Mario Stübi schmeisst eine «Bravo Hits»-Party, hier in St. Gallen. (Bild: zvg)
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Mario Stübi schmeisst eine «Bravo Hits»-Party, hier in St. Gallen. (Bild: zvg)

Luzerner «Bravo Hits»-Party: Von der Geburi-Sause zum Export-Schlager

7min Lesezeit

Zehn Jahre lang lieferte er zuverlässig frühmorgens Ausgeh-Tipps. Noch länger schmiss er die «Bravo Hits»-Partys, eines der erfolgreichsten Labels des Landes. Nun geht beides zu Ende. Lässt es Mario Stübi jetzt ruhiger angehen?

Für Mario Stübi gehen zwei Dinge zu Ende: Er ist nicht mehr der Luzerner Ron Orp, der die Stadt frühmorgens verlässlich mit Ausgangstipps beliefert. Und die von ihm lancierte «Bravo Hits»-Party geht diesen Samstag in der Schüür zu Ende (zentralplus berichtete). Laut Schüür ist es das «erfolgreichste, regelmässig stattfindende Party-Format in der Zentralschweiz», kürzlich gab’s dafür einen Kick Ass Award.

Ron Orp und «Bravo Hits», beides hat der 34-Jährige über zehn Jahre lang gemacht – und für beides gibt es eine Nachfolge. Die Arbeit für den Luzerner Newsletter Ron Orp mit rund 12’000 Abonnenten teilen sich neu Lina Kunz, Jara Helmi und Emilio Masullo. Und auch die 90er-Hits sind noch lange nicht ausgeklungen: Als Ersatz feiert die Party-Reihe «Flashback» mit dem gleichen DJ ab 29. März weiter.

zentralplus: Man könnte befürchten, der Mario Stübi werde bequem und häuslich.

Mario Stübi: Nein gar nicht, die Party geht ja weiter, sie hat nur einen anderen Namen. Wer gern an die «Bravo Hits»-Partys ging, kann künftig an die «Flashback». Mit Ron Orp habe ich aufgehört, weil ich jetzt einen Job habe, bei dem ich mehr eingespannt bin.

zentralplus: Die «Bravo Hits»-Party ist klein gestartet.

Stübi: 2006 haben wir zu dritt im Treibhaus angefangen. Nach ein paar Jahren, als es zu gross wurde, konnten wir in die Schüür wechseln. Ich bin einfach jener, der der Party bis heute die Stange gehalten hat. Aber die Lorbeeren gehören nicht nur mir.

zentralplus: Aus einer Geburtstagsparty wurde ein nationales Label?

Stübi: «Bravo Hits»-Partys gibt es an vielen Orten, aber aufgrund der Party in Luzern haben es andere Clubs übernommen. Sie haben gesehen, dass es läuft und haben uns als DJs angefragt. Darum bin ich auch regelmässig in Solothurn, Bern oder St. Gallen engagiert. Die Partys sind Teil meines Einkommens.

«Alle diese schlimmen Überhits.»

zentralplus: Sind Ihnen die 90er-Hits nicht verleidet?

Stübi: Nein, sonst würde ich es nicht mehr machen.

zentralplus: Welche Hits funktionieren immer?

Stübi: «Wannabe» von den Spice Girls, «Macarena», «Coco Jambo» – alle diese schlimmen Überhits.

zentralplus: Kürzlich haben Sie eine Geschäftsidee auf Facebook gepostet: «Dancefloor-Einheizer für Schweizer Partys». Bräuchte es das?

Stübi: Es gibt viele Leute, die gern um 22 Uhr in einen Club gehen. Aber weil der Schweizer verklemmt ist, geht es meist erst um 1 Uhr richtig los. Also bräuchte es Leute, die das Einheizen übernehmen. Bei den «Bravo Hits»-Partys ist das lustigerweise anders, der Dancefloor ist in der Schüür um 22.30 Uhr voll. Ebenso im Bierhübeli Bern oder im Kugl St. Gallen – es geht von Anfang an ab. Das ist der Traum jedes Veranstalters.

Mario Stübi verschenkt auch Geschäftsideen – etwa diese.
Mario Stübi verschenkt auch Geschäftsideen – etwa diese. (Bild: Facebook)

zentralplus: Zurück zu Ron Orp: Sind Sie zu alt geworden für Ausgangstipps?

Stübi: Ich fand es nach zehn Jahren einen guten Zeitpunkt, das Medium in jüngere Hände zu geben. Sie sehen vielleicht Sachen, die ich nicht mehr mitbekomme. Und ich will Ron Orp auch als Leser weiter interessant finden.

Zur Person

Auch ohne Ron Orp ist Mario Stübi ein «Hans Dampf in allen Gassen»: Er sitzt für die SP im Stadtparlament, arbeitet seit diesem Jahr als Projektleiter für die SP Schweiz, ist im Vorstand der IG Kultur, organisiert den Neubad-Talk, spielt Saxofon in der Swingin’ Sponge Bigband…

zentralplus: Braucht es also die Altersguillotine, wie beim Radio 3fach?

Stübi: Es gibt eigentlich keine, die habe ich mir selber gegeben. Aber ich finde Altersguillotinen super, die sollte man auch in der Politik einführen.

zentralplus: Wieso braucht es drei Personen, um einen Stübi zu ersetzen?

Stübi: Die Arbeit wird nicht mehr, ich habe sie alleine gemacht, weil es so stimmte für mich. Aber ich find’s cool, wenn es jetzt ein Team ist und auch Frauen dabei sind. Mehr Leute wissen mehr, denken mehr und bekommen mehr mit. Ich finde, sie machen das bis jetzt super.

«Gut gemachte Newsletter werden verdammt gut gelesen.»

zentralplus: Man hat den Übergang gar nicht bemerkt.

Stübi: Der Witz ist ja: Der «Ron» schreibt den Newsletter, es spielt keine grosse Rolle, wer dahintersteckt.

zentralplus: Sie haben den Luzerner Ron geprägt: Wer ist er? Gerüchteküche, Kommentator, Partyfüdle?

Stübi: In erster Linie soll er sagen, was los ist, und klar selektionieren. Es läuft so viel, man muss den Mut haben, Sachen wegzulassen. Wenn etwa das B-Sides ausverkauft ist, braucht es keine Aufmerksamkeit mehr. Dann schaue ich lieber, was sonst noch läuft. Ron soll das Stadtleben auch kommentieren und die Leserschaft – die Stadtkinder – miteinbeziehen.

zentralplus: Newsletter wurden schon oft totgesagt, erleben diese ein Revival?

Stübi: Gut gemachte Newsletter werden verdammt gut gelesen. Du musst als Leser nichts machen, sie landen einfach in deiner Inbox. Bei Ron Orp ist der Newsletter der Hauptkanal auf die Seite.

zentralplus: Wird Ron Orp auch tatsächlich von Jungen gelesen? Oder vor allem von Leuten, die gar nicht mehr ausgehen, aber sehen wollen, was so läuft?

Stübi: Sowohl als auch. Ich kenne einige Ältere, Mamis und Papis, die froh sind, dass sie noch etwas mitbekommen, auch wenn sie nicht mehr so rauskommen. Aber wenn man sieht, wie viele WG-Zimmer-Inserate es auf der Website hat, dann sieht man, dass auch eine junge Leserschaft existiert. Die genaue Altersstruktur kenne ich nicht, aber es sind mehr Frauen als Männer.

zentralplus: Wie orientieren Sie sich über das Geschehen in der Stadt?

Stübi: Viele Ideen wurden mir von Veranstaltern und Stadtkindern zugetragen. Aber das Beste ist immer noch: Nicht nur zuhause hocken, sondern die Augen und Ohren offen halten, etwa in Beizen. Facebook ist auch ein guter Ratgeber, aber wenn du nicht in der Bubble verharren willst, musst du raus.

Die letzte «Bravo Hits»-Party: Samstag, 2. März, 22 Uhr, Schüür Luzern

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