Der alte und der neue Präsident der Feldmusik Luzern: Kurt Sidler (links) und Dani Widmer. (Bild: bic)
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Der alte und der neue Präsident der Feldmusik Luzern: Kurt Sidler (links) und Dani Widmer. (Bild: bic)

Wie ein Tausendsassa die Luzerner Kultur beleben will

6min Lesezeit

Die Feldmusik Luzern gehört seit 112 Jahren zum Kern des Luzerner Kulturlebens. Nachdem Kurt Sidler als Präsident zwölf Jahre lang den Verein prägte, tritt mit Dani Widmer das nächste Luzerner Schwergewicht dessen grosses Erbe an. Für Widmer soll die Feldmusik aber nur der Anfang sein.

Grosser Aufmarsch am Samstagabend für den abtretenden Präsidenten der Feldmusik Luzern (FML). Kurt Sidler, der während 12 Jahren die Geschicke des Luzerner Aushängeschildes prägte, übergab vor der versammelten Luzerner Blasmusikszene das Zepter an seine Nachfolger Dani G. Widmer.

Mancher ist wohl versucht zu sagen, dass die FML von den Händen des einen Tausendsassas in die des nächsten übergeben werden. Denn beide Herren sind schillernde Figuren in der Stadt Luzern.

Zuerst das Schlössli, nun die FML

Dani G. Widmer, der Anfang Jahr das «Schlössli Utenberg» übernommen und dort das Rokoko-Café eröffnete, tritt ein schweres Erbe an. Seit 112 Jahren gehört die FML zum kulturellen und öffentlichen Leben Luzerns wie die Kapellbrücke oder das Löwendenkmal.

Sei es am «Sechseläuten» in Zürich, verschiedenen Militärmusikfestivals (Tattoos) in Europa und diversen weiteren Events, an welchen sich die Stadt und der Kanton Luzern im In- und Ausland präsentieren: Fast immer trägt die FML mit ihren historischen, weiss-blauen Uniformen die Farben der Leuchtenstadt in die Welt hinaus. Und auch die beiden jährlichen Konzerte im KKL, zusammen mit nationalen Musikgrössen, prägen seit Jahren die Luzener Kulturszene.

FML hat schwierige Zeiten hinter sich

Doch die FML hat auch schwierige Zeiten hinter sich. Wie dutzende andere Blasmusikvereine in der Schweiz hatte auch die FML mit dem Mitgliederschwund zu kämpfen. Deshalb wurde der Verein in zwei verschiedene Formationen, die «Lucerne Marching Band» und die «Lucerne Concert Band» aufgesplittet. Dies sei nicht überall gut angekommen, erinnert sich Sidler. In dieser schwierigen Situation übernahm der abtretende Präsident das Steuer. Die beiden Formationen geniessen mittlerweile nationale Bekanntheit.

«Wenn es gut läuft und du Erfolg hast, besteht immer die Gefahr, dass du träge wirst.»

Dani Widmer, neuer Präsident der Feldmusik Luzern

«Eigentlich wollte ich das Amt nur für sechs Jahre übernehmen. Doch daraus wurden letzlich zwölf», blickt er zurück. So manövrierte Sidler die FML durch stürmische Gewässer – mit Erfolg. «Nun kann ich beruhigt zurück treten», so der 74-Jährige. «Die FML ist nun wieder kerngesund und fit für die Zukunft.»

Deshalb macht sich der neue Präsident Dani Widmer mit viel Elan aber auch mit der nötigen Portion Respekt an seine neue Aufgabe. «Die FML ist einer der Vereine, der zum Kern der Luzerner Kultur gehört. Neben den vier grossen Zünften, den Vereinigten Guuggenmusigen, der Schüür und dem Südpol, um nur ein paar zu nennen», sagt der 56-Jährige.

Bald mehr Zeit für die Luzerner Kultur

Vorgeschlagen wurde Widmer vom ehemaligen Safran-Zunftmeister Thomas Ineichen. Widmer selber ist seit vielen Jahren Mitglied der Zunft. Als Kurt Sidler dann vor ein paar Monaten ins Schlösschen Utenberg kam, um ihm das Präsidentenamt schmackhaft zu machen, habe er nicht absagen können, so der neue Präsident. «Als ich die Geschichten der Tattoos, den KKL-Konzerten und den vielen anderen Anlässen hörte, war es um mich geschehen», so Widmer.

Sidler habe ihm gesagt dass er nun alles auf ihn setze, sagt Widmer. Die Anfrage sei aber genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. «Ich bin dabei, mein Treuhandbüro meinem Neffen und meinem Schwager zu übergeben und kann beruflich deshalb etwas kürzer treten», sagt Widmer. Er werde aber weiterhin bei der Firma angestellt bleiben, so der leidenschaftliche Fasnächtler.

Die «Marching Band» der Feldmusik bei einer Parade in der Luzerner Altstadt.
Die «Marching Band» der Feldmusik bei einer Parade in der Luzerner Altstadt. (Bild: zvg)

Bald mit internationalen Top-Stars?

Für die FML hat Widmer grosse Pläne. «Im Grundsatz will ich so weiter machen wie bisher. Mein Ziel ist es aber, für unsere Konzerte im KKL noch grössere Stars als bisher zu gewinnen.» Da er auf einen topmotivierten Vorstand zählen könne, stehe dem nichts im Weg, sagt Widmer. «Mit den Vorstandsmitglieder Esther Gamboni und Thomas Beck werde ich auf tatkräftige und tolle Unterstützung zählen können. Ihre bisherige Arbeit wird mir den Einstieg enorm erleichtern», schwärmt Widmer.

Die Stars sollen künftig nicht mehr nur aus der Schweiz, sondern auch aus dem europäischen Ausland kommen. «Einen der Musiker kenne ich persönlich» so Widmer, der auch Präsident des Luzerner Whiskyschiffs ist und lange im Vorstand des Gin und Rum Festivals amtete.«Für unser nächstes Konzert hat er schon fast zugesagt», sagt er stolz. Mehr möchte Widmer jedoch nicht verraten.

Doch solche grossen und erfolgreichen Anlässe hätten immer auch ihre Tücken, so Widmer. «Wenn es gut läuft und du Erfolg hast besteht immer die Gefahr, dass du dich zu weit zurücklehnst und träge wirst», so der Unternehmer, der eigentlich einmal Opernsänger werden wollte. Es werde deshalb seine Aufgabe sein, die Leute bei der Stange zu halten und immer wieder zu pushen. «Das wird wahrscheinlich nicht immer einfach», ist sich Widmer bewusst. 

Die FML ist erst der Anfang

Dani Widmer hat aber nicht nur grosse Pläne mit der FML, wie er sagt. «Ich will in Zukunft allgemein mehr für die Kultur in Luzern machen. Vor allem in meinen Schlösschen auf dem Utenberg.» Konzerte und andere Events schweben ihm dabei vor. Vielleicht wird er seinen Gästen dann auch seinen preisgekrönten Whisky auftischen.

Weiter will Widmer die Öffentlichkeit mit einem Zigarren- und einem Tango-Festival auf den Utenberg locken. Auch ein grösseres Projekt mit dem Konservatorium ist in Planung. «Ich und meine Frau sind leidenschaftliche Gastgeber und freuen uns, wenn die Öffentlichkeit in Zukunft noch mehr den Weg zu uns findet», sagt Widmer. Denn für kulturelle Veranstaltungen habe er das Schlösschen eigentlich gekauft. Widmer wird die Luzerner Kulturszene als wohl noch stärker prägen als «nur» mit der Feldmusik.

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