Wird es zumindest dieses Jahr nicht geben: Die Übertragung des Eröffnungskonzertes auf dem Inseli. (Bild: Stefan Deuber/Lucerne Festival)
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Wird es zumindest dieses Jahr nicht geben: Die Übertragung des Eröffnungskonzertes auf dem Inseli. (Bild: Stefan Deuber/Lucerne Festival)

Lang Lang im Luzerner KKL – doch sehen wird man ihn draussen nicht

6min Lesezeit

Die beliebte Übertragung des Eröffnungskonzertes des «Lucerne Festival» auf dem Luzerner Inseli findet dieses Jahr nicht statt. Speziell dieses Jahr: Im Gegensatz zu anderen Stars bleiben beim Pianisten Lang Lang sämtliche Kameras ausgeschaltet. Doch dies sei nicht der Grund für die Streichung des beliebten Events.

Manch einer erinnert sich wohl an die Abende auf dem Luzerner Inseli. Hunderte Leute jeglicher Couleur fanden sich in den letzten elf Jahren jeweils zur Live-Übertragung des Eröffnungskonzertes des Lucerne Festivals ein. Auf dem Bildschirm die ganz grossen Stars der Klassikszene. Und das gratis für jedermann. Egal, ob Bankerin oder Bezüger von Ergänzungsleistungen. Das Festival öffnete seine Türen für die Öffentlichkeit. Die Stars gab es quasi zum Anfassen – notabene für alle.

Doch trotz des Hitzesommers fällt die Übertragung dieses Jahr ins Wasser. Heuer wird es also auf dem Inseli keine Musikstudenten geben, die trotz ihres kleinen Budgets ihren Idolen bei der Arbeit zuschauen können. So wie sie es zusammen mit Hunderten andern sogar dann taten, als es wie aus Kübeln goss. Das Eröffnungskonzert für die Glücklichen, die ein Ticket ergattern konnten, findet heuer am 17. August statt.

Zusätzliches Live-Konzert statt Inseliübertragung

Wie konnte es so weit kommen? «Man muss nicht jedes Jahr das gleiche Programm bieten. Dieses Mal haben wir uns überlegt, passend zum Thema ‹Kindheit› das Konzert der 67 jungen Musiker des National Youth Wind Orchestra of Great Britain auf dem Europaplatz zu veranstalten. Dies als Alternative zur Übertragung auf dem Inseli», sagt Nina Steinhart, Leiterin der Medienstelle des Festivals.

«Statt einer Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts bieten wir damit ein zusätzliches Live-Konzert für alle an», sagt Steinhart. Genau wie die Übertragung auf dem Inseli ist auch das Konzert der Jungmusiker gratis. Die Verantwortlichen schliessen jedoch nicht aus, dass es nächstes Jahr wieder eine Übertragung auf dem Inseli gibt, wie Steinhart erklärt.

Künstlerische Überlegungen

Hätte man die Übertragung des Eröffnungskonzertes nicht einfach nach dem Nachmittagskonzert auch noch auf dem Europaplatz durchführen können? Hier hätte auch das Wetter kaum eine Rolle gespielt und ein Teil der Infrastruktur wie zum Beispiel die Stühle wären bereits installiert gewesen.

«Die Gründe dafür, dass diesen Sommer keine Inseli-Übertragung stattfindet, wurde aus künstlerischen Überlegungen gefällt und hat mit dem Ort nichts zu tun. Wir möchten diesen Sommer nun dieses Eröffnungskonzept anbieten», so Steinhart. Dazu habe man bereits sehr viele positive Rückmeldungen von Luzernern erhalten, betont Steinhart. Eine Übertragung des offiziellen Eröffnungskonzertes auf dem Europaplatz stand nie zur Diskussion. Auch finanzielle Überlegungen seien für die Entscheidung völlig irrelevant gewesen.

Das läuft am diesjährigen Lucerne Festival

Wer trotz der gestrichenen Inseli-Übertragung etwas Musik um sonst hören will, kommt auch dieses Jahr wieder auf seine Kosten. So finden wie in den vergangenen Jahren zahlreiche Konzerte der Reihe «40 minutes» statt. Zudem gibt es verschiedene Veranstaltungen auf den Strassen und Plätzen der Innenstadt, sowie auf dem Europaplatz und dem Inseli. Das gesamte Programm des Festivals finden Sie hier.

Dass der Verzicht auf die Inseli-Übertragung einen Verlust darstellt, hoffen die Verantwortlichen nicht. Auch die Tatsache, dass das Konzert auf dem Europaplatz bereits am Nachmittag um 16.30 Uhr stattfindet, erachtet man keineswegs als problematisch.

Steinhart: «Wir hoffen, dass viele Luzerner bereits dann Feierabend haben und das Konzert besuchen können.» Zudem dauere es bis 17.30, weshalb es hoffentlich noch viele schaffen, sich vor dem KKL einzufinden. Wir bemühen uns sehr, möglichst viele Leute zu erreichen», so Steinhart.

Wenn Lang Lang spielt, ruhen die Kameras

Dass die breite Öffentlichkeit heuer folglich vom Eröffnungskonzert ausgeschlossen werde, dementiert Steinhart energisch. «Das Eröffnungskonzert wird zeitversetzt komplett auf Radio SRF 2 Kultur übertragen. Und da ein Live-Stream des Eröffnungskonzerts auf Facebook im vergangenen Jahr besonders gut ankam, werden wir auch diesen Sommer auf Facebook und Youtube den zweiten Teil des Konzerts kostenlos zeigen.»

Wieso nur den zweiten Teil? Warum kommt man im Stream nicht in den Genuss, wie der chinesische Starpianist Lang Lang Mozarts berühmtes Klavierkonzert in c-moll zum Besten gibt?

«Wir hoffen, dass die Menschen das Konzert vor dem KKL ebenso geniessen werden wie die Übertragung auf dem Inseli.»

Nina Steinhart, Leiterin Medienstelle Lucerne Festival

Darüber hält man sich beim Lucerne Festival bedeckt. «Mit rechtlichen Überlegungen hat dies jedenfalls nichts zu tun», sagt Steinhart mit Nachdruck. Und auch auf die abgesagte Übertragung auf das Inseli habe die Tatsache, dass die erste Hälfte des Konzerts nicht gefilmt wird, keinen Einfluss, so Steinhart. Auch dass die Übertragung auf dem Inseli dieses Jahr folglich kürzer gewesen wäre, spiele keine Rolle.

Dieses Mal wird jedoch nicht nur auf die Übertragung auf das Inseli verzichtet, sondern es wird auch keine Ausstrahlung des Konzertes im Fernsehen geben. Über die Gründe schweigt sich Steinhart aus. Es kann also lediglich spekuliert werden, ob man sich allenfalls bei der finanziellen Frage zu den Bildrechten nicht einigen konnte. Produziert wird der Live-Stream von der Hauseigenen Produktionsfirma des Festivals.

Hoffen auf Verständnis

Eine genauere Erklärung, weshalb ausgerechnet dieser Event gestrichen wurde und wieso man die Überlegung gemacht hat, das Jugendorchester spielen zu lassen, anstatt die Live-Übertragung anzubieten, bleibt Steinhart schuldig. Ebenso, ob man das Konzert auf dem Europaplatz als adäquaten Ersatz für das Megakonzert in der «Salle Blanche» einstuft.

«Wir hoffen, dass die Menschen das Konzert vor dem KKL ebenso geniessen werden wie die Übertragung auf dem Inseli», sagt Steinhart. Dass allenfalls viele der treuen Inseli-Besucher enttäuscht sind, hofft man aus den genannten Gründen nicht. «Wir freuen uns auf eine tolle Eröffnung mit unseren Gästen und der Luzerner Bevölkerung», sagt Steinhart. Ob die Eröffnung letztlich ein Erfolg wird, werden die Gäste entscheiden.

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