Die Zuger Sinfonietta im Lorzensaal in Cham. (Bild: Facebook/Zuger Sinfonietta)
Kultur Rezension

Die Zuger Sinfonietta im Lorzensaal in Cham. (Bild: Facebook/Zuger Sinfonietta)

Mit der Zuger Sinfonietta im Lorzensaal in Cham

4min Lesezeit

Das Chamer Publikum wurde am Samstagabend musikalisch verwöhnt. Die «Zuger Sinfonietta» gab Stücke von Chopin, Bizet aber auch von Cyrill Schürch zum Besten. Das Publikum wurde von einer Besetzungsänderung überrascht.

Marinella Polli

Die Zuger Sinfonietta, 1998 gegründet, feiert in dieser Konzertsaison ihr 20-Jahr-Jubiläum; Chefdirigent ab der Saison 2016/2017 ist der seit 2012 auch als Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Mecklenburgischen Staatskapelle und des Stadttheaters in Schwerin amtierende Daniel Huppert.

Die Zuger Sinfonietta gehört bestimmt zu den führenden Orchestern der Zentralschweiz, nicht nur weil sie mit national und international berühmten Künstlern zusammenarbeitet, sondern auch weil sie sich nach wie vor durch interessante und oft innovative Konzertprogramme auszeichnet.

Unter dem Titel «Chamer Klassik Abo» führt das Orchester im Lorzensaal Cham eine eigene, von seinem Publikum äusserst beliebte Abo-Konzertreihe durch.

Besetzungsänderung für das Konzert vom Samstag

Anlässlich des dritten Abo-Konzerts am Samstag wurden die zahlreichen Besucher mit einer unerwarteten Besetzungsänderung konfrontiert: Da Louis Schwizgebel leider krankheitsbedingt seinen Auftritt absagen musste, übernahm für ihn Teo Gheorghiu (derselbe Teo Gheorghiu, der den zwölfjährigen Vitus in Fredi Murers mehrfach ausgezeichnetem Film interpretierte) den Solopart in Chopins 1. Klavierkonzert, das als dritter Teil des Programms vorgesehen war.

Es beginnt mit einer Komposition von Cyrill Schürch

Das Publikum erlebte am Samstag darüber hinaus auch eine ganz spezielle, angenehme Überraschung: die Uraufführung eines Auftragswerks des Kompositions-, Klavier- und Theorielehrers Cyrill Schürch, dem stellvertretenden Leiter der Musikschule der Stadt Zug.

Für die Zuger Sinfonietta komponierte er «Torsions», ein beindruckendes, pulsierendes Werk für Kammerorchester, das sehr überzeugend von der Grossstadt Paris erzählt. Es war der perfekte Link zu den zwei anderen Komponisten des Abends: zu Georges Bizet, der in Paris geboren und aufgewachsen ist, und Frédéric Chopin, für welchen Paris immer die schönste Stadt der Welt war.

Man braucht nur genau hinzuhören, um schnell zu merken, dass in Schürchs neuster Komposition auch Reminiszenzen von Gershwins «An American in Paris» zusammen mit bekannten Tönen vom heutigen Verkehr erklingen; aber auch kleinere Motive von Edith Piaf, von Ella Fitzgeralds «I love Paris» und sogar von «La Marseillaise».

Reminiszenzen und Motive, die eigentlich, wie der eloquente Werktitel «Torsions» suggeriert, auch als eine Art Verzerrungen, Verdrehungen und Verwindungen zu sehen sind und die natürlich in der spezifischen Tonsprache des Komponisten eigens wiedergegeben werden.

Bizets Sinfonie Nr. 1 C-Dur (1855)

Der Anstoss für die Sinfonie Nr. 1 von 1855 (die leider zu Lebzeiten des französischen Komponisten nie zur Aufführung kam, sondern erst im 1935 von Felix Weingartner in Basel erstmals aus der Taufe gehoben wurde) war Gounods Sinfonie Nr. 1 aus dem gleichen Entstehungsjahr, für die Bizet eine Fassung für zwei Klaviere erstellen sollte.

Die vier vom 17-jährigen Bizet komponierten einprägsamen Sätze: 1. Allegro vivo, 2. Adagio, 3. Scherzo: Allegro vivace, 4. Finale: Allegro vivace wurden von Daniel Huppert mit dem richtigen Feeling und Enthusiasmus dirigiert und von der Zuger Sinfonietta grossartig gespielt, indem Maestro und Orchestra sie all’unisono klanglich wie ein Feuerwerk entfalten liessen, ohne aber ihre Leichtigkeit und Nuancen vergessen zu lassen.

Chopins 1. Klavierkonzert

Nach der Pause spielte Teo Gheorghiu, der wie gesagt für den erkrankten Louis Schwizgebel einsprang, Frédéric Chopins Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll op. 11 in einer Bearbeitung des Pariser Oboisten David Walter. Das Spiel des 27-jährigen Gheorghiu faszinierte durch seine Brillanz, Leichtigkeit und Farbigkeit, aber auch Melancholie und Gefühlsseligkeit in Chopins Meisterwerk kamen grossartig zum Ausdruck.

Das aufmerksame Publikum hat dieses dritte Abo-Konzert mit grosser Begeisterung aufgenommen, indem es Daniel Huppert und alle Künstler der Zuger Sinfonietta mit einem verdienten langen und warmen Applaus sowie Teo Gheorghiu mit einer rauschenden Standing Ovation belohnte. Der hervorragende Pianist verwöhnte die Zuhörer mit Zugaben, darunter Claude Debussys «Clair de lune» (der 3. Satz der «Suite Bergamasque»).

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