Der Flachbau rechts neben dem Hochhaus könnte das Kunsthaus repräsentieren. Das Gebiet ist für eine öffentliche Nutzung bestimmt. (Bild: zvg Kanton Zug)
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Der Flachbau rechts neben dem Hochhaus könnte das Kunsthaus repräsentieren. Das Gebiet ist für eine öffentliche Nutzung bestimmt. (Bild: zvg Kanton Zug)

Das verwässerte Projekt braucht Aufschwung

6min Lesezeit

Der Bau eines neuen Zuger Kunsthauses liegt in weiter Ferne – und wird erneut zum Politikum. Das 30-Millionen-Projekt erlebte schon viele Rückschläge, zuletzt wegen eines internen Streits bei der Stiftung «Freunde Kunsthaus Zug». Das grosse Vorhaben bringt die Projektgruppe immer wieder an ihre Grenzen und langsam aber sicher verliert die Zuger Regierung ihre Geduld. Braucht Zug denn überhaupt ein neues Kunsthaus?

«Enttäuschend ist, dass der Weg, der jetzt beschritten wird, unvermeidbar war», sagt Andres Brütsch. Damit meint er, dass jetzt externe Planer den Bau des neuen Kunsthauses auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals in die Hand nehmen müssen. Dieser Schritt war nötig, weil sich der Stiftungsrat der «Freunde Kunsthaus Zug» zerstritt. Der interne Zwist bewog Brütsch und drei andere Mitglieder (Roland Hitz, Gaby Billing, Karl-Johannes Ehrat) dazu, dieses Gremium zu verlassen.

Die beiden externen Planer sind schweizweit bekannt. Es sind Thomas Held, ehemaliger Chef der Denkfabrik Avenir Suisse und Peter Ess, einstiger Direktor des Amts für Hochbauten der Stadt Zürich. Held war damals für die Realisierung des Luzerner KKL zuständig und Ess baute unter anderem das Stadion Letzigrund in Zürich. Ihr Engagement kostet einiges, der Kanton rechnet mit rund 50'000 Franken. Je ein Drittel davon zahlt die Stadt Zug, der Kanton und die Stiftung Freunde Kunsthaus Zug.

Im Gespräch mit Beteiligten kommt heraus, dass über diesen internen Streit hinaus nun die Frage wieder aufflammt, ob denn Zug wirklich ein neues Kunsthaus braucht – und will. Wie konnte es so weit kommen?

Was bisher geschah

2007: Nach einem runden Tisch der Zuger Museen mit Stadt und Kanton wird eine neue Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Standorten für ein Museum gestartet. Favorisiert wird der Standort Schützenmatt.

2010: Das Richtplanverfahren für den Neubau des Kunsthauses auf dem Areal Schützematt wird aufgrund fehlender Akzeptanz in der Öffentlichkeit vom Regierungsrat sistiert.

2011: Die öffentliche Mitwirkung des Richtplanverfahrens ergibt ein deutliches Votum für den Standort ehemaliges Kantonsspitalareal an der Artherstrasse. Im Juli setzt der Kantonsrat den Ort für den Neubau definitiv fest und passt den kantonalen Richtplan an.

2012: Das Architekturbüro Renzo Bader Architekten gewinnt den Architektur-Wettbewerb und erstellt einen Bebauungsplan für das gesamte Areal des ehemaligen Kantonsspitals. Der Plan hätte bereits im Sommer 2013 dem Grossen Gemeinderat (GGR) der Stadt Zug zur Beratung und zum Beschluss vorgelegt werden sollen.

2014: Im Februar treten vier Mitglieder aus dem Stiftungsrat Freunde Kunsthaus Zug zurück. Zurzeit liegt der fertiggestellte Bebauungsplan bei der Stadtbildkommission. Wenn der Zuger Stadtrat den Bebauungsplan verabschiedet hat, überweist er diesen dem GGR. Das sollte noch vor den Sommerferien geschehen.

Drei Parteien konnten sich nicht einigen

Im Stiftungsrat, der das Vorhaben eines neuen Kunsthauses vorantreiben sollte, sitzen Vertreter von drei Parteien: Erstens die Stiftung Freunde Kunsthaus Zug, sie ist die Eigentümerin der Liegenschaft des bestehenden Kunsthauses. Zweitens die Zuger Kunstgesellschaft, die das Kunsthaus betreibt. Drittens die Stiftung Sammlung Kamm, die Inhaberin der Kunstsammlung. 

Marcos García Pedraza, Präsident der Zuger Kunstgesellschaft und Mitglied des Stiftungsrates, sagt, es habe Differenzen bezüglich Bauherrschaft und Ausrichtung des neuen Kunsthauses gegeben. «Die Zuger Kunstgesellschaft und die Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug haben sich nicht auf eine geeignete Projektorganisation einigen können», so García Pedraza. Deshalb kam es zu den Rücktritten. Andres Brütsch will zu den Gründen für seinen Rücktritt keine Stellung nehmen. 

Stephan Schleiss, Vorsteher der Direktion für Bildung und Kultur des Kantons, sieht das Problem bei der Aufteilung der Kompetenzen der drei beteiligten Gruppen. «Das Projekt Kunsthaus ist stetig gewachsen, dabei wurden die jeweiligen Kompetenzen nicht abgegrenzt und als es um Entscheidungen ging, war man zu wenig handlungsfähig.»

Der Kanton setzt Druckmittel ein

Die Geduld beim Kanton Zug ist beschränkt. Die Baudirektion teilte bereits Anfang Februar mit, dass sie beim Bebauungsverfahren auf dem alten Kantonsspitalareal keine weiteren Verzögerungen will. 

Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons Zug, sagt: «Der nun eingeleitete Zwischenschritt für das Kunsthausprojekt wird ungefähr ein Dreivierteljahr in Anspruch nehmen. Dies hat Konsequenzen für das gesamte Bebauungsplanverfahren.»

Um aber eine Verzögerung aufgrund des Streits bei der Stiftung zu verhindern, verzichtet die Baudirektion darauf, das Kunsthaus auf dem Bebauungsplan explizit zu erwähnen. In anderen Worten: «Wenn es die Projektgruppe jetzt nicht auf die Reihe kriegt, kann es sein, dass am vorgesehenen Ort eine andere öffentliche Nutzung realisiert werden könnte», sagt Tännler. 

Der kantonale Kulturdirektor Schleiss begründet diesen Schritt: «Dass wir das Kunsthaus aus dem aktuellen Plan herausgenommen haben, ist eine Rückversicherung, damit nicht das gesamte Areal von diesem Projekt abhängt.» Die Regierung lässt sich damit eine Hintertüre offen. Beide Regierungsräte betonen zwar, dass sie zuversichtlich seien und das Projekt Kunsthaus weiterhin unterstützen wollen, Tännler sagt aber auch: «Dieser Prozess muss jetzt Erfolge zeitigen, sonst müssen wir weiterschauen.»

Braucht es überhaupt ein neues Kunsthaus?

Marcos García Pedraza von der Stiftung reagiert gelassen: «Das Projekt für ein neues Kunsthaus auf dem alten Kantonsspital-Areal ist noch in einer frühen Phase.» Auf die Anfrage, ob es denn eine Frist gäbe für das Projekt, sagt er: «Die nächsten Deadlines müssen wir zusammen mit Kanton, Stadt und der neuen Projektleitung definieren. Das ist eine unserer nächsten Hausaufgaben.»

Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass es in Zug ein neues Kunsthaus braucht: «Ein neues Kunsthaus wird Zug und der Zuger Kultur gut tun.»

Andres Brütsch, der nicht mehr mit von der Partie ist, sagt auf die Frage, ob es schlimm wäre, wenn es nun kein Kunsthaus geben würde: «Möglicherweise wäre es traurig. Unter gewissen Umständen kann es aber auch der richtige Entscheid sein.» Es sei unter anderem die Aufgabe der unabhängigen Experten, eine Antwort auf diese Frage zu finden, so Brütsch. 

«Zuerst müssen die Hausaufgaben gemacht werden – vor allem auf Seiten des Kunsthauses», sagt Brütsch weiter. Erst wenn rechtliche, organisatorische und wirtschaftliche Fragen geklärt seien,  könne man sich überhaupt richtig für oder gegen ein neues Kunsthaus engagieren.

30 Millionen Kosten, viele Interessen

Ein Kunsthaus in den angeplanten Ausmassen sei zudem nicht einfach «nice to have». Der Entscheid für ein neues Kunsthaus in Zug beinhalte ein enormes finanzielles Engagement von Kanton, Stadt und dem Kunsthaus. Insgesamt gehe es um viele Millionen, sagt Brütsch. Die Baudirektion geht von Kosten zwischen 20 und 30 Millionen aus.

Nicht nur wegen des Kunsthauses bleibt die Bebauung des Areals des alten Kantonsspitals ein Politikum. Stephan Schleiss sagt: «Da sind so viele Interessen vorhanden, es wird noch einige Diskussionen geben.» Die einen wollten sozialen Wohnungsbau, die anderen ein Hotel, wieder andere Luxuswohnungen. Einige wollten einen Teil verkaufen, damit die Kosten beim Kanton etwas gesenkt werden könnten, so der Kulturdirektor.

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