Long Tall Jefferson aka Simon Borer mit seinem Ensemble im Treibhaus. (Bild: Silvana Emmenegger)
Kultur Musik Rezension

Long Tall Jefferson aka Simon Borer mit seinem Ensemble im Treibhaus. (Bild: Silvana Emmenegger)

Vom Luzerner Singer-Songwriter zum vollständigen Pop Ensemble

3min Lesezeit

Long Tall Jefferson hat sich in den letzten zwei Jahren langsam aber stetig in die Schweizer Musikszene gespielt und dabei zahlreiche Länder bereist und Eindrücke gesammelt. Nun taufte der Luzerner Songwriter im Treibhaus sein zweites Album «Lucky Guy» und erzählte dem Publikum Geschichten aus seinem Leben.

Marc Wermelinger

Wenn man mit dem Namen Long Tall Jefferson ein bisschen vertraut ist, hat man meist das Bild vom Mann mit Gitarre im Kopf.

Seit dem diesjährigen B–Sides ist der Luzerner Songwriter aber auch mit Band anzutreffen. Die neuen Songs von Long Tall Jefferson sind dementsprechend auch nicht mehr nur auf eine akustische Gitarre und hin und wieder eine Mundharmonika ausgelegt.

Die Band, bestehend aus Franziska Staubli an der Gitarre, Pascal Eugster am Bass und Lukas Weber am Schlagzeug, untermalen die träumerischen Songs vom langen, grossen Jefferson aka Simon Borer gekonnt und mit ebenso verträumten Klängen.

«Chömed doch no en Schritt vüre, ich sägs au nur einisch»

Wie das jeder Künstler meistens machen muss, bei dem das Publikum nicht Stunden vor Konzert Beginn vor der Bühne wartet, bat auch Long Tall Jefferson um einige Schritte nach vorne, um den «Anstand-Abstand» zu verkleinern. Das Publikum kam dieser Aufforderung nach und taute auch sofort auf.

Das Zusammenspiel von Zuhörer und Musiker hat der 29-jährige Luzerner nach mehr als 200 Konzerten problemlos im Griff. Zwischen den Songs gab er Anekdoten zu den Songs zum Besten oder bedankte sich bei den Mitwirkenden des neuen Albums.

Erkennbare Einflüsse auf eigene Art und Weise

Musikalisch war es die perfekte Symbiose von modernen Lo-Fi Pop und alten Einflüssen von den wichtigen Songwritern.

Man ist versucht, Vergleiche zu Künstler zu ziehen wie zum Beispiel Paul Simon oder Tom Petty. Diese Vergleiche stünden allerdings auf sehr wackligen Beinen.

In psychodelischem Licht mit der Akustikgitarre: Long Tall Jefferson.
In psychodelischem Licht mit der Akustikgitarre: Long Tall Jefferson. (Bild: Silvana Emmenegger)

Denn auch wenn man Einflüsse und Inspirationen aus den Songs hört, sind die Songs von Long Tall Jefferson auf ganz eigene Weise einzigartig. Arrangements, die das Alte mit dem Modernen verbinden, und Texte, die Erlebnisse und Emotionen verschmelzen in einer Sprache, die poetisch und gleichzeitig verständlich ist.

Eingespieltes Ensemble

Auf der Bühne selber war Professionalität am Werk. Die Songs wurden von den drei Musikern, die Long Tall Jefferson begleiteten, so selbstverständlich vorgetragen, als ob sie schon seit Jahren in dieser Kombination auf der Bühne stehen würden.

Keine Ausrutscher oder Verspieler oder zumindest keine offensichtlichen. Man hätte fast denken können, dass dieses Ensemble nichts erschüttern kann. Bei der Zugabe gab’s dann doch noch einen kleinen Moment, der den Songwriter in seinem Flow störte.

Ein knackendes Kabel, und schon wird zum Tontechniker geblickt und gefragt «Wa isch da?» Auf Geheiss des Publikums, dass den Vorfall eher praktisch behandelte, spielte Long Tall Jefferson sein zweit letztes Lied «Old Friend» ganz akustisch. Das brachte das Publikum gänzlich zum Schweigen und es hing nur noch an den Lippen des Luzerner Songwriters.

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