Techno im Stall: Aufnahme des «Am Bach»-Festivals 2017. (Bild: zvg/Caroline Schaller)
Kultur Musik

Techno im Stall: Aufnahme des «Am Bach»-Festivals 2017. (Bild: zvg/Caroline Schaller)

Das Luzerner Festival, das seinen Ort nicht preisgibt

8min Lesezeit

Für dieses zweitägige Festival muss man offen sein: Nicht nur die Musik hält Überraschungen bereit, auch der Ort bleibt gut versteckt und geheim. Das Geheimnisvolle gehört für die Macher zum Konzept.

Dieses Festival soll «im Einklang mit Mensch und Natur positiv prägende Erinnerungen schaffen». Was wie aus einem Seminar tönt, ist hier echt gemeint: Das zweitägige Elektrofestival «Am Bach» findet mitten in der Natur statt – wo genau, wissen selbst die Besucher nicht. Nur so viel: Der magische Ort soll jeden in seinen Bann ziehen.

Wer ein Ticket hat, wird beim Luzerner Inseli per Bus abgeholt – und nach dem Festival wieder abgesetzt. Was den Besucher am geheimen Ort erwartet, erzählt uns Mitorganisator Luzi Rast direkt vom Festivalgelände.

zentralplus: Wobei erwischen wir Sie?

Luzi Rast: Ich organisiere gerade die Technik für die Yoga-Session am Samstagnachmittag – Lautsprecher, Mikrofone und so. Wir haben neben der Musik auch ein Tagesprogramm. Neben dem Aufbau und den Lieferungen tauchen immer wieder kleine Aufgaben auf, die es zu erledigen gilt. Aber seit heute Morgen sind fast 20 Leute auf dem Gelände und helfen mit, das ist super.

Elektro- und Technofestival «Am Bach»

Das «Am Bach»-Festival findet vom 13. bis 15. Juli statt. Tickets gibt’s entweder online oder bei «Die Stiefväter» in Luzern. Eine Abendkasse gibt’s nicht. Im Preis von 49 Franken für Freitag, 69 Franken für Samstag oder 99 Franken für beide Tage ist auch die Hin- und Rückreise vom und zum Inseli Luzern inbegriffen. Auf dem Gelände gibt’s Verpflegung und einen Zeltplatz.

zentralplus: Wo Sie sind, verraten Sie ja nicht. Aber können Sie beschreiben, wie es da aussieht?

Rast: Es ist nicht allzu weit weg von der Stadt Luzern. Es ist also nicht völlig ab vom Schuss, aber trotzdem mega abgelegen und ziemlich versteckt. Das Gelände ist eine Abzweigung von der Zivilisation in die Natur und gehört zu einem alten Bauernhaus, das vor Jahren umgebaut wurde. Dazu gehört ein Stück Wald, ein Bach, Lichtungen, ein Hügel und eine Scheune.

zentralplus: Wie viele Leute finden da Platz?

Rast: Eingeplant sind über beide Tage hinweg rund 500 Gäste, es ist also nicht riesig. Und es gibt noch Tickets, die gehen aber schnell weg momentan. Also nicht zu lange überlegen (lacht).

Das Team des Festivals «Am Bach» bei den Aufbauarbeiten am geheimen Ort.
Das Team des Festivals «Am Bach» bei den Aufbauarbeiten am geheimen Ort. (Bild: zvg)

zentralplus: Wieso darf niemand wissen, wo das Festival stattfindet?

Rast: Es geht uns ums Prinzip, es soll etwas Geheimnisvolles behalten. Wir finden es schön, dass es keine Abendkasse für Spontane gibt und du nicht mit dem Auto anreisen kannst. Du musst dich also bewusst dafür entscheiden und die Anreise gehört dazu. Wichtig zu wissen ist: Du bleibst da nicht kleben, es fahren die ganze Zeit Busse hin und her.

zentralplus: Was macht den Ort denn magisch?

Rast: Du kommst an, steigst aus dem Bus und gehst zuerst einen Wanderweg entlang. Du weisst nicht, wo du bist, und das macht es mystisch und trägt zur Stimmung bei. Klar kann man den Standort ausfindig machen, wenn man einmal da ist, ab und zu hat man Internet (lacht). Beim ersten «Am Bach» war die Überraschung natürlich noch grösser.

Eine von drei Bühnen am Festival:

 

zentralplus: Wie kommt das Festival bei den Nachbarn an?

Rast: Es ist ein Privatgrundstück, wir haben alles abgeklärt und wie in den Jahren zuvor alle direkten Nachbarn persönlich informiert und ans Festival eingeladen. Wir haben jetzt dann zwei Tage durchgehend Musik und Programm, aber die Nachbarn sind sehr offen. Bisher gab es kein «Gestänkere», wir haben Glück.

zentralplus: Der Ort macht die Vorbereitung nicht gerade einfach. Ist das logistisch schwierig mit An- und Rückfahrt?

Rast: Ja, mega, der Ort ist wirklich nicht einfach zu finden für all die Helfer und Techniker. Zudem muss man für die Anfahrt ein robustes Auto haben. Für uns ist das ein riesen Ding, gerade jetzt in den Tagen zuvor ist es ein Gehetze und Gerenne. Das Telefon klingelt ständig, und es gibt noch so viel zu koordinieren. Aber wir sind schon viel besser organisiert als die letzten zwei Jahre.

Aufbau auf dem Gelände des «Am Bach»-Festivals.
Aufbau auf dem Gelände des «Am Bach»-Festivals. (Bild: zvg)
 

zentralplus: Die Musik ist elektronisch geprägt. Wen wollt ihr mit dem Festival ansprechen? Szenegänger oder ein breites Publikum?

Rast: Klar, es ist ein elektronisches Festival, aber es gibt auch Missverständnisse: Das «Am Bach» findet zwar outdoor statt, es ist aber nicht nur ein Rave. Raver fühlen sich hier zwar sofort daheim und auf der Hauptbühne läuft hauptsächlich Techno und House, aber daneben haben wir ein gut durchmischtes Line-up, etwa mit Live-Beatmaking, Ethno oder Funk und Soul. Das Festival soll nicht zu szenig sein, alle Altersgruppen sind willkommen, Leute aus der Stadt wie vom Land. Wir haben da kein Konzept und wir finden es schön, wenn es so bleibt.

zentralplus: Worauf freuen Sie sich am meisten? Was darf man nicht verpassen?

Rast: Ich freue mich sehr, dass wir am Freitag zwei Acts aus Deutschland haben: Pauli Pocket und Perel. Die deutsche Szene ist einiges grösser und sie sind da grosse Nummern. Es ist cool, dass sie hier vorbeischauen. Aber grundsätzlich unterscheiden wir nicht zwischen lokalen und internationalen Acts, es sind alle auf der gleichen Ebene.

Sonst freue ich mich auf das Alternativprogramm, auf die kleinen und experimentellen Acts auf den Nebenbühnen. Wir haben das Gelände so angelegt, dass man an allen drei Bühnen einmal vorbei muss, und plötzlich entdeckt man etwas Neues und findet es vielleicht cool, auch wenn es keinen Viervierteltakt hat (lacht).

So geht's ab, wenn Pauli Pocket auflegt:

 

zentralplus: Das «Am Bach» findet zum dritten Mal statt, was hat sich verändert?

Rast: Das Festival ist aus einem Freundeskreis von etwa zehn Leuten entstanden. Ein Kernteam, das auch sonst zusammen veranstaltet und über Projekte «connected» ist. Inzwischen sind viele Helfer dazugekommen, auf die wir zählen. Es ist aufwendig, das alles aufzubauen, und es nimmt viel Zeit in Anspruch. Nach einem Tag und einer Nacht war es jeweils mega schnell wieder vorbei, das fanden wir schade. Darum findet das «Am Bach» erstmals zwei Tage statt.

Und so tönt's bei Perel:

 

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur