Sie ziehen ihr Ding durch: die Musikerinnen Cégiu (links), Karin Steffen und Martina Lussi (via Skype). (Bild: jwy)
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Sie ziehen ihr Ding durch: die Musikerinnen Cégiu (links), Karin Steffen und Martina Lussi (via Skype). (Bild: jwy)

«Dann bin ich gerne die Quotenfrau»

23min Lesezeit

Sie sind jung, Vollblut-Musikerinnen und veröffentlichen neue Alben: Martina Lussi, Karin Steffen und Céline-Giulia Voser. Die drei Luzernerinnen verraten, wieso Frauen perfekter auftreten müssen und warum es mehr weibliche Vorbilder braucht.

Die Elektro-Musikerin Martina Lussi, die Songwriterin Karin Steffen alias Me & The Magic Horses sowie die Cellistin und Sängerin Céline-Giulia Voser alias Cégiu: Die drei Luzernerinnen sind alle mit neuen Platten am Start (siehe Box zuunterst).

Wir haben uns an einen Tisch gesetzt, um über ihre musikalischen Projekte, die Kulturstadt Luzern und Frauen in der Musikbranche zu sprechen. Martina Lussi ist derzeit in Paris und hat via Skype teilgenommen.

zentralplus: Kennt ihr einander? Oder musstet ihr vor dem Gespräch die Namen googeln?

Martina Lussi: Ich habe tatsächlich gegoogelt (lacht). Wir sind musikalisch in recht unterschiedlichen Ecken tätig.

Karin Steffen: Vom Gesicht und von den Namen wart ihr mir bekannt, aber persönlich nicht.

Cégiu: Ich habe euch beide schon gesehen, und Karin hat mit Irascible den gleichen Vertrieb.

zentralplus: Ihr habt alle ein neues Album: Was treibt euch gerade um?

Karin: Für mich ist es eine neue Situation, weil ich erstmals alles selber manage. Beim letzten Release mit meiner früheren Band My Baby the Bomb machten wir alles zusammen. Nun veröffentliche ich die Songs einen nach dem anderen und bin auf das Feedback gespannt.

Cégiu: Ich veröffentliche drei Singles vorab mit je einem Video. Zwei Videos habe ich selber gemacht. Ich frage mich dann immer wieder: Wieso tu ich mir das an? (lacht)

zentralplus: Du bist Sängerin, Cellistin, Produzentin, Komponistin und Video-Künstlerin. Wie bringst du das unter einen Hut?

Cégiu: Keine Ahnung, irgendwie, nicht schlafen (lacht). Mit Organisation, Disziplin und Durchhaltewillen. Wenn man drin ist, macht man einfach. Da sind wir wohl alle drei ähnlich.

Martina: Mit Ehrgeiz!

Cégiu: Ich habe kürzlich mit der Musikerin Jessiquoi darüber gesprochen. Ich habe eine genaue Vorstellung, wie alles sein sollte. In der Zeit, in der ich das jemandem erklären müsste, habe ich alles schon selber gemacht. Ich habe die Kontrolle über alles und es macht mich unabhängig. Trotzdem sind Zusammenarbeiten natürlich auch sehr wertvoll.

Elektromusikerin Martina Lussi weilt zurzeit in Paris, tauft aber im März in Luzern ihre neue Platte.
Elektromusikerin Martina Lussi weilt zurzeit in Paris, tauft aber im März in Luzern ihre neue Platte. (Bild: zvg/Georg Gatsas)

zentralplus: Martina, du weilst ein halbes Jahr in Paris. Was tust du da?

Martina: Es ist ein Atelieraufenthalt der Visarte Zentralschweiz. Hier im Hintergrund seht ihr mein Studio mit Ausblick, es ist echt schön. In den Gebäuden der Cité Internationale des Arts sind 300 Künstlerinnen und Künstler temporär zuhause – das ist eine sehr tolle Situation.

zentralplus: Wie gefällt es dir?

Martina: Es läuft so viel, Paris ist für mich als Musikerin extrem spannend. Um die Ecke befindet sich die Fondation «Lafayette Anticipation» mit einem tollen Musikprogramm, das sich mit meinen Interessen deckt. Heute Morgen war ich das erste Mal an einer Fashion-Show, weil ich den Musiker kenne, der den Sound dafür gemacht hat. Ich lerne jeden Tag neue Orte und Menschen kennen, zu denen ich zuvor keine Connections hatte. An einem neuen Ort tut sich so viel auf.

zentralplus: Würdest du gern in Paris bleiben?

Martina: Jetzt grad würde ich gern bleiben. Aber Luzern gefällt mir gut, ich kann da gut arbeiten. In Paris kann ich sehr gut überall hingehen, aber ich bin noch nicht richtig zum Arbeiten gekommen.

«Ich denke nicht in einer Sprache.»

Cégiu

zentralplus: Karin und Cégiu, eure Alben heissen «Restless Roots» und «Travelling Roads». Seid ihr im Moment rastlos?

Karin: Ja voll.

Cégiu: Definitiv (lacht). Nicht nur im Moment, immer.

Karin: Ich höre so breit gefächert Musik. So ist auch das Album entstanden: Wir haben verschiedene Gebiete auskundschaftet und alles zusammengewürfelt. Durch die Reisen in verschiedene Gebiete hat es Sinn gemacht, das Album «Travelling Roads» zu nennen.

Martina: Das mit den unterschiedlichen Stilen deckt sich mit meinem Album, jedes Stück ist eigen.

Cégiu: Ich konnte auch nie viel mit Stilbezeichnungen anfangen, alles fliesst ein und beeinflusst mich. Zudem sprechen wir zuhause Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch. Wenn ich Songtexte schreibe, denke ich nicht in einer Sprache, sondern es kommt jenes Wort, das für mich stimmt. Gewisse Ausdrücke gibt es nur in einer bestimmten Sprache.

zentralplus: Sind deine Songs vertonte Erinnerungen?

Cégiu: Erinnerungen und Reflexionen sind ein grosses Thema auf dem Album. Ich versuche, mich zu spiegeln: Wo bin ich in dieser Gesellschaft? Vieles ist heute so orts- und materialgebunden, das kenne ich überhaupt nicht. Ich hatte nie das Gefühl, an einem bestimmten Ort zuhause zu sein.

Martina: Ich wollte nie weg, auch als Teenie nie. Ich fand es ok, zuhause zu bleiben, und bin immer in Luzern geblieben, auch als ich in Bern studiert habe. Erst später hat es sich durch Stipendien so ergeben.

Rastlose Musikerin: Cégiu veröffentlicht im März ihr zweites Album.
Rastlose Musikerin: Cégiu veröffentlicht im März ihr zweites Album. (Bild: zvg/Gian Marco Castelberg)

zentralplus: Martina, dich konnte man im Herbst auf dem Sprungturm im Neubad-Pool erleben, deine Plattentaufe ist im Südpol-Club und an den Stanser Musiktagen trittst du in einer Kirche auf. Wo funktioniert dein Ambient-Sound am besten?

Martina: An Orten, wo die Leute konzentriert zuhören können. In einer Kirche habe ich noch nie gespielt, das nimmt mich selber wunder. Im Neubad auf dem Sprungturm befand ich mich deutlich über dem Publikum und habe die Leute reden gehört, das war eine seltsame Situation.

zentralplus: Dein Sound ist ein Mix aus Field Recordings, Synthies, Samples, Stimmen. Wie arbeitest du?

Martina: Ganz unterschiedlich. Meistens gehe ich für neue Stücke von konkreten Orten aus. Es kann sein, dass ich Geräusche im Studio nach meiner Vorstellung aufnehme, oder es sind Field Recordings. Ich benutze meist keine «richtigen» Instrumente. Mit dem Computer versuche ich Sounds nachzubilden, etwa eine bestimmte Materialität oder Räumlichkeit.

zentralplus: Cégiu, auch du arbeitest mit viel Elektronik, Cello-Sounds und Stimmeffekten. Siehst du Parallelen?

Cégiu: Als ich deine Sachen hörte, Martina, habe ich sehr viele Parallelen entdeckt. Meine bisher beste Show war interessanterweise auf einer Ambient-Bühne an einem Elektro-Festival. Mitten im Wald an einem See – das war super.

Martina: Ich glaube, unsere Musik hat mit Hinhören zu tun.

Cégiu: Ja. Ich arbeite auch mit Alltagsgeräuschen. Die Beats auf dem neuen Album sind Kofferräder auf der Strasse. Die Idee kam mir in Leipzig, weil es so coole Rhythmen gab auf den Kopfsteinpflastern. Also bin ich zwei Jahre mit dem Handy im Aufnahmemodus herumgelaufen. Die Klänge erkennt man jetzt nicht mehr als Kofferräder.

«Wir müssten Musik für Netflix machen!»

Martina Lussi

zentralplus: Karin, im Gegensatz dazu ist dein Album Singer/Songwriter-Handwerk. Du hast mit Timo Keller von Hanreti zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Karin: Timo und ich haben schon seit dem Aus von My Baby the Bomb zusammengearbeitet. Wir tauschten immer wieder Songskizzen aus, aber es kam nie der richtige Zeitpunkt. Vor zwei Jahren hatte ich ein kreatives Hoch und kam mit neuen Songskizzen. Wir haben begonnen, daran zu feilen.

zentralplus: Nun hast du eine ganze Band um dich geschart?

Karin: Als es darum ging, die Songs zu vertonen, haben wir uns für das Studio sozusagen eine Wunschband zusammengestellt. Jetzt haben alle so Spass daran, dass wir das auch live mit der Band spielen.

zentralplus: Ist es dein bisher persönlichstes Werk?

Karin: Ja, absolut. Ich hatte alle Freiheiten und gemacht, was ich wollte. Gleichzeitig habe ich mich voll auf die Musiker eingelassen, alle haben sich eingebracht und etwas entworfen, auf das ich alleine nicht gekommen wäre.

Karin Steffen alias Me & The Magic Horses veröffentlicht ihr erstes Solo-Album.
Karin Steffen alias Me & The Magic Horses veröffentlicht ihr erstes Solo-Album. (Bild: zvg/Silvio Zeder)

zentralplus: Wieso arbeitet ihr nicht mit Band, Martina und Cégiu?

Martina: Mit einem Orchester zu arbeiten, wäre mein Traum. So könnte ich riesige Flächen dirigieren. Aber ich wüsste nicht, wie ich vorgehen müsste, damit nicht gewisse Musikerinnen und Musiker bei der Erarbeitung des Stücks gelangweilt dahocken würden. Vielleicht muss ich eher klein anfangen (lacht).

Cégiu: Ich kenne beide Seiten. Neben meinem Soloprojekt habe ich auch andere Projekte, bin Sidewoman in Bands und spiele im Orchester. Aber für mein Album fühlte ich mich sehr wohl allein.

zentralplus: Was ist euer Antrieb, Musik zu machen? Ist die Wertschätzung für gute Musik noch da, wenn alles gratis und frei ist?

Martina: Die Wertschätzung ist schon da, ich treffe viele Leute, die mir Rückmeldungen geben. Darum mache ich das: Es ist ein schöner Austausch.

zentralplus: Aber reicht ein Act auf der Bühne heute noch, um die Leute von ihrem Netflix loszureissen?

Martina: Wir müssten halt auch Musik für Netflix machen!

Cégiu: Meine Musik wurde mal für eine Fernsehdoku gebraucht, sowas würde ich gerne machen. Aber ich finde auch nicht, dass Musik weniger wertgeschätzt wird, einfach auf eine andere Art.

Karin: Das Angebot ist gewaltig. Du kannst ständig auswählen, vielleicht gibt es einfach zu viel, einzelne gehen schnell unter.

Martina: Gab’s das nicht schon immer? Viele Leute, die Musik machen?

Cégiu: Es ist heute einfacher, etwas zu releasen, der Zugang ist niederschwelliger. Aber mir gefällt auch der Austausch mit dem Publikum. Kürzlich fingen bei einem Auftritt drei Personen an zu weinen, das war ein so intensiver Austausch.

Karin: Das sind genau solche Sachen, die du zurückbekommst. Das erfüllt einen sehr.

Me & The Magic Horses: «It ain’t you»:

 

Cégiu: Ein weiterer Antrieb ist: Ich habe immer so viele Ideen im Kopf. Wenn ich nichts machen kann, habe ich das Gefühl, dass ich explodiere. Die Musik ist ein Ventil und gibt mir Schub. Dann ist es sekundär, ob das jemals jemand hört. Ich bin dann in meinem Rabbit-Hole am rumnerden.

Martina: Das ist wichtig: Man macht es sowieso – und mit einer gewissen Konstanz. Heutzutage hat man schnell etwas auf Soundcloud veröffentlicht, aber man stellt bald einen Unterschied fest – jene, die weitermachen und Beständigkeit haben, gehen nicht gleich wieder unter.

zentralplus: Wir kommen um das Thema nicht herum: Ihr seid immer noch die Ausnahme als Frauen in der Musik.

Martina: Sind wir das?

zentralplus: Woran liegt’s?

Karin: Ich find’s eine mega schwierige Frage …

Cégiu: Ich gebe in Luzern Workshops von Helvetiarockt. Vorher war das für mich gar kein Thema. Mir ist gar nie aufgefallen, dass ich meist um Männer herum bin.

Karin: Das war bei mir genau gleich. Ich habe es nicht bewusst wahrgenommen und nie gross hinterfragt. Du machst mit jenen Musik, die du magst.

Cégiu: Ich stand den Workshops zuerst kritisch gegenüber. Mittlerweile finde ich, dass es sie unbedingt braucht! Die jugendlichen Frauen sind unglaublich selbstkritisch und hinterfragen alles. Auch wenn ein Song saugut ist, zweifeln sie. Sie brauchten jemanden, der ihnen das sagt! Und das muss eine Frau sein.

«Du trittst als Vorbild für andere auf, selbst wenn dir das nicht bewusst ist.»

Karin Steffen

zentralplus: Was braucht es, damit Frauen in der Musik zur Normalität werden?

Cégiu: Es hat wahnsinnig viel mit Projektionen und Gender-Rollen zu tun, die in der Gesellschaft verankert sind. Bei Mädchen heisst es immer: Pass auf, mach das ja nicht! Beim Bub finden es alle super, wenn er wild tut und laut ist.

Karin: Ich arbeite als Primarlehrerin, ich sehe es bei meinen Kindern. Die Buben bringen viel mehr Selbstbewusstsein, machen Dinge, ohne zu studieren, laufen voll rein. Mädchen haben eher die ängstlichen Rollen und zweifeln.

Martina Lussi: «Expectation or Obsession»:

zentralplus: Wird man als Frau auch weniger ernst genommen?

Martina: Ja. Etwa wenn es um technische Probleme geht, fragt man eher den Mann. Ich wüsste zwar oft, wie etwas hätte gelöst werden können, wurde aber nicht gefragt. Ich gerate auch jetzt noch oft in solche Situationen. Technisches schreibt man immer noch dem Mann zu.

Cégiu: Kürzlich kam ein Techniker vor einem Konzert zu mir und fragte mich nach der Sample-Rate-Einstellung. Es war eine dieser Testfragen. Ich musste laut lachen, weil ich diese Fragen mittlerweile so gut kenne.

Martina: Als Frau muss man möglichst selbstbewusst auftreten und diese Sachen einfach wissen. Wenn ein Mann mal die Sample-Rate nicht weiss, ist das egal, aber als Frau muss man das wissen. Es wird erwartet, dass man perfekter ist.

zentralplus: Frauenquote, Frauenanteil an Festivals, Frauenförderung: Nervt es euch, dass man darüber reden muss?

Martina: Es nervt mich, dass es 2019 immer noch ein Thema ist! Ich find’s deshalb auch ok, wenn es bei Musikveranstaltungen heute Quoten gibt. Ich bin dann auch gerne die Quotenfrau, weil ich glaube, dass sich dadurch nachhaltig etwas ändert.

Cégiu: Ich bin total einig, mich nervt, dass es ein Thema sein muss. Wir sind doch alle einfach Menschen.

Karin: Ja, es sollte gar nicht ums Geschlecht gehen.

Martina: Wenn man’s nur thematisiert, ändert das nichts. Meine Strategie ist: Ich trete einfach selbstbewusst und selbstverständlich auf und mache das Geschlecht gar nicht zum Thema.

Karin: Dann trittst du auch als Vorbild für andere auf, selbst wenn dir das nicht bewusst ist.

Cégiu: Apropos Vorbild, mein vierjähriger Sohn fand kürzlich: Eine Frau kann nicht Bass spielen. Im Ernst? Was hat das mit Mann und Frau zu tun? Wie kam er darauf? Er kennt doch Bassistinnen – aber er sah sie noch nie live spielen. In allen Videos, die er sieht, spielen Männer Bass. Es braucht mehr sichtbare weibliche Vorbilder!

Karin: Eine Frau etwa mit AC/DC auf Tour an den Drums – so ein Bild würde etwas bringen.

Cégiu: Und dann tauchen wieder Fragen auf wie: Wie machst du das, wenn du Kinder hast? Ja, dann nimmst du sie mit auf Tour oder suchst eine andere Lösung! Dann wirst du halt angefeindet und du musst einfach Ohren und Augen zuhalten. Diese Frage hört ein Mann wahrscheinlich kaum!

Cégiu: «Louise»:

 

zentralplus: Bald sind eure Plattentaufen. Wie sinnvoll ist es, heute noch Platten zu machen? Es gibt ja andere Kanäle.

Cégiu: Ich wollte lange nichts auf Platte aufnehmen, es entstand alles im Moment, je nach Ort und Publikum. Aber ich wurde immer öfters gefragt, ob ich eine CD habe. Für mich muss es etwas Spezielles sein, die erste Platte war ein handgebundenes Fotobuch, jetzt bringen wir es als Vinyl.

zentralplus: Wollten die Leute Musik also immer noch gebündelt?

Martina: In meinem Bereich gibt es halt DJs, die Platten kaufen und auflegen. Ich selber sammle keine Platten, ich investiere lieber in die Infrastruktur, die mir das Produzieren von Musik erlaubt. Für mich ist die Platte nicht unbedingt das perfekte Format. Stücke, die ich für Soundinstallationen komponiere, dauern je nachdem 20 Minuten oder eine Stunde. Ich glaube, ich mache Platten auch, weil es eine Nachfrage gibt.

Karin: Wenn ich an ein Konzert gehe und es mir gefällt, dann laufe ich mega gern mit einer Platte nach Hause. Ich will die Musik mitnehmen und in Händen halten.

Cégiu: Es macht das Auditive so haptisch.

Martina: Aber Platten brauchen auch so viel Platz. Ich habe mir lange überlegt, wieso Leute eine Plattensammlung haben. Ich glaube, es macht Sinn, weil sie den eigenen Musikgeschmack abbildet. Das ist vielleicht auch ein wichtiger Grund, wieso man ernsthaft noch Material sammelt. Sammlungen konkretisieren etwas ganz Abstraktes. Ich selbst höre mir viele verschiedene Sachen an und vergesse sie dann wieder. Vielleicht sollte ich Platten sammeln.

zentralplus: Was ist euer Ziel: Radio, Spotify-Playlists, Auftritte?

Martina: Dass ich die Musik überhaupt machen kann und die Leute sie hören können. Wo, ist mir aber egal. Live bevorzuge ich nicht unbedingt, ich bin ja auch keine Band.

Karin: Ich bevorzuge live, das ist das Hauptziel und meine Leidenschaft.

Martina: Ich arbeite etwas anders. Bei elektronischer Musik ist es schon die Frage, wie man sie präsentiert. In meinem Fall kann ein Stück  genauso gut in einer Installation enden – und eine Installation ist für mich nicht weniger wertvoll als ein Auftritt.

zentralplus: Rückmeldungen sind aber wichtig?

Cégiu: Einer hat mir kürzlich auf mein Video ein mega persönliches Mail geschrieben. Ich stelle mir dann vor, wie er das hört und schaut. Das ist natürlich schön.

Martina: Der Austausch ist im Musikkontext echt verrückt, irgendwelche Leute von irgendwo schreiben mir: «Ich habe mir deine Sachen angehört.» Es kommen so ehrliche und direkte Rückmeldungen per Mail, Instagram oder Facebook. Präsentiere ich den gleichen Sound im Kunstkontext, trauen sich die Leute weniger, etwas darüber zu sagen. Da habe ich aber natürlich auch nicht die gleiche Reichweite, weil eine Ausstellung auch real besucht werden muss.

Drei Alben und drei Plattentaufen

Karin Steffen (32) alias Me & The Magic Horses veröffentlicht am 8. März ihr erstes Solo-Album «Travelling Roads». Die Singer/Songwriterin (ehemals My Baby the Bomb) hat das Album mit Timo Keller (Hanreti) produziert und aufgenommen. Ihre Band setzt sich aus bekannten Luzerner Musikern zusammen: Jwan Steiner (Schlagzeug), Urs Müller (Gitarre) und Pascal Eugster (Bass) zusammen. Plattentaufe: Samstag, 9. März, Schüür Luzern

Céline-Giulia Voser alias Cégiu (34) veröffentlicht drei Jahre nach ihrem Debüt am 12. April ihr zweites Album «Restless Roots». Die in Luzern lebende Zuger Musikerin ist auch im Vorstand des Netzwerkes Other Music Luzern. Ihre sieben neuen Stücke widmet Cégiu «den Menschen, die mit meiner Herkunft und meiner rastlosen Seite etwas zu tun haben», so die Musikerin. Konzerte: Samstag, 27. April, Chäslager Stans, Sonntag, 26. Mai, Burgbachkeller Zug

Martina Lussi (31) hat im Januar ihre zweite LP «Diffusion Is A Force» auf dem Pariser Label Latency veröffentlicht. Von Januar bis Ende Juni weilt die Klangkünstlerin für eine Residenz in Paris. Sie setzt auf ihrem Album auf die Gleichwertigkeit von unterschiedlichem Klangmaterial: Field Recordings, Gitarren-Sounds, Beats oder synthetische Klänge. Plattentaufe: Freitag, 15. März, Südpol Luzern. Konzert an den Stanser Musiktagen: Samstag, 4. Mai, Unteres Beinhaus.

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