Lichtmagie: Sina bezauberte ihr Publikum in der Luzerner Schüür. (Bild: Marco Masiello)
Kultur Rezension

Lichtmagie: Sina bezauberte ihr Publikum in der Luzerner Schüür. (Bild: Marco Masiello)

Sina schwelgt zwischen Himmel und Hölle, zwischen Rock und Schmelz

6min Lesezeit

Seit 25 Jahren tourt Sina durch die Lande. Unverkennbar ist die Walliser Sängerin jetzt auf dem Zenit ihrer Karriere: Sie betörte am Mittwoch eine volle Schüür und sang leidenschaftlich – nicht nur über ihr Grosi Emma.

Mathias Haehl

«Heit Gott vor Auge ond de Tüfel under de Schooge – dänn chummt alles guat.» Das gab Sina nach einem berührenden Konzert den gut 500 Fans mit auf den Nachhauseweg. Es war ein Konzert zwischen Himmel und Hölle. Und nicht nur Sina schwelgte immer mal wieder in Nostalgie und alten Liedern – am Schluss strahlten alle. Mit «Fiirvogl», Feuervogel, hatte alles begonnen und dem Abend Flügel verliehen.

25 Jahre auf der Bühne – schauen wir zurück: 13 Alben, über 300'000 verkaufte Tonträger, neun Gold- und zwei Platinauszeichnungen. Sina ist etabliert und geachtet: An der Feier zu Ehren von Viola Amherd sang sie im Dezember 2018 mit der frisch gewählten Bundesrätin den Song «Ain’t No Mountain High Enough», anfangs 2019 erhielt sie den Swiss Music Award für ihr Lebenswerk.

Lokalmatador: Gregor Heini aus Horw, schon lange Begleiter von Sina.
Lokalmatador: Gregor Heini aus Horw, schon lange Begleiter von Sina. (Bild: Marco Masiello)

Was braucht es für eine solch aussergewöhnliche Karriere? Unlängst gestand sie: «1 Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration. Fleiss ist unerlässlich, Talent und Glück gehören genauso dazu.» Und in der Schüür erklärte sie, welchen Rat sie von ihrem verstorbenen Grosi, dem zu Ehren ihr neues Album «Emma» heisst, mit auf den Weg nahm: «Wenn der Berg zu hoch ist, dann musst du drumherum gehen.» 

Sina ist blendend gealtert 

Die Mundartsängerin aus Belalp ennet des Lötschbergs war zeitlebens von hohen Bergen umgeben, und sie wuchs an Widerständen, indem sie ausprobierte, auch Schlager (siehe Box). Mit dem experimentellen Motto «Versuch und Irrtum» war sie gut beraten. Und Sina ist blendend gealtert.

Vom Schlager zur «Emma»

Sina (53) ist die erfolgreichste Schweizer Mundartsängerin. Bereits in den 1970er-Jahren sammelte sie erste musikalische Erfahrungen im Jugendchor. Zehn Jahre später folgte der 1. Platz beim Oberwalliser Schlagerfestival. 1990 versuchte sich Sina als Schlagersängerin. 1994 erschien ihr erstes Mundartalbum «Sina», das sich 23 Wochen in den Charts hielt und Platinstatus erreichte. Im selben Jahr spielte sie erstmals in der Luzerner Schüür. Zu ihrem 25-Jahr-Bühnenjubiläum erschien ihr 13. Album «Emma». Sina wohnt mit ihrem Mann, dem Musiker Markus Kühne, am Hallwilersee im Aargau.

Ihre gut 1000 Konzerte gipfeln in einer Abgeklärtheit und Souveränität, wie man sie bei Schweizer Bands selten sieht: Sie ist die lässige Unterhalterin, die auch gerne Geschichten erzählt und sie immer in Pointen knallen lässt. Etwa in jener zum Alter: «Wenn du 17 bist, möchtest du schnell 18 werden. Wenn du mit 50 nur einmal geruhsam ausschläfst – dann bist du zack: 53.»  

Beste Begleitband

Ihre vier Mannen zur Seite sind vermutlich die besten, die sie je begleiteten: Für die anstehende Tour zum 25-Jahr-Jubiläum hat Sina erstmals den Ausnahmegitarristen Jean-Pierre von Dach (von Gigi Moto) verpflichtet, weiter dabei sind zudem ihre langjährigen Begleiter, der Horwer Gregor Heini an der Gitarre, Matthias Kräutli aus Winterthur am Schlagzeug und der Basler Michael Chylewski am Bass. 

Hingabe: Die Walliser Sängerin ist nach mehr als 1000 Konzerten sehr erfahren
Hingabe: Die Walliser Sängerin ist nach mehr als 1000 Konzerten sehr erfahren (Bild: Marco Masiello)

Anfangs nahm sich die Band zurück, es waren bis zur Pause vermehrt Balladen angesagt, doch gegen Ende wurde auch zünftig gerockt: Die Gitarristen von Dach und Lokalmatador Heini massen sich in langen Duellen und liessen die Saiten schreien.

Sinas beide Coverversionen der grossen Hits «Son of a Preacher Man» von Dusty Springfield – bei Sina heisst das «Dr Sohn vom Pfarrär» – und «Walking in Memphis» (Marc Cohn) als Hommage an Polo Hofer, wurden begeistert aufgenommen, zu «Immär und ewig» wurde fleissig gestampft. Es war immer auch ein Wechselbad zwischen Rock und Schmelz. 

«Das Leben ist ja auch kein Spiel mit klarem Resultat.»

Sina, Walliser Sängerin

Und Sina, stets leidenschaftlich dabei, gestand, dass alle ihre Lieder stets auch Autobiographisches enthalten: «Dort suche ich nach Wurzeln, Verlorenem und Ersehntem. Das Leben ist ja auch kein Spiel mit klarem Resultat.»

Eins mit der Gitarre: Ausnahmegitarrist Jean-Pierre von Dach.
Eins mit der Gitarre: Ausnahmegitarrist Jean-Pierre von Dach. (Bild: Marco Masiello)

Immerhin, das Konzert in der Schüür war eine klare Sache: stets professionell, immer mit viel Gefühl. Sina bewies bei ihren Rückblicken auf ihre lange Karriere auch Selbstironie. Etwa als sie erzählte, wie sie beim Karriereanfang in der Ostschweiz mal ein Konzertlokalchef für die Bühnentechnikerin hielt und ihr nach dem Gig ins Ohr flüsterte: «Diese Sina ist ziemlich überschätzt – aber du machst einen super Job!»

Hören, Schauen und Staunen

Tempi passati, auch wenn Sina selbst heute beim Liederschreiben Zweifel hegt: «Teufel, ich denke, jeder Song, den ich schreibe, ist eine Kopie irgendeines Songs der 50 Millionen, die man auf Spotify hören kann. Braucht es meinen jetzt auch noch?» – Wir finden: Unbedingt, weiter so! 

Und kommen auch in 25 Jahren wieder gerne. Zum Hören, zum Schauen und zum Staunen.

Leidenschaft: Sina singt davon, was sie erlebt und lebt.
Leidenschaft: Sina singt davon, was sie erlebt und lebt. (Bild: Marco Masiello)

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur