Wartet noch mit Anstossen: Dominic Devilles neues Video steht vor dem grossen Durchbruch. (Bild: zvg SRF )
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Wartet noch mit Anstossen: Dominic Devilles neues Video steht vor dem grossen Durchbruch. (Bild: zvg SRF )

Dominic Deville will Briten mit der Schweiz verheiraten

5min Lesezeit

Das neue Video «Brexit» des Luzerner Comedians Dominic Deville startet (erst) sanft durch. Die Aufforderung an die Briten, sich nach ihrem EU-Ausstieg mit uns Schweizern zusammenzutun, ist ähnlich derb wie sein Hitfilm von 2017. «Switzerland Second», Video-Kniefall vor den USA, hatte mehr als zwölf Millionen Zuschauer.

Mathias Haehl

«Dies ist eine Mitteilung der Schweizer Regierung», so begann der fast vier Minuten lange Streifen im Februar 2017. Dominic Deville (42) lief damals in einem Einspieler seiner TV-Show «Deville Late Night» zur Höchstform auf. Wir seien das sexieste Land und hätten überhaupt die beste Landesflagge: ein grosses Plus.

Witzig, frech und politisch unkorrekt biederte Deville sich für unsere Nation bei Trump an, auf dass der US-Präsident uns gut finde: Wir Schweizer haben keine Mexikaner, die stärkste Währung und das beste Militär, nämlich die Schweizer Garde im Vatikan. Und mit DJ Bobo überdies den besten Rapper – der obendrein weiss ist.

US-Boss Trump schaute weg

Mehr als zwölf Millionen Zuschauer amüsierten sich. Doch der US-Boss Trump schaute weg. Und nun probiert es Deville im europäischen Norden: Der Brexit ist ihm Anlass genug, einen Brückenschlag zu den Briten zu machen. «Die Schweiz ist das beste Land auf dieser Erde», sagt der Luzerner Unterhalter.

«Is there a life after Brexit? Switzerland says yes.»

Dominic Deville im neuen Video

Knapp drei Minuten reichen diesmal für einen neuen überraschenden Aufwasch in Schweizer Geschichte. Jetzt beginnt das Filmchen so: «Dear people from the United Kingdom. This is a message from the Swiss Government: Is there a life after Brexit? Switzerland says yes.»

Wieder single, könnten die Briten ausserhalb der EU endlich machen, was sie wollten. So wie wir Schweizer: etwa Käse mit nichts als Luft drin verkaufen. Britische Tea Time liesse sich doch wunderbar mit unserer Fondue Time vereinen, Shaqiri tschuttet eh schon für beide Länder, und unsere Tophelden gleichen sich: Die Briten haben James Bond – wir Roger Federer.

Neue Währung Pfünderli

«Let’s partner up!», fordert Deville. Alles in einem schwindligen Englisch, das alle verstehen, dem einzig der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin in seinem Stammel-Englisch noch eins draufgibt. Gemeinsamkeiten lassen sich bekanntlich schmieden: Aus Fränkli und Pfund schlägt Deville die neue gemeinsame Währung Pfünderli vor.

Das mag beim Lesen nicht gleich zum Brüllen sein – doch wer das Video schaut, muss ob der Kreativität des Luzerners erneut staunen. Er ist derb, aber nie verletzend. Deville sagt: «Ich trete nur gegen oben, also gegen Institutionen, Behörden, Politik. Ich würde nie gegen Minderheiten wie Ausländer schiessen oder die untere Schiene wie Frauenwitze befahren.»

«Brexit» ist bislang bei mehr als 21'000 Klicks:

Bislang wollten das neue Video innert sechs Tagen 21'000 Menschen sehen – immerhin zweimal die FCL-Stadionmenge. Doch der Clip hat noch Zeit mit dem Durchstarten, schliesslich gehen die Briten erst im März 2019 aus der EU raus.

Damit Dominic Devilles Video-Lawine erneut rollt, braucht es Katalysatoren. Bei «Switzerland Second» hatte die «New York Times» darüber geschrieben, das einflussreiche «Time»-Magazin lobte den Film.

Heim ins grosse US-Reich

Das erste Video von 2017 nahm nicht nur Trump auf die Schippe, sondern auch die Schweiz – zum Teil bitterböse: Judengold, reaktionäre SVP-Politik oder ein altertümliches Frauenbild sollten Trump die Schweiz schmackhaft machen. Damit er uns heim ins grosse US-Reich führe. Alles im Sprachduktus des US-Präsidenten Donald Trump («America First!»).

«Switzerland Second» war weltweit ein Erfolg mit mehr als zwölf Millionen Klicks:

 

Erfolg lässt Deville kalt

Erstaunlich für den Luzerner TV-Artisten: Der Erfolg lässt ihn ziemlich kalt. Und er besitzt immer noch kein Smartphone. Dominic Deville ist nicht zu beeindrucken durch virtuelle Zuschauer: «Diese Klickzahlen sind für mich wie eine fremde Währung, die ich nicht verstehe. Analoger Applaus sagt mir viel mehr zu.»

Und er bleibt auch diesmal realistisch. Er sagte schon bei «Switzerland Second» zu zentralplus: «Der Clip ist ein Hype. Eine kurze, wenn auch sehr heftige Wellenbewegung für unsere Sendung. Wir surfen das Ding jetzt und versuchen dabei eine gute Figur zu machen. Ansonsten arbeiten wir wie gewohnt weiter.»

Wohlan. Wie wär's mit einem dritten Video? Die Türken beispielsweise isolieren sich ja auch zusehends. Und Kebab passt wunderbar zu Pinot noir.

Der beste Rapper, weiss obendrein: DJ Bobo (links) bei Dominic Deville.
Der beste Rapper, weiss obendrein: DJ Bobo (links) bei Dominic Deville. (Bild: zvg SRF )

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