Preisgekrönt: Grafiker Cybu Richli vor dem in New York gelobten Siegerplakat mit russischem Thema. (Bild: zvg)
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Preisgekrönt: Grafiker Cybu Richli vor dem in New York gelobten Siegerplakat mit russischem Thema. (Bild: zvg)

Dank der Revolution ist Cybu Richli ein Star in den USA

5min Lesezeit

Der Luzerner Grafiker Cybu Richli erhält für seine Arbeit den begehrten Design-Award «Judges’ Choice». Die Amerikaner prämierten ein Plakat, das die Revolution des Klassenfeindes auf den Punkt brachte. Es ist Richlis radikalstes Werk.

Mathias Haehl

Mit einem Minimum erreichte der Luzerner Cybu Richli (41) ein Maximum: mit seinem Plakat für die Ausstellung «Russian Revolution 1917–2017». Die weit beachtete Schau wurde von der Grafikdesign-Biennale in Moskau gezeigt und ging auf Reise. Der Designer arbeitete mit zwei Farben, Rot und Weiss, sowie mit Strichen, die zu einer Sonne werden und in die Jahreszahlen 1917 und 2017 des Hundert-Jahr-Jubiläums ausstrahlen.

Mit diesem Plakat holte der Luzerner Grafiker den begehrten Award «Judges’ Choice» des Type Directors Club New York (TDC), der alljährlich die internationale Konkurrenz durchführt und der einer der wichtigsten Design-Wettbewerbe überhaupt ist. Preisgeld gab es keines, «aber viel Ruhm und Ehre», wie Richli sagt. Mehrmals schon hatte er es in die erste Runde geschafft, jetzt kam er gar in die begehrten Kränze.

7 prämierte aus 2’000 Arbeiten

Eine internationale Jury kürte Cybu Richlis Arbeit aus 2’000 Einreichungen aus 55 Ländern zu den 265 besten Arbeiten. Daraus wiederum wurden sieben Arbeiten prämiert mit der höchsten Auszeichnung – dem «Judges’ Choice Award».

«Das Plakat von Richli setzt sich mit einer grafischen Klarheit und Stärke durch, wie dies selten zu sehen ist.»

Nicholas Blechman, New Yorker Jurymitglied

In der Begründung sagte Jurymitglied Nicholas Blechman: «In einer Zeit der visuellen Unordnung und Popup-Werbung setzt sich das Plakat von Richli mit einer grafischen Klarheit und Stärke durch, wie dies selten zu sehen ist.» Das Design sei sowohl retro als auch modern: «Es überbrückt die Kluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart einerseits. Andererseits macht es den Link zwischen dem russischen Konstruktivismus und dem modernen Minimalismus.»

Gründer des Designstudios C2F in Luzern

Richli, der bei einem Kulturaustausch einmal länger in Moskau weilte, schuf sich ein russisches Netzwerk, das ihm den Auftrag für die Ausstellung brachte. «Es ist mein radikalstes Werk bislang, weil es in der grösstmöglichen Reduktion an die Propagandaplakate Russlands aus einer anderen Zeit erinnert.»

«Grafische Klarheit und Stärke wie selten»: Lob für das Plakat mit den Jahrzahlen 1917 (oben) und 2017 (unten).
«Grafische Klarheit und Stärke wie selten»: Lob für das Plakat mit den Jahrzahlen 1917 (oben) und 2017 (unten). (Bild: zvg)

Doch es ist nicht so, dass Richli, der mit der Familie seit 20 Jahren in der Stadt Luzern lebt, ausschliesslich für den Osten schwärmt und arbeitet. Er hat auch schon ein halbes Jahr in Chicago gearbeitet und schätzt auch die USA sehr. «Für Morningstar, einen der weltweit grössten Anbieter von Finanzanalysen und -informationen, durfte ich die Darstellung von Finanzdaten umsetzen. Das war sehr spannend und lehrreich.»

2006 gründete Cybu Richli das Designstudio C2F in Luzern. In einem kleinen Fünferteam arbeitet er für lokale wie auch internationale Auftraggeber in den Bereichen Architektur, Kunst, Kultur und Kommerz. Sein Portfolio umfasst Kunden aus unterschiedlichen Bereichen von Luzerner Architekturbüros Graber & Steiger, Iwan Bühler Architekten, über renommierte Künstler wie Raphael Egli und Giacomo Santiago Rogado bis zu internationalen Konzernen wie «New York Times» oder das «W.I.R.E.D.».


«Die Arbeit immer von Neuem hinterfragen – nur so kommt man auf aussergewöhnliche Lösungen.»

Cybu Richli, prämierter Grafiker

Zudem ist Richli seit 2011 Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), wo er den Schwerpunkt Informationsdesign leitet und bis 2014 den Master Visuelle Kommunikation neu aufgebaut hat. Davor war er Hochschuldozent in Luzern und Bern.
 Sein Motto: «Die Arbeit immer von Neuem hinterfragen – nur so kommt man auf aussergewöhnliche Lösungen.»

Cybu Richli kann auch anders: Signaletik und Gebäudebeschriftung Schulhaus Kirchbühl in Kriens.
Cybu Richli kann auch anders: Signaletik und Gebäudebeschriftung Schulhaus Kirchbühl in Kriens. (Bild: zvg)

Mit seinen Arbeiten erhielt Cybu Richli bereits diverse internationale Auszeichnungen, Preise und Stipendien, unter anderem den eidgenössischen Design-Preis. Zudem ist er Träger des Anerkennungspreises der Stadt Luzern.

Richlis Werk geht um die Welt

Die Schau mit den preisgekrönten Werken und somit auch dem Plakat von Cybu Richli geht um die Welt: Sie ist in verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten, Belgien, China, Deutschland, England, Frankreich, Israel, Japan, Kanada, Polen, Südkorea, Spanien, Taiwan und Vietnam zu sehen. Leider nicht bei uns.

Überlebensgross: Cybu Richlis Plakat zierte Ausstellung und Gebäude zur russischen Revolution.
Überlebensgross: Cybu Richlis Plakat zierte Ausstellung und Gebäude zur Russischen Revolution. (Bild: zvg)

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