Die Stadt Luzern sowie der Kanton Zug haben die Internetplattform reparaturfuehrer.ch ins Auge gefasst. (Bild: zvg)
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Die Stadt Luzern sowie der Kanton Zug haben die Internetplattform reparaturfuehrer.ch ins Auge gefasst. (Bild: zvg)

Nachhaltiger Konsum: Ein frommer Wunsch?

5min Lesezeit

Reparieren statt wegwerfen: Die Idee der Internetplattform reparaturfuehrer.ch leuchtet ein. Die Stadt Luzern sowie der Kanton Zug sollen sich an diesem Konzept finanziell beteiligen. Doch führt die Plattform wirklich zum erwünschten Effekt? Die Klickzahlen deuten zurzeit nicht darauf hin.

Die Stadt Luzern soll mitmachen, der Kanton Zug ist gerade beigetreten: Die Rede ist von der Webseite reparaturfuehrer.ch. Über die Webseite können Anbieter von Reparaturdienstleistern in der näheren Umgebung einfach und schnell gefunden werden. Nun fordert ein Vorstoss im Luzerner Stadtparlament namens der SP/Juso-Fraktion, diese Idee zu fördern. Gleichzeitig hat sich die Verwaltung des Kantons Zug in diesen Tagen dazu entschlossen, das Projekt mit einer Mitgliedschaft zu unterstützen.

Für zentral+ Grund genug, diese Austauschplattform etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Ziel der Webseite ist es, kaputte Haushaltgeräte vermehrt reparieren zu lassen – statt sie zu entsorgen. Und auf den ersten Blick scheint das Konzept, welches dahinter steckt, sorgfältig durchdacht. Komplizierter wird es allerdings bei der Frage, was die Plattform denn schliesslich gesellschaftlich bewirken soll.

Die Erwartungen sind hoch

Die Funktionsweise ist einfach. Für den Benutzer werden die Angebote auf reparaturfuehrer.ch schnell und ohne Umwege angezeigt. Man gibt via der Suchmaske einen kaputten Gegenstand ein, den man reparieren lassen möchte – zum Beispiel eine Kaffeemaschine oder einen Rasenmäher. Danach erscheinen umgehend Adressen verschiedener Geschäfte oder Anbieter, die das Produkt wieder herrichten können. Soweit das Prinzip.

Die Idee wird auf politischer Seite sehr begrüsst: «Es geht darum, einen Beitrag zu nachhaltigem Konsum und Gewerbe zu leisten», sagt die Luzerner SP-Grossstadträtin Theres Vinatzer, Mitunterzeichnerin des kürzlich eingereichten Postulats. Dieses verlangt vom Luzerner Stadtrat, eine Mitgliedschaft im Kooperationsverbund in die Wege zu leiten.

Auch beim Zuger Amt für Umweltschutz sind die Erwartungen ähnlich hoch. Der Kanton Zug ist das neuste Mitglied bei reparaturfuehrer.ch. Die Projektverantwortliche Esther Delli Santi: «Dadurch können die Abfallmenge reduziert sowie Ressourcen für die Neuproduktion geschont werden», sagt sie.

Und nicht zuletzt soll eine rege Nutzung der Plattform auch aus wirtschaftlicher Sicht zu einem Erfolg führen. Man spricht von einer gesteigerten Wertschöpfung für die Region. Für Unternehmen sind die Teilnahme sowie die Präsentation der Dienstleistung gratis. Auf Anfrage sagt Franz Stalder, Präsident der Detailhandelsgemeinschaft Cityvereinigung Luzern, wäre eine Mitgliedschaft bei der Internetplattform reparaturfuehrer.ch sogar «das Beste, was man machen könne». Genau nach diesem Grundsatz, «Reparieren statt wegwerfen», arbeite er. «Ich kann diesen Vorschlag als Geschäftsmann nur unterstützen.»

Ein Zusammenschluss von verschiedenen Gemeinden

Doch, Moment, geht das nicht ein wenig zu schnell? Lässt sich das gesellschaftliche Konsumverhalten durch eine einzelne Internetplattform wirklich beeinflussen? Theres Vinatzer wie auch Esther Delli Santi betonen auf Nachfrage, dass eine Mitgliedschaft bei reparaturfuherer.ch vor allem eine Investition für die Zukunft sei. Es lohne sich.

Für eine Gemeinde oder einen Kanton bedeutet «Partner sein», dass als Erstes 5'000 Franken investiert werden. Darüber hinaus sind für die Aufnahme einer Region mindestens 50 Adressen von Betrieben notwendig, die ihre Reparaturleistungen anbieten können. «Es steht allen Gemeinden oder Kantonen offen, dem Reparaturführer beizutreten und Partner zu werden», sagt Martina Tschan, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bern. Bern hat die Plattform vor fünf Jahren initiiert, sorgt für deren Unterhalt und ist für das Projekt federführend.

Um eine Zwischenbilanz zu ziehen, sei es noch zu früh. Erfahrungswerte sind noch nicht erhoben worden, so Tschan. «Eine fundierte Statistik wird aber in Zukunft angegangen.» Die neue Online-Plattform ist ein Gemeinschaftswerk verschiedener Verwaltungen. Die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt sind seit längerem Mitglied, sowie auch die Regionen Bern, Thun und Köniz. Nach dem Motto «Reparieren statt wegwerfen» betreiben sie reparaturfuehrer.ch zusammen.

Die Klickzahlen sind tief

Einen Anhaltspunkt, auf welches Interesse der Reparaturführer stösst, geben zurzeit die registrierten Besucherzahlen. Diese bewegen sich allerdings noch auf sehr tiefem Niveau. Im letzten Dezember verzeichnete die Seite laut internen Zahlen insgesamt 3'180 Klicks – drei Monate später waren es immerhin 200 mehr.

In dieser Auswertung taucht die Region Luzern mit monatlich 70 bis 100 Klicks auf. Die Region Zug erscheint in der Zeitspanne noch gar nicht. Nach viel Interesse und Anklang sieht das also nicht aus – wird es ein frommer Wunsch bleiben, das gesellschaftliche Konsumverhalten mit einer Internetplattform beeinflussen zu wollen?

Die Diskussion soll lanciert werden

«Nein», meint Martina Tschan. In gewissen Regionen werde sogar ein grundlegendes Bedürfnis deutlich. «Aus dem Raum Zürich verzeichnen wir zum Beispiel gegen 20 Prozent der Klicks, obwohl Zürich noch gar nicht mitmacht.» Für Zürich bestehe deshalb schon fast ein Mitmach-Druck. Zudem sei reparaturfuehrer.ch ein hilfreiches Instrument, um die Bevölkerung für die Reparatur von Alltagsgegenständen zu sensibilisieren», sagt die Initiantin.

Grossstadträtin Theres Vinatzer findet, dass sich nur schon die Diskussionen über das Abfallverhalten und über die Wegwerfgesellschaft lohnen. «Unsere Motivation ist, diese Fragen zu lancieren.» Weiter soll durch die Mitgliedschaft auch das lokale Gewerbe angeregt werden, entsprechende Dienstleistungen anzubieten, respektive zu reaktivieren. «Es ist ein Versuch wert», meint sie. Innert den nächsten sechs Monaten wird ihre Anfrage vom Luzerner Stadtrat beantwortet.

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