Aussicht Chollerhalle von der Galerie. (Bild: Laura Livers)
Kultur Rezension

Aussicht Chollerhalle von der Galerie. (Bild: Laura Livers)

Die Kunstpause ist das Ventil für die junge Zuger Kunstszene

4min Lesezeit

Zum 15. Mal lud die Kunstpause Zug einheimische Kunstbegeisterte, Schlenderer und Neulinge ein, sich Werke junger Nachwuchskünstler anzuschauen. Zum Jubiläum gab's eine neue Lokalität, altbekannte Gesichter und wie immer: einen Haufen Kunst.

Laura Livers

«Was ist Kunst?», lautet das diesjährige Thema der Kunstpause-Ausstellung, zum ersten Mal in der Chollerhalle. «Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich unwichtig», erklärt Laura Hürlimann, Präsidentin der Kunstpause, in ihrer Eröffnungsrede. «Wichtiger ist die Diskussion, die daraus entsteht. Kunst kann berühren, provozieren. Man kann ein Kunstwerk gut finden oder auch einfach schlecht. Und dafür sind wir hier!»

Solch eine Aussage findet beim anwesenden Publikum viel Gehör – beteiligte Künstler, aufmerksame Besucher, viele Lokale und auch einige Neulinge. Die Kunstpause gehört seit ihrer Gründung 2004 fest zum Zuger Kunstwesen. Im Zuge einer Maturaarbeit als Plattform für junge Zuger Künstler entwickelt – damals noch im Jugendkulturzentrum Industrie 45 – ist die Ausstellung heute eines der wichtigsten Ventile für die junge Kunstszene. Ob studiert, oder einfach passioniert am Werken, grundsätzlich ist jeder willkommen, lautete schon immer das Credo der Ausstellung. So auch in diesem Jahr.

Ein Abbild der Entwicklung

18 Künstler fasst die diesjährige Ausstellung, verteilt auf zwei Stockwerke. Die meisten in den 90er-Jahren geboren, wohnhaft zwischen Zürich und Luzern, darunter einige Ur-Zuger. In dieser Jubiläumsausgabe kommt man nicht umhin, als langjähriger Besucher Vergleiche zu ziehen: zur stickigen Altstadthalle, zu den damaligen Künstlern und Werken.

«Wir plünderten die Werkzeugkästen unserer Eltern und servierten Rüebli mit Sauerrahm zum Apéro.»

Dorian Iten, Gründungsmitglied der Kunstpause

Als die Kunstpause noch in ihren Kinderschuhen steckte, wurde sie mit Leinwänden gefüllt. Acryl- und Ölfarben schienen die wichtigsten Begleiter zu sein. Ab und an stand da auch eine Skulptur, wie der unvergessene «goldene Hundehaufen», oder eine Videoarbeit – oft ehrfürchtig betrachtet: «Wer hat denn die Zeit und das technische Material so was herzustellen?»

Skulpturen statt Traditionsmalerei

Die diesjährige Ausstellung zeigt, wie sich der Zugang zu Materialien und Inhalten über die Jahr verändert hat. Wo früher traditionelle Malerei hing, hängen nun Skulpturen von der Decke. Auf die schwarzen Stellwände werden Videos projiziert und Ausstellungstexte reden von Algorithmen und komplexer Programmierarbeit. Und die Künstler stammen nun nicht mehr ausschliesslich aus Zug, sondern aus verschiedensten Ecken der Schweiz. Manche sind auch neu hier oder bereits wieder weggezogen.

«In der Kunst ist das Networking Pflicht», erzählt Hürlimann weiter. «Und wir sind Teil dieses Prozesses, indem wir uns öffnen und eine Plattform bieten, neue Verknüpfungen zu schaffen.»

Mehr als nur Kunst betrachten

«Ich wollte Gleichgesinnte finden und ausstellen», erzählt Dorian Iten, einer der zwei Gründungsmitglieder der Kunstpause. Iten, heute Kunstprofessor in Barcelona, hielt ebenfalls eine kurze Rede, untermalt von einer Slideshow der vergangenen Jahre. «Damals wussten wir überhaupt nicht, wie man eine Ausstellung organisiert. Wir hatten vergessen, ein Budget einzugeben, also plünderten wir die Werkzeugkästen unserer Eltern und servierten Rüebli mit Sauerrahm zum Apéro.»

Julia Häcki, die zweite Mitbegründerin, lacht laut auf und fügt an: «Das macht das jetzige Team um einiges besser. Nichtsdestotrotz war die Kunstpause für uns beide der Berufsstart. Genauso für viele der Künstler und Helfer, die bei uns Erfahrung sammeln und Leidenschaften entdecken konnten.»

Junge Kunst benötigt viel Raum

Die Kunstpause ist, wie schon in den Jahren zuvor, ein Sammelsurium von Werken. Die Kuration besteht eher darin, den Werken genügend Platz zu verschaffen, statt sie thematisch zu verbinden. Das Überthema «Was ist Kunst?» ist weniger inhaltlich definiert als ein Gesprächsbeginn. Die Kunstpause kümmerte sich von Anfang an um den erleichterten Zugang zu Kunst, um den Betrachter, der im Vergleich zu einem Kunstmuseum oft ohne Vorkenntnisse in die Halle läuft.

Es ist die Vielfalt, die eine Ausstellung wie diese auszeichnet. Vielfalt in den Werken, den Techniken, des Rahmenprogramms – es gibt für jeden etwas und somit für jeden einen Grund vorbeizuschauen und im Idealfall etwas Neues zu entdecken.

Die Kunstpause ist ein niederschwelliger Einstieg in eine komplexe Welt, die seit 15 Jahren den Zugern, jung wie alt, das Silbertablett hinstreckt mit einem Zettel drauf, der sagt: «Lass uns drüber reden!»  

Die Kunstpause-Ausstellung in der Chollerhalle ist noch bis Sonntag, 9. Juni 2019.

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