Muthoni Drummer Queen zieht ihr Publikum mit ihrer Musik und Performance in ihren Bann. (Bild: Peter Mutuma)
Kultur Rezension

Muthoni Drummer Queen zieht ihr Publikum mit ihrer Musik und Performance in ihren Bann. (Bild: Peter Mutuma)

Schwingende Hüften und springende Rythmen heizten Schüür ein

5min Lesezeit

Orange Dreads, ein Minirock im Schachbrettmuster, rhythmische Musik und eine tanzende Meute: Muthoni Drummer Queen performte am Donnerstagabend im Konzerthaus Schüür. Der alternative Elektro-Hip-Hop der kenianischen Rapperin begeisterte die zuvor noch im Alltag verfangenen Gemüter und lockerte die Stimmung der Luzerner Konzertgängerinnen schnell auf.

Luisa Tschannen

Muthoni Drummer Queen spielte am Donnerstagabend in Luzern. Im Konzerthaus Schüür lieferte die Powerfrau eine überzeugende Show ab, unterhielt das Publikum und brachte es zum Tanzen. Die Beats fuhren ein und stillsitzen war unmöglich. Und auch die Botschaft, die Muthoni Drummer Queen verbreitete, war eingänglich.

Sie sprach in den Pausen zwischen den Liedern von Liebe, Selbstbewusstsein und Träumen. «Wenn du denkst, es ist zu spät für dich, deinen Traum zu leben, dann sage ich dir: Es ist nie zu spät! Deine Visionen zählen. Du zählst!» Wäre der Kontext der hippen Queer-Szene nicht gegeben, so könnte das auch die schwingende Rede eines Pfarrers zur Auffahrt sein.

Aber hier wird doch mehr der Wert der Individuen betont als zu einer religiös-moralischen Leitung angestiftet. «Liebe dich selbst» scheint Leitmotto der positiven, lebensbejahenden Performance von Muthoni Drummer Queen zu sein. Auch Sexualität wird stolz in Szene gesetzt, der weibliche Körper muss nicht der herrschenden Norm entsprechen, sondern darf diese Hautfarbe und jene Form haben, die er eben hat.

«Wenn du denkst, es ist zu spät für dich, deinen Traum zu leben, dann sage ich dir: Es ist nie zu spät! Deine Visionen zählen. Du zählst!»

Mutoni Drummer Queen

Diese Stärke der Sängerin ist ansteckend, ihre Präsenz und die Selbstsicherheit, für die sie steht, färbt auf die Konzertgängerinnen ab. Einerseits durch persönliche Botschaften, andererseits durch die Musik. Einigen ist Muthoni Drummer Queen vielleicht durch den Film «Rafiki» bekannt, dem ihr Song Suzie Noma als Titelsong diente. Der Film «Rafiki» thematisiert Homosexualität in Kenia.

Viele strahlende und tanzende Gesichter

Obwohl das Konzert von Muthoni eine Show ist, die Themen und Stile alternativer Szenen bedient, bleibt das Format des Konzertes unberührt und wirkt populär. Das Konzept ist klar: Eine Bühne, da spielt die Musik, dazwischen wird mit dem Publikum interagiert. Es darf mitklatschen, die Refrains zu Ende johlen, bewundernd untertänig sein. Links und rechts der Sängerin zwei junge Tänzerinnen. Die schwingenden Hüften, die springenden Rhythmen färben auf das Publikum ab. Die Stimmung ist aufgeheizt und viele strahlende, tanzende Gesichter sind zu sehen.

Zwischen den Songs animiert Muthoni Drummer Queen das Publikum, lässt sie ihren Liedtext nachsingen, dann stimmen Musik und Lichtshow in die Rufe des Publikums mit ein, der Song beginnt und wird nun von Muthoni zu Ende performt. Das Publikum konsumiert, ist schaulustig und tanzt mit, eifert gewissermassen dem Star nach, obwohl es leider nicht selbst auf der Bühne steht. Nichtsdestotrotz ist die Party gut.

Muthoni Drummer Queen lässt in der Schüür das Publikum mitsingen und mittanzen.
Muthoni Drummer Queen lässt in der Schüür das Publikum mitsingen und mittanzen. (Bild: Schüür Luzern)

Album mit explosivem Afrobass und Gute-Laune-Sound

Die Musik von Muthoni Drummer Queen steckt an, und ihr Charakter interessiert. Muthoni Ndonga, geboren in Nairobi, veröffentlichte 2018 ihr drittes Album. Im Album «SHE» hat sie jeden Song einer Frau gewidmet, die ihr imponiert. Doch nicht nur das Konzept des Albums ist interessant, auch der explosive Afrobass und das spezielle Styling der Kenianerin ist cool und beeindruckend. Ebenfalls ist Muthoni Gründerin und Mitgründerin verschiedener Musikfestivals in Kenia, so dem «Africa Nouveau», dem «AMKA DADA» sowie von «Blankets & Wine». Wahrlich eine Powerfrau also.

Zürcher Duo als Vorband

Als Kontrast und Einstieg zur Tanzshow wartete «None of them» auf, ein Duo aus Zürich, dessen Musik sich verschiedener Genres bedient. Elektronischer Minimalismus, gepaart mit Rap und Robo-Dance, dann wieder psychodelisch-atmosphärisch, dazwischen Schreie, wie bei einem Metal-Konzert. Mit einem grossen Spektrum verschiedener Musikstile stimmte «None oft them» auf den Abend ein. Etwas bescheidener, aber mit überzeugenden Momenten, einem Wirrwarr aus Tanzeinlagen, nahbarer Persönlichkeit und freakigen Beats weckte «Non of them» Lust auf mehr. Im Herbst 2019 erscheint ihr neues und viertes Album.

Muthoni Drummer Queen spielt am Freitagabend ab 20.30 Uhr im «Kiff» in Aarau.

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