Zwei Züge kreuzen sich bei der Haltestelle in Oberwil.  (Bild: Carlo Schuler)
Politik Verkehr

Zwei Züge kreuzen sich bei der Haltestelle in Oberwil. (Bild: Carlo Schuler)

In Zug steht bald eine wichtige Weichenstellung an

5min Lesezeit 2 Kommentare

Ab 2016 wollen die SBB bei Walchwil eine neue Doppelspurinsel bauen und die Bahnstrecke am Zugersee-Ostufer für zwei Jahre sperren. Das geplante Projekt erhitzt im Kanton Zug die Gemüter. zentral+ liefert an dieser Stelle einen Überblick zum Thema. Denn noch vor den Sommerferien soll der Kantonsrat über die Anpassung des Richtplanes entscheiden, die für das zweite Gleis nötig ist. 

Carlo Schuler

In einem Internetforum wird die SBB-Strecke auf der Ostseite des Zugersees auch schon mal als eine der schönsten Bahnstrecken der Schweiz bezeichnet. In der Tat: Eine Fahrt von Arth-Goldau über Walchwil nach Zug ist reizvoll: Da sind die sonnigen und steilen Abhänge des Rufibergs, die lichten Laubwälder zwischen Walchwil und Oberwil, der fjordartige Rücken des Chiemens auf der anderen Seeseite, der weite Blick zum Lindenberg von Oberwil aus. Zudem sind Teilstrecken der unterhalb des bestehenden Trassees der SBB durchführenden Zuger Kantonsstrasse im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz als Objekte von nationaler Bedeutung aufgeführt. Klar ist: Jeder Eingriff ins Landschaftsbild in diesem sensiblen Gebiet ist heikel.

Und ein solcher Eingriff ist geplant: Ein 1,7 Kilometer langes und rund 100 Millionen Franken teures Stück Doppelspur im Norden von Walchwil soll gemäss den SBB helfen, den Fahrplan zu stabilisieren und die Kapazitäten auf dieser Zufahrtsstrecke zum Gotthard zu erhöhen. Damit soll im Nord-Süd-Fernverkehr der Halbstundentakt ermöglicht werden, ohne dass der Regionalverkehr eingeschränkt wird. Für den vorgesehenen Ausbau ist eine Änderung des entsprechenden Eintrages im Zuger kantonalen Richtplan nötig.

Steckensperrung während zwei Jahren

Die Nervosität rund um dieses Geschäft ist spürbar. So verweisen die SBB für detailliertere Anfragen auf die Zeit nach der Richtplandebatte. Im Falle von «Zugersee-Ost» kommt eben einiges zusammen: Fahrplankonzepte, Landschaftsschutz, Anliegen von Bahnpassagieren und Anwohnern. Und nicht zuletzt geht es auch um viel Geld. Weil die SBB den Streckenabschnitt auf der Ostseite des Zugersees gleichzeitig auch noch sanieren wollen, ist mit Gesamtkosten von rund 200 Millionen Franken zu rechnen.

Die SBB planen, während der Bauzeit ab Ende 2016 den Abschnitt Zug – Arth-Goldau für zwei Jahre zu sperren. Während dieser Zeit sollen die Züge über Rotkreuz umgeleitet werden. Dies hätte zur Folge, dass sich die Fahrzeit von Zürich ins Tessin um rund 15 bis 20 Minuten verlängern würde. Der Zeitgewinn von 40 Minuten, den die Eröffnung des  Neat-Tunnels am Gotthard zur Folge hat, würde damit während zwei Jahren gleich wieder um fast die Hälfte reduziert.

Der Umweg über Rotkreuz beschäftigte im März auch das Zürcher Kantonsparlament. Im Zürcher Kantonsrat wurde ein Postulat für dringlich erklärt, welches im Raum Rotkreuz den Bau einer Spange fordert. Damit könnten die Züge von Cham her direkt in Richtung Immensee fahren, die Spitzkehre bei Rotkreuz würde entfallen. Die Zürcher Regierung teilte in ihrer Stellungnahme mit, dass sie die von den SBB gewählten Massnahmen für nachvollziehbar halte. Die SBB selber  machen vor allem fahrplantechnische Überlegungen gegen den Bau einer Spange geltend.

Probebohrungen durchgeführt

Die Bundesbahnen setzen in ihrer Planung ganz auf die Karte «Doppelspurinsel Walchwil». Vor einigen Wochen waren in dem für den Ausbau vorgesehenen Gebiet bereits Arbeiter mit Probebohrungen beschäftigt. Dies bestätigte Anfang März SBB-Mediensprecherin Lea Meyer: «Wir führen unsere Planungen fort und untersuchen momentan im Gleisbereich den geologischen Untergrund.»

Dabei ist der Bau der Doppelspurinsel Walchwil umstritten. Eine Gruppierung um die beiden Kantonsräte Martin Stuber (Alternative-die Grünen) und Philip C. Brunner (SVP) möchte die geplante Ausweichstelle weiter nördlich, im Gebiet Murpfli, bauen. Das Murpfli liegt auf halbem Weg zwischen dem  Bahnhof Walchwil und der Haltestelle Oberwil. Die Gruppierung schlägt zudem vor, in Zug ein neues Stumpengeleise zu bauen und die S2 künftig in Zug enden zu lassen. Mit der Variante Murpfli könne die S2 ohne Zusatzkompositionen neu halbstündlich bis Arth-Goldau verkehren.

Ein deutlich weniger teures Alternativprojekt

Der Alternativvorschlag der Gruppe um Stuber und Brunner käme je nach Variante zwischen 20 bis 50 Millionen Franken günstiger zu stehen als der SBB-Vorschlag. Zudem liesse sich nach Angaben der Promotoren die Streckensperre zeitlich auf ein Minimum beschränken. Martin Stuber fordert, dass eine unabhängige Expertise in Auftrag gegeben wird, um einen echten Variantenvergleich anstellen zu können. Als Mitglied der kantonsrätlichen Kommission öffentlicher Verkehr fordert er zudem Einsicht in eine Studie der Volkswirtschaftsdirektion, welche sich mit dem Ausbau der S2 nach Baar befasst.

Die Zuger Regierung macht sich zusammen mit den SBB für die Doppelspur bei Walchwil stark. Die Doppelspurinsel Walchwil liege strategisch am einzig richtigen Ort, schreibt die Exekutive in ihrem Bericht zur Kantonsratsvorlage. Und sie verweist auch auf die finanziellen Auswirkungen: Die Kosten für die Doppelspurinsel Walchwil würden vom Bund getragen, diejenigen für die Kreuzungsstation Murpfli hingegen hätte der Kanton Zug zu übernehmen.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Politik