Ein Luftbild der Situation heute. Die Brandlücke, wo jetzt Bauprofile stehen, besteht seit 1999. (Bild:zvg) (Bild: zvg)
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Ein Luftbild der Situation heute. Die Brandlücke, wo jetzt Bauprofile stehen, besteht seit 1999. (Bild:zvg) (Bild: zvg)

Ein neues «Haus für junge Menschen»

5min Lesezeit

Studentenwohnungen, ein Bistro, Veloabstellplätze und ein romantischer Innenhof: Der Zuger Stadtrat will dem Kolinplatz in der Altstadt neues Leben einhauchen. Eine Woche vor den kantonalen Wahlen im Oktober soll das Volk über den 12-Millionen-Kredit abstimmen. Mit Wahlkampf habe dieser Termin gar nichts zu tun, sagt der Stadtrat.

An die Brandlücke am Kolinplatz müssten sich die Stadtzuger mittlerweile gewöhnt haben. Seit das Gebäude im Jahr 1999 bis auf den Sockel abbrannte, klafft ein Loch im «Kolingeviert». Diesen Namen trägt die Häusergruppe bestehend aus Kolinplatz 19 und 21 sowie Kirchenstrasse 3 und 5. Jetzt aber soll dieser Teil der Altstadt nach über 15 Jahren einen neuen Anstrich bekommen. Der Stadtrat unterbreitet dem Grossen Gemeinderat (GGR) einen Gesamtkredit über insgesamt 12'178'300 Franken.

Im Zentrum steht das Gebäude am Kolinplatz 21, dessen Erdgeschoss zurzeit als «Kolin21» zwischengenutzt wird (zentral+ berichtete). Die Pläne der Stadt sind vielversprechend: Ein Bistro soll die Zwischennutzung ablösen, im Innenhof sollen die Gäste im Grünen sitzen. Denkbar sind laut Stadtrat «Kombinationen wie eine Bäckerei mit Café oder ein Spezialitätengeschäft mit Bistro.» Der Innenhof soll zu einer Begegnungszone umgestaltet werden und ausgerüstet mit 30 neuen Veloabstellplätzen zum Verweilen einladen.

Elf Studierende an den Kolinplatz

Die Pläne für das Obergeschoss dieses Hauses dürften vor allem die Zuger Jugend freuen. Die Stadt plant preisgünstige Wohnungen für junge Menschen in Ausbildung. Das «Haus für junge Menschen», wie der Stadtrat den Wiederaufbau der Brandruine auch nennt, soll elf Personen ein Zuhause bieten. Vorgesehen sind eine Fünfer- und eine Sechserwohngemeinschaft, deren Zimmer zwischen 500 und 900 Franken kosten sollen.

Mehr als elf Studierende oder Personen in Ausbildung werden jedoch im neuen Kolingeviert kaum einziehen. Die Liegenschaften an der Kirchenstrasse 3 und 5 sowie diejenige am Kolinplatz 19, sollen gleichzeitig mit dem Neubau am Kolinplatz 21 saniert werden. Die neuen 2- bis 3.5-Zimmerwohnungen will die Stadt zu marktüblichen Preisen vermieten. Die Nettomietzinse an der Kirchenstrasse würden zwischen 2'000 und 3'000 Franken pro Monat betragen. Auf ähnlichem Preisniveau würden sich auch die Wohnungen im Haus am Kolinplatz 19 bewegen.

Dazu sagt der Finanzvorsteher Karl Kobelt: «Der Stadtrat will im Kolingeviert einen Mix, das heisst sowohl publikumsattraktive Erdgeschossnutzungen, marktkonforme Wohnungen, als auch preisgünstigen Wohnungsbau.» Es sei nie das Ziel gewesen, nur das eine oder nur das andere anzubieten. Dennoch erwartet er, dass gerade das Thema der Nutzung im GGR noch für Diskussionen sorgen könnte.

Teuer oder günstig? Nutzung könnte für Diskussion sorgen

In Bezug auf die Kosten von rund 12 Millionen Franken rechnet er nicht mit Widerstand: «Ich erwarte zwar eine lebendige Diskussion, das Projekt bietet aber so viele Vorzüge, dass es durchkommen wird», ist er überzeugt. Kobelt bezeichnet das Vorhaben als ein Projekt mit Weitblick, das in der Investitionsplanung für die nächsten Jahre vorgesehen sei und der Stadtzuger Bevölkerung auch viel zurückbringen werde.

Die Stadt erhofft sich mit einem Wohnungs-Mix, Gastronomie, einem Aussenplatz und Ladenflächen eine Aufwertung und Belebung des Quartiers. Auf die Frage, ob das vom Stadtrat präsentierte Projekt Symbolcharakter für die Entwicklung der gesamten Zuger Altstadt haben soll, sagt Bauvorsteher André Wicki: «Das Kolingeviert kann lediglich für einen Teil der Altstadt stehen. Exemplarisch für eine gewünschte Entwicklung der Altstadt ist das Geviert insofern, als auf kleinem Raum eine vielfältige Nutzungsdurchmischung geplant ist.» Die Altstadt lebe genau von dieser Mischung aus Arbeit, Wohnen, Freizeit und Einkauf. «In dem Sinne wird nichts neu erfunden, sondern einfach ein jahrhundertealtes, bewährtes Konzept wiederbelebt.

Möglichst schnell vors Volk bringen

Eine Woche vor den kantonalen Wahlen vom 5. Oktober soll das Zuger Stimmvolk darüber abstimmen. Doch weshalb so kurz vor den Wahlen? Auf die Anfrage von zentral+, welche Überlegungen beim Stadtrat zu diesem Termin geführt hätten, sagt Finanzvorsteher Karl Kobelt: «Nachdem der GGR darüber befunden hat, möchte der Stadtrat den Vorschlag möglichst schnell dem Volk unterbreiten. Das steht nicht im Zusammenhang mit den Wahlen. Der Stadtrat signalisiert mit seinem Terminplan einzig, dass er vorwärts machen will.»

Bauvorsteher André Wicki sagt: «Einerseits ergibt sich der Termin durch den klaren Ablauf für den politischen Prozess, sprich Bau- und Planungskommission, Geschäftsprüfungskommission und natürlich im GGR. Andererseits schauen wir, dass wir Abstimmungen soweit als möglich zusammenlegen können. Beim 28. September 2014 handelt es sich um einen eidgenössischen Abstimmungstermin. Folgerichtig soll die Abstimmung über das Kolingeviert an diesem Sonntag stattfinden.» Der Termin vom 5. Oktober sei ein Wahltermin und durch das kantonale Wahlgesetz vorgegeben. Da sei neben den Wahlgeschäften für Sachgeschäfte kein Raum mehr.

Ein Luftbild der Situation heute. Die Brandlücke, wo jetzt Bauprofile stehen, besteht seit 1999. (Bild:zvg)
Ein Luftbild der Situation heute. Die Brandlücke, wo jetzt Bauprofile stehen, besteht seit 1999. (Bild:zvg)

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