Der Circus Monti nimmt die Besucher mit in eine Wohngemeinschaft. (Bild: Felix Wey)
Kultur Rezension

Der Circus Monti nimmt die Besucher mit in eine Wohngemeinschaft. (Bild: Felix Wey)

Kunterbunte Gemeinschaft belebt die Villa Monti

5min Lesezeit

Was die artistische Crew des Circus Monti im aktuellen Programm bietet, ist fantastisch. Genau so soll Zirkus sein: lustig, zauberhaft, aufregend und virtuos. Zwei Stunden lang wird das Publikum in den Bann gezogen und keine Sekunde davon ist überflüssig. 

Ein bunter Haufen ist es, der sich in dieser Villa unter dem Zeltdach tummelt: Auf dem Sofa lümmeln Jungs und werfen sich Bälle zu, eine Tänzerin schlendert durch die Stube, auf dem Balkon verrenkt sich ein Typ die Glieder und in einem Kämmerchen hantiert einer am Velo. Was für eine lustige Wohngemeinschaft! Hier läuft bestimmt immer was. Und so ist es auch: Gleich zu Beginn laufen die 14 Zirkusleute in der gemütlichen Villa zu Höchstform auf und ziehen das Publikum die nächsten 120 Minuten komplett in den Bann.

Jede und jeder in dieser kunterbunten Gemeinschaft hat eine spezielle Passion, die mit Leidenschaft und Können in Szene gesetzt wird und die Inszenierung von A bis Z stimmig macht (Idee und Konzept: Sabine Schindler und Christian Vetsch). Der rote Faden ist schlicht und funktioniert bestens: das alltägliche Zusammenleben in der Villa, das bei dieser seltsamen Truppe natürlich alles andere als alltäglich ist. Da schwingt sich eine Frau im gepunkteten Dress inklusive gepunkteter Socken (Eve Diamond) auf das Schwungseil und katapultiert einen sofort in die romantische Version der Zirkusatmosphäre.

Mal geht die Post ab und mal die Poesie

Atemberaubend geht es bei diversen Jonglagen zu und her – was Mario Muntwyler und Willem McGowan mit gefühlt 20 Keulen und später mehreren Diabolos anstellen, ist schwindelerregend. Fantastisch auch die Einlagen der drei Turner auf dem Schleuderbrett (Felix Greif, Henk Jarno Polhujis, Daniel Shamita Bendtsen): Wenn sie einander abwechselnd und dann wieder durcheinander in die Luft spicken und sich dabei mit Flickflacks und Saltos überbieten, bleibt dem Publikum schon mal die Luft weg.

Die Artisten auf dem Schleuderbrett vollführen Kunststücke.
Die Artisten auf dem Schleuderbrett vollführen Kunststücke. (Bild: Felix Wey)

Doch das ist längst nicht alles – die Post geht auf dem Velo und bei Handstandakrobatiken genauso ab wie beim spitzfüssigen Seiltanz (Veera Kaijanen) oder auf dem Trapez mit dem muskelwendigen Tänzer Renato Dias. Poetisch fährt einem die romantische Nummer im Rhönrad ins Gemüt, bei der sich Philippe Renaud und Shannon Maguire in- und umeinander verschlingen.

Ein verrückter Kopf und ein hervorragender Clown

Ein Highlight ist die witzige Tricknummer von Johannes Muntwyler, dem Chef des Circus Monti: Aus einem Kasten schauen nur seine Arme und der Kopf heraus. Diese Körperteile werden dann auf die absurdeste Art verrückt und verschoben und verdreht – diese «komische Illusion» ist tatsächlich zum Brüllen lustig.

Jonas Muntwyler während dem Trickzaubern.
Johannes Muntwyler während des Trickzauberns. (Bild: Felix Wey)

Überhaupt kann viel gelacht werden an diesem Abend, es gibt mehrere komische Figuren. Zum Beispiel die ältere Lady, die einen mit lustigen Einlagen bezaubert (Armelle Fouqueray), und ihr hervorragender Kumpel: der Clown (Florian Vuille). Mit seiner Wuschelfrisur und dem viel zu grossen Halstuch stolpert er ständig im Wohnzimmer herum und verheddert sich auch mal auf einer hängenden Leiter.

Apropos quasseln: Das gesamte Programm kommt ohne Worte aus. Nichts muss erklärt werden, jede Pointe und jede Nummer sitzt und spricht für sich selber. Das ist grosser Zirkus! Ein Zirkus für alle, egal ob Kinder oder Erwachsene, ob deutsch sprechend oder nicht. Musikalisch unterstützt und angetrieben werden die Artisten vom Zirkusorchester und der Leitung des Schlagzeugers Thierry Epiney – auch das: ein Ohrenschmaus.

Lichterlöschen? Schade!

Fast etwas wütend macht einen am Schluss der Nachbar (Johannes Muntwyler). Per Telefon schaltet er sich ins Geschehen ein: Die Truppe in der Villa sei zu laut, es sei jetzt genug und er bestehe auf das Lichterlöschen! Schon? Es wäre doch noch so lustig! Aber die Wohngemeinschaft pariert: Der Clown löscht die Lichter, in der turbulenten Villa wird es ruhig. Anders im zahlreichen Premierenpublikum: Der wunderschöne Zirkusabend und die hervorragenden Darbietungen der Zirkusleute werden euphorisch beklatscht. Schön, dass man in dieser turbulenten Wohngemeinschaft einen Abend lang mitwohnen kann, bevor es zurück in den alltäglicheren Alltag geht.

Eva Diamond, die Frau im Punktdress.
Eva Diamond, die Frau im Punktdress. (Bild: Felix Wey)

Hinweis: Der Circus Monti gastiert mit seinem Programm «Villa Monti» bis zum 23. September in Luzern (beim Parkplatz Brüelmoos/Lido). Tickets und Infos zu den Vorstellungen gibt es hier.

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