Mit dem neuen Comedy-Festival «Emmen lacht» bringen Albi Christen und Pirmin Lötscher Farbe ins «KKL der Agglo». (Bild: Elia Saeed)
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Mit dem neuen Comedy-Festival «Emmen lacht» bringen Albi Christen und Pirmin Lötscher Farbe ins «KKL der Agglo». (Bild: Elia Saeed)

Emmen hat wieder was zu lachen

6min Lesezeit

Das traditionsreiche Nidwaldner Humorfestival erhält mit «Emmen lacht» ein Pendant. Die Gründer Albi Christen und Pirmin Lötscher sind mittlerweile zwei der einflussreichsten Comedy-Veranstalter der Zentralschweiz. Nun wollen sie eine neue Region erobern – dabei kennen sie ihr Publikum noch gar nicht.

Elia Saeed

Emmenbrücke ist zwar noch immer an vielen Stellen grau, nicht aber im Kunst- und Kongresshaus Le Théâtre beim Gersag. Dort führen pinke Treppenstufen entlang bunter Bilder hinauf in einen grossen Saal, wo Musicals, Konzerte, Parlamentssitzungen, Vereinsanlässe oder Comedy stattfindet. Das Le Théâtre ist eine der pulsierenden Gesellschaftsadern Emmens und durch seine Grösse und Einrichtung quasi ein KKL der Agglo.

Mit dem kommenden Comedy-Festival «Emmen lacht» vom 7. bis 11. Mai wird das Haus noch farbenfroher. Bis voriges Jahr gab es in einer anderen Gesellschaftsader Emmens, dem historischen Gasthaus Adler, einen gleichnamigen Comedy-Anlass von Sergio Sardella und der örtlichen Zukunftsförderung. Nach zehn Jahren war damit Schluss und es sah so aus, als ob es in der Gegend keine grosse Comedy mehr geben werde. Doch dank den Veranstaltern von «Stans Lacht» hat Emmen auch dieses Jahr wieder was zu lachen.

Eine Region lacht

«Emmen Lacht» ist das Pendant zu «Stans lacht», dem fünftägigen Humorfestival in Nidwalden, das Pirmin Lötscher und Albi Christen vor über 15 Jahren gründeten. Ihr Ziel sei, Menschen zum Lachen zu bringen und selbst eine gute Zeit zu haben. Abgesehen davon haben sie Freude am Veranstalten. Durch den Festivalerfolg in Stans wurde das Le Théâtre auf sie aufmerksam und machte ihnen ein unwiderstehliches Angebot. «Ein toller Saal», schwärmt Christen.

«Es ist unser erstes Jahr, wir müssen noch vieles herausfinden.»

Albi Christen, Veranstalter

«Der Standort und die Anbindung zur Stadt sind super», sagt Lötscher. Schon in der Realisierungsphase des Hauses warfen die beiden ein Auge darauf. In der Stadt gebe es bereits einige Kulturangebote im Comedy-Bereich, «die wollen wir nicht konkurrenzieren». Im Kleintheater ist es beispielsweise das Format «Lozärn lacht», dessen Name wohl auch von Stans inspiriert wurde. «Wir nahmen das als Kompliment», schmunzelt Christen, der auch Comedy im «Madeleine» in Luzern veranstaltet.

In Emmen wollen sie nicht erst mit Einzelveranstaltungen beginnen, sondern gleich mit einer gebündelten Reihe. Sergio Sardella begrüsst die neue Plattform, wird bei der Erstausgabe aber noch nicht auftreten.

Albi Christen (links) und Pirmin Lötscher möchten «Emmen Lacht» zu einem fixen Bestandteil des Kulturkalenders etablieren.
Albi Christen (links) und Pirmin Lötscher möchten «Emmen Lacht» zu einem fixen Bestandteil des Kulturkalenders etablieren. (Bild: Elia Saeed)

Musikalische Comedy

Bei «Emmen lacht» gebe es im Vergleich zu Stans weniger Kabarett, sagt Christen, «dafür mehr Comedy». Der Inhaber einer Werbeagentur ist der künstlerische Leiter, während Pirmin Lötscher die Geschäftsführung übernimmt. Der Event-Manager und Life-Coach sagt über die Emmer Bühne: «Sie ermöglicht uns Produktionen, die in Stans nicht möglich sind.» «Mummenschanz» zum Beispiel wollen sie schon seit Jahren veranstalten – jetzt ist es soweit. Zudem sei es ein sehr musikalisches Haus – dieses Publikum möchten sie abholen.

Neben den wortlosen Figurenkünstlern haben sie eine Doppelvorstellung mit der A-cappella-Band Bliss auf dem Programm und Tanz-Comedy mit Starbugs. Dazu mit Siebe Sieche, einer jungen, frechen Multikultitruppe (siehe Box). «Es ist unser erstes Jahr, wir müssen noch vieles herausfinden», sagt Christen.

Im Stanser «Chäslager» füllten sie zu Beginn 180 von 300 Plätzen. Mittlerweile kommen 2'500 Zuschauer während fünf Tagen ins Kollegium St. Fidelis. In Emmen haben sie diese Dimension gleich zu Beginn – das Le Théâtre fasst 556 Plätze pro Abend.

Das tanzende Trio Starbugs:

 

Noch keine Freudensprünge

Der Vorverkauf laufe erwartungsgemäss, die Auslastung liege bei über 60 Prozent. Aber: «Wir machen noch keine Freudensprünge», erzählt Christen, und Lötscher merkt an: «Vielleicht sind wir ein wenig verwöhnt.» Für eine Erstausgabe sind die Zahlen nämlich ziemlich gut. «Wenn wir in drei Jahren bei 80 bis 90 Prozent Auslastung sind, unterschreibe ich sofort», sagt Lötscher.

Lachender Frühling

Humorfestival «Emmen lacht»: 7. bis 11. Mai, Le Théâtre Emmen. Mit dabei sind die ewigen Kindsköpfe der Gesangsgruppe Bliss, poetische Kunst ohne Worte von «Mummenschanz», Stand-up-Comedy der Siebe Sieche (Joël von Mutzenbecher, Charles Nguela, Frank Richter, Gabirano, Hamza Raya, Kiko & Zukkihund) sowie Starbugs: sprunghafte Lacher mit virtuoser Bewegung.

Stans sei auch nicht immer ausverkauft, obwohl sie da ziemlich genau wüssten, wen sie wie und wo erreichen. In Emmen müssen sie ihr Publikum erst noch kennenlernen. Dennoch sind sie zuversichtlich, dass sie den Erfolg aus Stans auf Emmen übertragen können.

Die Region biete Potenzial, gleichwohl hänge es letztlich von den Künstlern ab. Zudem wollen die beiden dem Nachwuchs einen Auftritt auf grosser Bühne ermöglichen und setzen darauf, dass etablierte Künstler das kompensieren. «Mit Vorstellungen in dieser Grössenordnung entstehen Kosten, die alleine mit Eintrittspreisen gar nicht reinzuholen sind», erklärt Christen dazu. «Ohne Partner und Sponsoren ist so etwas gar nicht möglich.»

A-cappella-Comedy mit Bliss:

 

Passendes Timing

In Stans dauerte es drei Jahre, bis das Festival selbsttragend war. «Wir geben Gas wie noch nie, um die Vorstellungen zu füllen», erzählt Christen. Jeder Künstler habe ein anderes Zielpublikum mit entsprechenden Kanälen. «Bei Siebe Sieche müssen wir vor allem online arbeiten, bei «Mummenschanz» eher mit Zeitungen.»

Um die Bühnen in der Stadt nicht zu konkurrenzieren, achten die beiden bei Buchungen auf den Zyklus eines Comedians. «Wir warten ab, bis ein Künstler im zweiten oder dritten Tourjahr ist.» Einerseits, weil der Name dann bekannter sei, «andererseits, weil er dann die kleineren Bühnen schon gespielt hat».

Neben den fünf Festivaltagen wird es in Zukunft auch Einzelveranstaltungen unter dem Dach «Emmen lacht» geben. Genauso wie in Stans, wo sich das Humorfestival zum festen Bestandteil des Kulturkalenders entwickelte. Das wollen die beiden auch hier erreichen. Wie bei guter Comedy ist das richtige Timing entscheidend. Und das scheint in Emmen zu passen.

Das visuelle Theater «Mummenschanz»:

 

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