Andréas Härry, Co-Geschäftsleiter des Le Théâtre, ist zufrieden mit dem Umzug nach Emmen. (Bild: zvg)
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Andréas Härry, Co-Geschäftsleiter des Le Théâtre, ist zufrieden mit dem Umzug nach Emmen. (Bild: zvg)

Le Théâtre hat ein «knüppelhartes» Jahr in Emmen hinter sich

7min Lesezeit

Vor einem Jahr ist das Le Théâtre von Kriens nach Emmen gezogen. Seither ist das Unternehmen stark gewachsen, obwohl das erhoffte Wachstum auf den Zuschauerrängen zunächst ausblieb. «Erst jetzt gibt es einen spürbaren Ruck», sagt Co-Geschäftsleiter Andréas Härry. Dazu beitragen soll auch das Restaurant, das diesen Donnerstag im neuen Kleid eröffnet wird.

Stefan Kämpfen

Während der Sommerpause stand das Le Théâtre nicht still: Hinter den Kulissen wurde fleissig gewerkt. Das Restaurant Prélude hat ein Facelifting erhalten, die braunen Steinmauern sind verschwunden. Diesen Donnerstag wird es im frischen Kleid – heller und in neuen Farben – wiedereröffnet. 

Es ist der Startschuss für das zweite Jahr von Le Théâtre in Emmen. Letzten Sommer zog die Musicalbühne von Kriens ins Gersag (zentralplus berichtete). Zeit, um mit Co-Geschäftsleiter Andréas Härry einen Blick zurück – und einen in die Zukunft – zu werfen.

zentralplus: Wie sieht Ihre Bilanz am neuen Standort nach einem Jahr aus?

Andréas Härry: Wir sind zufrieden, aber in den ersten Monaten gab es ein Vakuum. Zuerst wollten alle nur einmal das neue Gebäude sehen und Buchungen wurden nur zögerlich gemacht. In den ersten sechs Monaten war daher knüppelharte Kommunikationsarbeit angesagt und in der zweiten Hälfte konzentrierte Akquirierungsarbeit. Diese hat sich aber gelohnt: Ab Herbst 2018 erreichen wir das von uns gesetzte Jahressoll von 200 Tagen mit Anlässen, die wir benötigen. Ab jetzt beginnt der Umsatz zu stimmen.

«In Kriens wurde uns das Hemd zu eng.»

zentralplus: Wo liegen die Vorteile gegenüber dem Standort Kriens?

Härry: In Kriens wurde uns das Hemd zu eng und es hat vom Platz für die Zuschauer und Produktionen sowie von den Cateringmöglichkeiten her nicht mehr gepasst. Dank der Gemeinde Emmen, die uns das ehemalige Gersag als neuen Standort vorgeschlagen hat, konnten wir einen grossen Wachstumsschritt machen. Unser Unternehmen wurde fast in jedem Bereich von der Grösse her verdoppelt, zum Teil sogar verdreifacht. Dadurch müssen wir auch weniger Spieltage planen als noch in Kriens, denn früher waren ellenlange Spielzeiten mit 50 bis 55 Aufführungen pro Produktion keine Seltenheit.

Das Restaurant Prélude hat ein Facelifting erhalten.
Das Restaurant Prélude hat ein Facelifting erhalten. (Bild: zvg)

zentralplus: Und die Nachteile?

Härry: Es gibt nur Vorteile in Emmen. Gerade weil wir viel in die Eventtechnik investiert haben, ist der neue Standort aus technischer und finanzieller Sicht attraktiver. Aber auch die Verkehrsanbindung ist besser. Lag der ÖV-Anteil in Kriens noch bei einem Viertel, so erreichen wir in Emmen mittlerweile eine Zahl von 60 bis 70 Prozent. Auch die Parkplatzsituation hat sich stark gebessert.

«Die Leute haben gemerkt, dass das Gersag nicht mehr ein trister Bau ist, sondern Atmosphäre versprüht.»

zentralplus: Zählen Sie demnach mehr Besucher als früher?

Härry: Dazu muss man vorab sagen: Wir haben eigene und eingemietete Produktionen, wobei Letztere etwa die Hälfte der Auslastung ausmachen. Bei den Zuschauerzahlen kann ich nur von den Eigenproduktionen – wie unseren Musicals – sprechen. Wir sind zufrieden, allerdings blieb das erhoffte Wachstum gegenüber Kriens zunächst aus. Erst jetzt gibt es einen spürbaren Ruck. Die Leute haben gemerkt, dass das Gersag als Le Théâtre nicht mehr ein trister Bau ist, sondern Atmosphäre versprüht.

zentralplus: Ist das Stammpublikum mitgezogen?

Härry: Bei der «älteren» Generation haben wir einen Einbruch von 20 Prozent zu verzeichnen. Sie schätzten die familiäre und heimelige Stimmung in Kriens. Dies kompensieren wir zum Glück durch «Jüngere», die sich hier mehr angesprochen fühlen. Die Aura des Theaters von Kriens ist aber immer noch da in Emmen und wir sind immer noch ein Familien- und kein Grossbetrieb. Ich zum Beispiel stehe bei Musicals noch jeden Abend selber hinter dem Mischpult.

zentralplus: Können Sie dank dem Wachstum auch grössere Stars ins Boot holen?

Härry: Ja, auch da haben wir einen Riesensatz gemacht. Für das Vorsingen und Vortanzen meldeten sich für die kommende Produktion «Sister Act» 600 bis 700 Personen an. Wir luden dann 100 bis 150 Künstler ein. Früher hätten wir uns die Finger geleckt ab der Qualität der Darsteller und so schämen wir uns heute manchmal, gewisse Leute ausladen zu müssen. Besonders stolz sind wir auf Sidonie Smith, die Hauptdarstellerin von Sister Act. Sie ist in der Musicalwelt ein ganz grosser Name.

Sidonie Smith, die Hauptdarstellerin der kommenden Produktion «Sister Act».
Sidonie Smith, die Hauptdarstellerin der kommenden Produktion «Sister Act». (Bild: zvg)

zentralplus: Sind Sie auch schon mit Superstars und deren Allüren in Kontakt gekommen?

Härry: Früher hatten wir als Event-Agentur am «Weltklasse Zürich»-Meeting mit vielen Leichtathletikstars wie Carl Lewis zu tun. Ich durfte auch Céline Dion kennenlernen. Wirkliche Stars unserer Musicalszene, die viel erlebt haben, sind meistens extrem pflegeleicht. Sie helfen manchmal sogar, hinter der Bühne die Kleider zusammenzulegen. Schwieriger sind oftmals jene, die sich gerade auf dem Weg nach oben befinden.

zentralplus: Neben Musicals bietet das Le Théâtre auch Galas, Bankette, Kongresse, Seminare und Feiern an. Wo erzielen Sie am meisten Umsatz?

Härry: Firmenanlässe sind am einträglichsten. Heikel ist vor allem Kultur, da arbeitet man mit anderen Margen. Im Vergleich zum Luzerner Theater, das eine Eigenwirtschaftlichkeit von unter 20 Prozent hat, müssen wir über 100 Prozent erreichen, damit wir etwas verdienen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturhäusern in der Schweiz, die Musicals produzieren, werden wir nicht direkt oder indirekt subventioniert.

«Wir reiben uns selber die Augen, dass wir Sister Act bekommen haben.»

zentralplus: Welches Musical ist aktuell Ihr persönlicher Favorit?

Härry: Natürlich Sister Act, das als internationaler Broadway-Hit bis anhin über zehn Millionen Gäste weltweit generiert hat. Dass ausgerechnet wir das Schweizer Erstaufführungsrecht bekommen haben: Da reiben wir uns manchmal selber die Augen. Der zweite Renner ist Jesus Christ Superstar. Musikalisch mein absoluter Liebling. Das Musical haben wir vor zehn Jahren in Kriens schon gemacht. Jetzt produzieren wir die Show im Frühling 2019 als Neuinszenierung, da wir jetzt in Emmen ganz andere Möglichkeiten haben, zu zeigen, was man aus so einem gigantischen Stück herausholen kann. Im Herbst 2019 kommt ein nächster Hammer, aber ich kann leider noch nicht mehr verraten.

zentralplus ist Medienpartner von Le Théâtre.

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