Eine besondere Herausforderung für die Schauspieler: Die Bühne auf dem EWL-Areal besteht aus einem künstlichen Eisfeld. (Bild: zvg/ewl)
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Eine besondere Herausforderung für die Schauspieler: Die Bühne auf dem EWL-Areal besteht aus einem künstlichen Eisfeld. (Bild: zvg/ewl)

Eisfeld als Bühne bringt Schauspieler an die Grenzen

5min Lesezeit

Die Brache hinter dem EWL-Gebäude an der Luzerner Industriestrasse wird zur Kulisse für die Freilichtspiele Luzern. Als Bühne dient dabei ein künstliches Eisfeld, das schon für den einen oder anderen Sturz und für Muskelkater sorgte.

Sara Hensler

Beim Probenbesuch einige Wochen vor der Premiere der diesjährigen Freilichtspiele Luzern sitzen noch nicht alle Textstellen. Dennoch scheinen die Schauspieler bereits die meisten Abläufe verinnerlicht zu haben. Dies, obwohl die diesjährige Aufführung «Was ihr wollt» so einige Tücken mit sich bringt. Denn die Bühne besteht aus einem künstlichen Eisfeld, über das die Schauspieler hin- und hergleiten.

Das Eisfeld steht mitten auf der 20'000 Quadratmeter grossen Brache hinter dem EWL-Gebäude, direkt vor dem ehemaligen Gaskesselwerk. Die Premiere ist am 11. Juni (siehe Box). An diesem Mai-Abend proben rund 20 Schauspieler in Wind- und Winterjacken gekleidet ihre Auftritte und feilen gleichzeitig an ihren Eiskunstlauffertigkeiten. Die rustikale Umgebung lässt die Stimmen der Schauspieler über weite Strecken widerhallen und wird durch die Szenerie selbst Teil der Theaterkulisse. 

Künstliches Eisfeld birgt Stolperfallen

Beim Eisfeld handelt sich nicht um richtiges Eis, sondern um viele kleinere Platten aus Plastik und Silikon, welche zu einer Fläche zusammengesetzt wurden. Die kleinen Ritzen zwischen den einzelnen Platten können zu Stolperfallen werden. «Man muss aufpassen, dass man nicht direkt in eine Ritze fährt, sonst bleibt man hängen», erklärt eine Schauspielerin, die sich gerade ihre Schlittschuhe zuschnürt. «Wir müssen ja nicht unbedingt rückwärts und so fahren, dann passt das schon», ergänzt eine andere.

«Ein Herr ist 77-jährig und stand an der Probe erst das zweite Mal in seinem Leben auf einem Eisfeld.»

Ingrid Scherrer, Eiskunstlauftrainerin für die Schauspieler

Zwar habe es schon einige Stürze gegeben, richtig verletzt habe sich jedoch niemand. Zu Beginn der Probe muss aber dennoch ordentlich eingewärmt werden. Beine, Rücken, Arme werden gedehnt. Denn obwohl ursprünglich nicht so gedacht, sind alle Schauspieler mit Schlittschuhen unterwegs.

Die Schuhe scheinen nicht bei allen gleich gut zu passen.
Die Schuhe scheinen nicht bei allen gleich gut zu passen. (Bild: sah)

Das Eisfeld selbst ist nicht rutschig. Auch mit normalen Schuhen lässt sich problemlos über die Fläche laufen, ohne ins Rutschen zu kommen. Dementsprechend mühsam ist es aber auch voranzukommen. Da sei schon der eine oder andere Muskelkater vorgekommen, erzählen die Schauspielerinnen lachend.

Eisfeld fordert Schauspieler heraus

Nicht einfach für Laiendarsteller. «Ein Herr ist 77-jährig und stand an der Probe erst das zweite Mal in seinem Leben auf einem Eisfeld», sagt Ingrid Scherrer. Sie ist vom Eisklub Luzern und gab den Involvierten einige Eiskunstlauflektionen. «Das Ganze ist eine wahnsinnige Herausforderung für die Schauspieler. Immerhin müssen sie gleichzeitig schlittschuhfahren, sprechen und schauspielern.»

«Ein klassischer Fehler ist, dass man auf dem Eis vor sich auf den Boden schaut.»

Ingrid Scherrer, Eiskunstlauftrainerin für die Schauspieler

Die Reaktionen auf die Aufgabe seien deshalb auf Seiten des Ensembles auch gespalten gewesen. «Einige haben sich extrem gefreut», so Scherrer. «Ein Schauspieler ist regelmässig aufs Kunsteis gegangen, um selbständig zu üben. Andere fühlen sich auch heute noch nicht so ganz wohl.» Dementsprechend mehr oder weniger sicher gleiten die Beteiligten während der Proben über die Fläche.

«Ein klassischer Fehler ist, dass man auf dem Eis vor sich auf den Boden schaut», meint Scherrer. Aber als Expertin fallen ihr natürlich auch Dinge auf, die einem Laienauge entgehen würden. «Ich achte auch darauf, ob ein Bein oder ein Arm durchgestreckt ist oder wie genau man sich abstösst.»

Das Areal hinter dem EWL Gebäude an der Industriestrasse wird diesen Sommer zur Kulisse für die Freilichtspiele Luzern.
Das Areal hinter dem EWL Gebäude an der Industriestrasse wird diesen Sommer zur Kulisse für die Freilichtspiele Luzern. (Bild: Screenshot/Google Maps)

Bei den Proben liegt Anspannung in der Luft

Scherrer ist zufrieden mit der eistechnischen Leistung der Involvierten. «Was nicht funktioniert hat, ist, dass man jedem Charakter eine ganz eigene Gangart auf dem Eis beibringt.» Das wäre schlichtweg zu schwierig gewesen, so Scherrer: «Bei den meisten geht es eher darum, sich sicher auf dem Eis fortzubewegen.»

«Was ihr wollt» auf dem EWL-Areal

Aufgeführt wird das Stück «Was ihr wollt» von William Shakespeare: 11. Juni bis 13. Juli, EWL-Areal Luzern. Das Stück handelt vom Verücktmachen der Liebe in einer «Welt voller Liebesrausch». Regie führt Barbara Schlumpf, Autor Thomas Hürlimann schrieb die 1602 uraufgeführte Komödie für die Freilichtspiele Luzern um und hat seine eigene Handschrift sowie einige Figuren hinzugefügt. So sind die Dialoge oftmals gereimt, aber nicht in hochgestochener Sprache geschrieben.

Bei den Proben mit Regisseurin Barbara Schlumpf geht es jedoch weniger um die eiskunstläuferischen  als um die schauspielerischen Fähigkeiten. Es wird gefeilt, gelobt und kritisiert.

Trotz positiver Stimmung während der Probe herrscht ein rauer Ton. «Das war mir jetzt zu lahmarschig», meint Schlumpf zu Beginn der Probe, als einzelne Textstellen zusammen durchgegangen werden. Mit schnellem Tempo und viel Energie führt sie durch das Skript und gibt an mehreren Stellen verschiedene Anweisungen. «Nicht schön singen, es muss weh tun», meint sie etwa, als die Schauspieler bei einer Szene theatralisch «O weh», rufen.

Hier einige Eindrücke von der Probe:

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