verändern? Eine neue Kandidatin der SP, ein Kandidat der CVP und ein Pirat wollen in den Regierungsrat. (Bild: zvg Kanton Zug)
Politik Wahlen

Wie wird sich dieses Bild verändern? Eine neue Kandidatin der SP, ein Kandidat der CVP und ein Pirat wollen in den Regierungsrat. (Bild: zvg Kanton Zug)

7min Lesezeit

Jetzt kann sich in Zug niemand mehr als Kandidat oder Kandidatin für die Gesamterneuerungwahlen am 5. Oktober anmelden. Die Anmeldefrist ist abgelaufen, die Listen für den Regierungsrat und für den Zuger Stadtrat liegen vor. Die Piratenpartei will in die Exekutive einziehen und laut SP braucht die Kantonsregierung eine zweite Frau. In der Stadt Zug läuft ein Rennen um den einzigen, freien Sitz.

Regierungsrat, Kantonsrat, Gemeinde- und Stadtrat. Die Parteien mussten bis Montagabend alle ihre Wahlvorschläge für die Gesamterneuerungswahlen vom 5. Oktober einreichen. Weil die Listen aber wegen des Bereinigungsverfahrens noch provisorisch sind (siehe Box), geben nicht alle Gemeinden die Kandidaturen bekannt. Der Kanton Zug informiert jedoch über die Kandidierenden für den Zuger Regierungsrat. Und auch die Stadt Zug gibt die Liste für die Wahl des Stadtrates bekannt. zentral+ stellt sie in einem Überblick vor.

Regierungsrat: Sieben Bisherige, drei neue Herausforderer

Wie bereits seit Längerem bekannt ist, treten alle bisherigen sieben Regierungsräte am 5. Oktober zur Wiederwahl an. Verschiedene Umfragen bei Politikern zeigen, dass ihnen eine grosse Chance auf eine Wiederwahl zugerechnet wird. Sicher sei aber nichts, sagen die bisherigen Regierungsmitglieder. Finanzdirektor Peter Hegglin erklärte kürzlich im Interview gegenüber zentral+: «Ich sage nie vor der Wahl, dass ich mir sicher bin. Zuerst muss ausgezählt werden.»

Kandidierende für Regierungsrat (bisher)

Manuela Weichelt-Picard Direktion des Innern Alternative-Die Grüne
Stephan Schleiss  Direktion für Bildung und Kultur SVP
Matthias Michel Volkswirtschaftsdirektion FDP
Heinz Tännler Baudirektion SVP
Beat Villiger Sicherheitsdirektion CVP
Urs Hürlimann Gesundheitsdirektion FDP
Peter Hegglin Finanzdirektion CVP

Die SP will zurück in die Exekutive

Neben den bisherigen Kandidierenden, stellen die CVP, die SP und die Piratenpartei einen Kandidaten – beziehungsweise eine Kandidatin – zur Wahl auf. Die CVP geht mit Martin Pfister ins Rennen. Pfister ist seit 2012 Parteipräsident der CVP im Kanton Zug, seit 2006 ist er im Kantonsrat für Baar. Pfister ist Primarlehrer und Historiker und seit 2010 geschäftsführender Partner der Pfister Frei Partner GmbH Zug. Die Firma ist tätig im Verbandsmanagement sowie in der Betreuung von Beratungsdossiers für Non-Profit Organisationen.

Letzte Chance für Korrekturen

Wie die Zuger Gemeinden und der Kanton Zug auf Anfrage mitteilen, besteht gemäss Wahlgesetz bis zum 6. August eine Bereinigungsmöglichkeit. In der Gemeinde Risch beispielsweise liegen die Listen bis am 30. Juli zur Einsicht in der Gemeindekanzlei auf. Wie der stellvertretende Gemeindeschreiber, Peter Stöckli mitteilt, «können bis zu diesem Zeitpunkt Mängel der Wahlvorschläge geltend gemacht werden.»

Am 6. August sollen alle Mängel behoben sein. Wie die Gemeinde Risch mitteilt, könnten solche Mängel simple Tippfehler auf den Listen oder Formfehler sein. Es sei aber theoretisch auch möglich, dass eine Person auf einer Liste aufgeführt wird, die gar nicht wählbar ist, zum Beispiel weil er kein Schweizer Bürger ist. Meistens würden aber keine Bereinigungen beantragt. Die Listen würden von der jeweiligen Gemeindekanzlei eingehend kontrolliert.

Die definitiven Listen werden im Zuger Amtsblatt veröffentlicht. Das gleiche gilt für den Kantonsrat, wie die Medienverantwortliche des Kantons Zug, Marilena Amato Mengis, auf Anfrage mitteilt: «Die Kandidaten für den Kantonsrat werden im Zuger Amtsblatt vom 15. August bekannt gegeben. Von den Wahlvorschlägen der Kandidierenden für die Kantonsratswahlen liefert die Staatskanzlei aus logistischen Gründen keine provisorischen Zusammenstellungen.»

Warum die CVP mit einer Dreierkandidatur ins Rennen geht (siehe «CVP krönt Dreiergespann»), erklärt der Wahlkampfleiter der Partei, Nationalrat Gerhard Pfister, folgendermassen: «‹Wählen› heisst auch ‹auswählen›. Wenn alle Parteien, die im Regierungsrat vertreten sind, nur mit ihren bisherigen Amtsinhabern kommen, hat das Zuger Volk unter Umständen keine richtige Auswahl.» Wenn jemand einen bürgerlichen Regierungsrat nicht mehr wählen möchte, gäbe es keine Alternative, wenn er keinen linken Kandidaten unterstützen wolle, so Pfister.

Die SP schickt neu Christina Bürgi Dellsperger ins Rennen. 2006 bis 2008 war Bürgi Dellsperger Kantonsrätin für die Stadt Zug. Sie ist 54 Jahre alt, Historikerin und lebt in Risch. Sie arbeitet beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, im Bereich Finanzen der Aussenpolitik. Die SP setzt sich mit ihrer Kandidatur auch das Ziel, den Frauenanteil in der Exekutive zu erhöhen. Die SP verlor ihren Sitz in der Exekutive bei den Wahlen 2006. Zuvor war Brigitte Profos von 2001 bis 2006 Vorsteherin der Direktion des Innern.

Bei den diesjährigen Wahlen neu mit dabei ist die Piratenpartei. Die in der Zentralschweiz regional organisierte Partei schickt Stefan Thöni aus Steinhausen ins Rennen. Damit kandidieren die Piraten zum ersten Mal für ein Amt im Kanton Zug. Der 28-Jährige kämpft ebenfalls für einen Sitz im Kantonsrat.

Stadtrat Zug: Der Kampf zwischen Bürgerlich und Links

Im Zuger Stadtrat wird auf nächstes Jahr ein Sitz frei. Der Stadtrat der CSP, Andreas Bossard (zentral+ berichtete), tritt zurück. Derweil dreht sich alles um zwei zentrale Fragen: Wer holt den freien Sitz? Und wie sieht die Sitzverteilung nach den Wahlen aus. Denn seit den letzten Wahlen regiert in Zug eine linke Mehrheit, die bürgerlichen Parteien wollen das an den diesjährigen Wahlen aber wieder ändern (zentral+ berichtete) und das Zepter in der Stadt Zug wieder in die Hand nehmen können. Beim Zuger Stadtrat kann die Ausgangslage der Bisherigen ähnlich eingeschätzt werden wie beim Regierungsrat. In beiden Exekutiven stehen ihre Chancen gut. Überraschungen sind aber keinesfalls ausgeschlossen.

Kandidierende Stadtrat (bisher)

Dolfi Müller Stadtpräsident SP
Karl Kobelt Vorsteher Finanzdepartement FDP
Vroni Straub-Müller Vorsteherin Bildungsdepartement CSP
André Wicki Vorsteher Baudepartement SVP

Vier Kandidaten und zwei Kandidatinnen (siehe «Wer holt sich den freien Sitz?») stellen sich am 5. Oktober neu zur Wahl. Für die CVP steht Urs Raschle auf der Liste. Raschle ist Kantonsrat für die Stadt Zug. Die CVP will wieder einen Sitz in der Stadtzuger Exekutive holen, nachdem sie diesen bei den letzten Wahlen verloren hatte. Auch die bürgerlichen Parteien FDP und SVP stellen neue Kandidaten auf. Für die FDP kandidiert Stefan Moos. Er präsidiert den Grossen Gemeinderat (GGR) der Stadt Zug. Wie die Liberalen tritt auch die SVP mit einem zusätzlichen Kandidaten zum Bisherigen an: Jürg Messmer ist GGR-Mitglied und Kantonsrat für die Stadt Zug. Ausserdem will die SVP das Stadtpräsidium übernehmen. Der Vorsteher des Baudepartements, André Wicki, fordert den amtierenden Stadtpräsidenten Dolfi Müller heraus.

Für die SP kandidiert neben Dolfi Müller neu Urs Bertschi, der Mitglied im GGR ist. Neben den vier Kandidaten wollen auch zwei Frauen den Sitz im Stadtrat holen. Es sind dies Michèle Kottelat von der glp, derzeit Mitglied im Grossen Gemeinderat, und Jolanda Spiess-Hegglin von der Alternative-Die Grünen. 

Im Zuger Wahlkampf gibt dieses Jahr besonders das Wahlsystem zu reden. Dass der Stadtrat zum ersten Mal im Majorzsystem gewählt wird, bildet eine spannende Ausgangslage. Was die Personenwahl für die Zusammensetzung des Stadtrats bedeuten könnte, ist schwer einzuschätzen. Im Kantonsrat ist der doppelte Pukelsheim (zentral+ berichtete) dieses Jahr ein Unsicherheitsfaktor. Besonders die grösseren Parteien wie die CVP befürchten, dass es zu Sitzverlusten kommen könnte.

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