Gehören zur Zuger Humorfraktion (von links): Jonny Fischer, Marco Rima und Michael Elsener. (Bild: Montage zentralplus)
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Gehören zur Zuger Humorfraktion (von links): Jonny Fischer, Marco Rima und Michael Elsener. (Bild: Montage zentralplus)

Warum es so viele bekannte Zuger Comedians gibt

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Zug ist ein kleiner, unscheinbarer Kanton. Doch offenbar ein äusserst lustiger, wenn man die hohe Dichte an populären Comedians betrachtet. Für die Komiker gibt es dafür eine schlüssige Erklärung. Denn eine Einrichtung hat sich als besondere Brutstätte hervorgetan.

Marco Rima? Wohnt schon seit Jahren in Oberägeri. Rob Spence? Hat seine Zelte in Zug aufgeschlagen. Sven Furrer? Ist in Baar zuhause. Michael Elsener? Ist sowieso ein Zuger. Jonny Fischer und Manuel Burkart von Divertimento? Genauso. Wie auch Isabelle Flachsmann von den «Exfreundinnen». Stephan Schmidlin, eine Hälfte des ehemaligen Erfolgsduos Schmirinski's? Hat sein Atelier in Cham. Die andere Hälfte René Rindlisbacher? Ist in Affoltern am Albis nahe an der Zuger Kantonsgrenze aufgewachsen.

Zug, der kleine Kanton, der allzu oft auf seine Wirtschaftskraft beschränkt wird, kann also ohne Weiteres als Comedy-Hochburg bezeichnet werden. Aber warum?

Eine besondere Brutstätte

Sven Furrer (Ex-Edelmais) sagt: «Ich glaube nicht, dass es am Kanton liegt.» Vielmehr hat er einen ganz bestimmten Ort in der Stadt Zug im Visier.

«Lehrer sind gewissermassen auch Showmaster.»

Sven Furrer, in Baar wohnhafter Comedian

Nämlich das ehemalige Lehrerseminar St. Michael an der Zugerbergstrasse. Sven Furrer war einer der Absolventen des «Lehrersemis», das bis 2006 existierte, bevor es in die Pädagogische Hochschule Zug überging.

Die Sache mit den Ex-Lehrern

«In der Schweizer Comedy-Szene tummeln sich auffallend viele Ex-Lehrer, die dort ihre Ausbildung absolviert haben. Und Lehrer sind gewissermassen auch Showmaster», sagt Furrer. Die Herausforderung bestehe darin, den Schülern den Stoff so zu vermitteln, dass er nicht ein paar Minuten später schon wieder aus den Köpfen verschwunden ist.

Die Brutstätte: Das Lehrerseminar St. Michael in Zug.
Die Brutstätte: Das Lehrerseminar St. Michael in Zug. (Bild: Wikimedia)

«Das Semi war ein Mikrokosmos, in dem wir uns einerseits gegenseitig angesteckt haben, und auf der anderen Seite die Schwellenangst, vor anderen Leuten aufzutreten, abgebaut werden konnte», so Furrer weiter. Der 48-Jährige bezeichnet das Semi als «Nährboden für Gleichgesinnte».

Sven Furrer als Rudi Carrell

Musische Fächer seien damals ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung gewesen, wovon «wir enorm profitiert haben», sagt Furrer. «Ein wenig Talent, Mut und die Bereitschaft, sich auf der Bühne zu exponieren, sollte man schon mitbringen.» Dies reiche aber nicht, es gebe noch einige Fähigkeiten, die man sich erarbeiten müsse.

«Ich hatte immer eine parodistische Ader, konnte Dialekte und Figuren nachmachen.» Vor vielen Jahren an der Maturafeier eines Kollegen habe er sich als Rudi Carrell versucht, lange vor den ersten ernsthaften, komödiantischen Gehversuchen.

«Zuger bieten wenig Reibungsfläche.»

Jonny Fischer, Zuger Comedian

Ebenfalls am Lehrersemi waren Divertimento. Jonny Fischer und Manuel Burkart besuchten dieselbe Klasse, stiessen drei Jahre nach Furrer ans St. Michael. Burkart besuchte unter Sven Furrer gar einen Pantomimekurs.

Die fehlende Reibungsfläche

Auch Jonny Fischer erwähnt, angesprochen auf das Zuger Komiker-Phänomen, das Lehrerseminar. Dass die Ex-Lehrer-Dichte unter Comedians so hoch ist, sei laut Fischer innerhalb der Szene absolut ein Thema – im Gegensatz zur Zuger Dichte.

Dafür hat er eine Erklärung bereit: «Zuger bieten wenig Reibungsfläche. Nur schon der Dialekt fällt nicht auf. Bei Claudio Zuccolini als Bündner oder Sven Furrer als gebürtiger Walliser sieht es diesbezüglich natürlich anders aus.»

Waren jahreland als Duo Edelmais unterwegs: Sven Furrer (links) und René Rindlisbacher.
Waren jahreland als Duo Edelmais unterwegs: Sven Furrer (links) und René Rindlisbacher. (Bild: Facebook Edelmais)

Fischer lobt die Möglichkeiten, welche dieser kleine Kanton im Comedy-Bereich biete. «Die Zuger Kulturszene ist breit und offen, man hat die Möglichkeit, auf kleinen Bühnen zu beginnen», sagt der 39-Jährige und erinnert sich sogleich an seine eigene Anfangszeit mit Manuel Burkart zurück: «Wir haben in der Baarer Rathus-Schüür und im Burgbachkeller begonnen.»

Sich an Marcocello und Schmirinski's orientiert

Vorbilder waren zu dieser Zeit das Zuger Cabaret-Duo Marcocello, bestehend aus Marco Rima und Marcello Weber (zentralplus berichtete), und die Schmirinski's. Eine Hälfte davon: René Rindlisbacher.

Rindlisbacher denkt zurück an den Beginn der beide erwähnten Duos Mitte der 1980er-Jahre. «Wir fanden es cool, dass der Kanton Zug auf die Comedy-Landkarte kam. Davor spielte sich die Szene vor allem in den grossen Städten wie Zürich oder Basel ab.»

Um in Erinnerungen zu schwelgen:

Inspiriert von Emil Steinberger und dem Cabaret Rotstift tingelten René Rindlisbacher und Stephan Schmidlin zu Beginn durch Aulas und kleine Säle, verdienten sich ihre Sporen, bevor es 1992 mit «Die Unvollendete» auf die grossen Bühnen des Landes ging.

Was ist mit den frischen Gesichtern?

Marcocello und Schmirinski's bereiteten vor über 30 Jahren also den Nährboden. Doch wie steht es um die Zukunft? Steht aktuell wieder ein Zuger in den Startlöchern, um schon bald auf der Bühne für Furore zu sorgen und irgendwann in die Fussstapfen von Michael Elsener zu treten? Dieser schickt sich aktuell ja an, den Sonntagabend wieder auf die Schweizer Comedy- und Satirelandschaft zu bringen (zentralplus berichtete).

Jonny Fischer und René Rindlisbacher fällt kein Namen ein. Gibt es in Zug etwa zu wenige Auftrittsmöglichkeiten? Hierzu gehen die Meinungen auseinander. Fischer wünscht sich tatsächlich, dass die Bühnen öfters Nachwuchscomedians überlassen werden. «Es ist nicht einfach, in die Zentralschweizer Theaterhäuser reinzukommen – obwohl sie subventioniert werden. Denn sie wollen Geld verdienen.»

Sven Furrer hingegen glaubt nicht, dass ein Ausbau des Angebots notwendig ist. «Es gibt das Theater Casino, das «Chicago», den Burgbachkeller oder den Lorzensaal mit Angeboten für Comedians. Zudem sind die Distanzen in der Schweiz eh klein.»

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