In dieser Saison erlebt das Waldschwimmbad Zimmeregg keine sonnigen Zeiten. Die Badi soll geschlossen bleiben. (Bild: badi-info.ch)
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In dieser Saison erlebt das Waldschwimmbad Zimmeregg keine sonnigen Zeiten. Die Badi soll geschlossen bleiben. (Bild: badi-info.ch)

Zu gefährlich oder zu teuer?

5min Lesezeit

Die Schliessung der Littauer Badi Zimmeregg gibt zu reden: Politisch formiert sich breiter Widerstand gegen die überraschende Entscheidung des Stadtrates. Und die Begründung, es bestehe eine toxische Gefährdung für die Besucher, stösst auf Unverständnis. Es bestehe «keine akut toxische Gefahr», sagt ein Experte gegenüber zentral+.

Der kürzlich eingereichte Vorstoss wird im Luzerner Stadtparlament als dringlich erklärt werden, mit grosser Wahrscheinlichkeit. «Die Zimmmereggbadi muss offen bleiben!», so der Titel, unterzeichnet ist das Papier von den Fraktionen der Grünen, der SVP, der CVP sowie der GLP. Zusammen bilden sie eine breite Front gegen die Entscheidung des Stadtrates (siehe Artikel zur Schliessung der Badi). Das Waldschwimmbad Zimmeregg habe eine grosse Bedeutung für die Bevölkerung aus dem Stadtteil Littau. Wichtige Fragen seien noch nicht geklärt. Und der Stadtrat soll alle notwendigen Schritte einleiten, um eine «Teilöffnung» für die kommende Badesaison zu ermöglichen.

Der Vorstoss ist die Reaktion auf eine Medienmitteilung des Stadtrates vom 15. April. Überraschend gab er darin bekannt, dass das Waldschwimmbad Zimmeregg im Sommer geschlossen bleibt. Der Stadtrat begründet die kurfristige Schliessung in erster Linie damit, die Kinder- und Planschbecken seien mit giftigen Chlorverbindungen belastet. Die Giftstoffe würden sich vor allem in der Erde rund um die Schwimmbecken befinden. Als Hauptgrund wurde in der Mitteilung eine erhöhte, teilweise über den geltenden Grenzwerten liegende Konzentration von PCB (Polychlorierten Biphenylen) aufgeführt.

Gefährdung der Kinder als Hauptargument

Die Stoffe sind in der Grundierungsfarbe enthalten. Eine Gefährdung sei «nicht ausgeschlossen», wenn beispielsweise ein Kind die kontaminierte Erde essen würde. Das Nichtschwimmerbecken und auch das Kinderplanschbecken würden den Badegästen deshalb nicht zur Verfügung stehen. Und für eine kurzfristige Sanierung und Beseitigung der Giftstoffe bis zum Saisonstart im Mai reiche die Zeit nicht aus. So die Begründung.

Eigentlich ist sie sehr gut nachvollziehbar. «Der Stadtrat will sich nicht den Vorwürfen aussetzen, die Bevölkerung und insbesondere Kinder einer vermeidbaren Gefährdung auszusetzen», sagt Urs Dossenbach, Projektleiter Kommunikation der Stadt Luzern, auf Nachfrage von zentral+.

Nur, ein «Ungutes Gefühl», so der Titel eines Leserbriefes, bleibt trotzdem. Und es bestehen Zweifel an der hauptsächlichen Begründung des Stadtrates. Sie äussern sich zum Beispiel in zahlreichen Facebook-Einträgen und Kommentaren. «Wie haben wir das nur überlebt?», so die etwas ironische Gegenfrage einer ehemaligen Besucherin, die mit ihren Kindern regelmässig das Waldschwimmbad besuchte. Oder «In der Badi gibt es für meine Kinder höchstens Pommes-Frites, keine Erde.» 

«Kurfristig besteht keine Gefahr»

Wie giftig ist diese Badi nun? Ein Experte, der mit den Messdaten des PCB-Berichtes vertraut ist, sagt gegenüber zentral+: «Akut toxisch besteht keine Gefahr.» Soll heissen, er schätzt die Massnahme des Stadtrates einerseits als begründet ein, denn «langfristig sei eine Gefährdung gegeben». Dennoch sei die kurzfristige Schliessung etwas «sehr vorsichtig». Namentlich möchte der Chemiker hier nicht genannt werden.

Der Stadtrat schreibt denn auch «eine Gefährdung sei nicht ausgeschlossen». Das sei in wissenschaftlicher Hinsicht richtig. «Persönlich empfinde ich die Risikoeinschätzung aber als sehr konservativ. Ich würde meine Kinder in die Badi schicken und dort spielen lassen», sagt der PCB-Experte. Für eine langfristige gesundheitliche Beeinträchtigung (zum Beispiel ein erhöhtes Krebs-Risiko) müsste schon eine gewisse Menge PCB-kontaminierte Erde pro Tag gegessen werden.

Messung kurz vor Saisonbeginn

Eine weitere offene Frage ist, weshalb die Belastungen erst so kurz vor der Badesaison gemessen wurden. Die PCB-Problematik sei schon seit einigen Jahren bekannt gewesen. Die Erde rund um das Planschbecken und um den Spielplatz wurde im Jahr 2008 zum letzten Mal aufgefrischt.

Gemäss Stadtrat wurde eine Abklärung der PCB-Belastung damals bei der Übernahme des Waldschwimmbades nicht als erste Priorität betrachtet. Weil die «seit mehreren Jahren verwendete Farbe PCB-frei war», so Dossenbach. Eine Konsultation des Berichtes von 2008 habe dann gezeigt, dass es trotzdem sinnvoll sei, erneute Messungen in Auftrag zu geben.

Ehemalige Mitglieder der Genossenschaft Waldschwimmbad Zimmeregg ärgern sich über diesen Zeitpunkt der Messung. Sie wollen anonym bleiben: «Die Untersuchungen hätte man am Ende der letzten Badesaison vornehmen müssen». Dann wäre zumindest Zeit gewesen für eine teilweise Sanierung.

Viel Geld für Sanierung nötig

Viel leichter nachzuvollziehen ist dagegen, dass beim Waldschwimmbad Zimmeregg generell sehr hohe Kosten anfallen. Es besteht ein hoher Sanierungsbedarf für die nächsten Betriebsjahre. Umfangreiche bauliche Massnahmen seien nötig bei den Becken, der Wasseraufbereitungsanlage, den Garderoben und den Duschen. Der Stadtrat geht von Gesamtinvestitionen zwischen sieben und zehn Millionen Franken aus.

Stadtrat und Parlament haben 2012 zusammen beschlossen, innert fünf Jahren eine Langzeitperspektive für den Betrieb der Zimmereggbades zu entwickeln. Zurzeit prüfen die Stadt und die Hallenbad AG Massnahmen zur Verbesserung des Zimmereggbades. «Der Stadtrat wird alles daran setzen, Lösungen zu erarbeiten, die eine Wiedereröffnung des vor allem von Familien geschätzten Zimmereggbades auf 2015 ermöglichen», schreibt er am Ende der Medienmitteilung vom 15. April.

Die Front im Parlament will das ebenfalls. Am 15. Mai wird der Luzerner Grosstadtrat über das Postulat «Die Zimmereggbadi muss offen bleiben!» beraten. Darüber hinaus wird der Stadtrat gebeten, dem Parlament den Sanierungsbedarf hinsichtlich des PCB sowie der technischen und baulichen Anlagen darzulegen und aufzuzeigen, welche Massnahmen notwendig sind, um die Zukunft der Badi langfristig zu sichern.

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