Vereinspräsident Andy Weymann (links) und Dirigent Ludwig Wicki. (Bild: jav)
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Vereinspräsident Andy Weymann (links) und Dirigent Ludwig Wicki. (Bild: jav)

Wegen Krach: «Früher hätten wir diese Weltpremieren in Luzern gefeiert»

6min Lesezeit

Vor einem Jahr wurde klar, dass es hinter den erfolgreichen Filmmusikkonzerten unter dem Namen «21st Century» gewaltig brodelte. Das Orchester und der Veranstalter hatten sich verkracht. Nun meldet sich das 21st Century Orchestra zurück – mit einem neuen Partner und neuen Hoffnungen.

Harte, schnelle Trommelschläge, das Cello spielt ein Accelerando, dissonante Töne kreischen dazwischen. Nach einem längeren Moll-Akkord werden die Melodien wieder lieblicher, die Klänge harmonischer. Die Instrumente tönen im Takt.

So könnte sich die Musik anhören, welche das letzte Jahr des 21st Century Orchestra begleitete. Ein Streit mit dem Veranstalter Pirmin Zängerle um den Namen «21st Century» im vergangenen Herbst führte zu Vorwürfen und vor allem auch zu Unsicherheiten – gerade bei den Musikern (zentralplus berichtete).

Ein neues Kapitel beginnt

«Das Orchester musste sich neu formieren», erklärt nun Vereinspräsident Andy Weymann. Gemeinsam mit einem neuen Veranstaltungspartner könne das Orchester jetzt wieder Vollgas geben, ein neues Kapitel aufschlagen. Der neue Partner, Alegria, kommt aus München und arbeitet bereits seit über zehn Jahren mit Ludwig Wicki als Dirigenten zusammen.

«Hier in Luzern wurde Weltgeschichte für die Filmmusik geschrieben.»
Andy Weymann, Präsident des Vereins 21st Century Orchestra

Ludwig Wicki hat die Idee der Filmmusikkonzerte vor über 20 Jahren in Luzern entwickelt: Während auf der Leinwand der Film läuft, spielt das Orchester live die Filmmusik dazu. Mit diesem Konzept feiert er seither internationale Erfolge und dirigiert zahlreiche Weltpremieren. Nun sitzt er in der Seebar des KKL, wo alles begann, neben Weymann und erklärt, man wolle jetzt nach vorne schauen.

Mit «The Lord of the Rings» gelang dem 21st Century Orchestra 2008 der Durchbruch mit dem einzigartigen Konzept von Live-Orchestermusik zum Film.
Mit «The Lord of the Rings» gelang dem 21st Century Orchestra 2008 der Durchbruch mit dem einzigartigen Konzept von Live-Orchestermusik zum Film. (Bild: zVg)

Der Wunsch fürs KKL

Geeinigt haben sich die beiden Parteien bis heute nicht, gemeinsame Auftritte gibt es im Moment keine (siehe Box unten). «Die Gespräche laufen noch», so Weymann. Dass der Name «21st Century» von Pirmin Zängerle auch genutzt wird, um mit anderen Orchestern und Dirigenten im KKL dasselbe Konzept zu präsentieren, ist Streitpunkt. Es sei schade und unnötig, sagt Weymann zu diesem Thema. «Und eigentlich inakzeptabel», ergänzt Wicki. «21st Century Orchestra» sei als Name geschützt.

Dass rechtliche Schritte eingeleitet wurden, wird von Weymann und Wicki nicht verneint. «Doch wir wollen unseren Fokus nun auf die neuen Ideen und die baldigen Konzerte legen und nicht auf diese Sache», so Weymann. Und neue Ideen gibt es zuhauf. Durch die Verbindungen des neuen Veranstaltungspartners Alegria sind auch Konzerte in den grossen deutschen Städten angedacht.

Film und Orchester im KKL

Das 21st Century Orchestra ist in der aktuellen Saison 10 Mal im KKL zu sehen. Dies aktuell an der «Radio Pilatus Music Night» mit Lo & Leduc, dann im November mit «The Sound of Hans Zimmer & John Williams» und im kommenden Jahr mit dem «Dschungelbuch» und «Winnetou». Im Hallenstadion tritt das 21st Century Orchestra mit «Star Wars» und «Harry Potter» auf.

Von der 21st Century Concerts GmbH veranstaltet werden diese Saison rund 20 Konzerte mit Film. Dirigiert werden diese von unterschiedlichen Dirigenten und gespielt von einem Orchester, das nicht genannt wird. Gezeigt werden Filme wie «Drei Nüsse für Aschenbrödel» und «Love Actually», «The Hunger Games» und der Bond-Film «Casino Royale».

«Ich freue mich aber auch darauf, künftig wieder öfters mit dem Orchester im KKL zu spielen», so Wicki. Natürlich nicht so oft, dass die Konzerte alltäglich würden, und auch nur die Filmmusik, die wirkliche Perlen seien. Sie stünden dafür mit Alegria und dem KKL im Gespräch.

Weltpremieren in London statt Luzern

Die Weltpremiere in München von «Winnetous Schatz im Silbersee» und die Weltpremiere in London von «The English Patient» im Oktober hätte Wicki gerne in Luzern mit dem 21st Century Orchestra gemacht. «Früher hätten wir diese Weltpremieren hier in Luzern gefeiert», so Wicki.

«Hier hat alles angefangen», betont Wicki und Weymann ergänzt: «In Luzern wurde Weltgeschichte für die Filmmusik geschrieben.» Im Mai 2019 feiert das Orchester sein 20-Jahr-Jubiläum – mit Musikern, die zum Teil seit Beginn mit dabei sind.

Doch auch ohne Winnetou und dem englischen Patienten wird das Orchester in Luzern Weltpremieren auf die KKL-Bühne bringen. Im November werden erstmals ein Stück aus «Empire of the Sun» und aus «The Dark Knight Rises» live gespielt. Dies im Rahmen des Konzertes «The Sound of Hans Zimmer & John Williams». Das Ziel sei immer gewesen, zu zeigen, wie toll Filmmusik sei – auch ohne den Film dazu. Das sei mit diesen Konzerten möglich.

Schauspieler und Kostüme ins KKL

Neben den Konzerten in Luzern führen Wicki in den nächsten Monaten über 100 Engagements nach London, Kopenhagen, Lissabon oder München. Er steht auf den grossen Bühnen, arbeitet mit den Machern in Hollywood zusammen. Die Musikaufnahmen für den neusten «Jurassic World»-Blockbuster hat Ludwig Wicki ebenfalls dirigiert.

Schauspieler und Regisseure, die Wicki durch seine internationalen Engagements kennengelernt hat, für Moderationen nach Luzern zu holen, ist eine der neuen Ideen. Den Gollum-Darsteller Andy Serkis beispielsweise. Auch die originalen Kostüme aus den Filmen würde Dirigent Wicki gerne in Kombination mit den Filmkonzerten im KKL zeigen.

Und hier outet sich der Dirigent im Gespräch als absoluter Nerd. Seine Begeisterung für die handschriftlichen Manuskript-Originale diverser Filmmusikkomponisten, die er im Interview schon vorher offenbarte, ist nur ein Teil davon.

Als er von seinem Besuch bei der mehrfach oscarprämierten Kostümbildnerei Tirelli in Rom erzählt, strahlt er über das ganze Gesicht. Er habe den Anzug von Daniel Day Lewis aus «The Age of Innocence» angezogen. In den Frack von Amadeus habe er leider nicht reingepasst, sagt er und lacht.

 

21st Century Concerts GmbH bedauert Wechsel

Es gäbe keinen Konflikt zwischen ihm und dem 21st Century Orchestra, sagt Pirmin Zängerle auf Anfrage. «Richtig ist, dass wir aktuell nicht mehr zusammenarbeiten, weil der Orchesterverein im März 2018 die Zusammenarbeit mit mir beziehungsweise meiner Firma 21st Century Concerts einseitig beendet hat.» Er bedaure das und hätte die Zusammenarbeit gerne weitergeführt. «Ich bin auch grundsätzlich weiterhin offen für gemeinsame Projekte», so Zängerle.

Aber auch ohne diese Zusammenarbeit werde das filmmusikbegeisterte Publikum weiterhin voll auf seine Kosten kommen, erklärt der Veranstalter.

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