Jennifer Jans – die 30-jährige Gesamtkoordinatorin schaut dem Festival gelassen entgegen. (Bild: ida)
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Jennifer Jans – die 30-jährige Gesamtkoordinatorin schaut dem Festival gelassen entgegen. (Bild: ida)

300 Helfer für 3 Tage Festival – das B-Sides macht sich bereit

7min Lesezeit

Am Donnerstag fällt der Startschuss für das B-Sides auf dem Sonnenberg. Jennifer Jans ist dieses Jahr für die Gesamtkoordination des Festivals zuständig. Ob die 30-Jährige nervös ist, wie sie zu einer Musikerinnenquote steht und was man ihrer Meinung nach nicht verpassen sollte, erzählt sie uns auf einem Spaziergang über das Gelände.

Zwei Tage vor Beginn des B-Sides-Festivals weibeln dutzende Helfer auf dem Gelände umher. Während des ganzen Festivals sind rund 300 Personen involviert, beim Aufbau alleine rund 60 Personen, die das Gelände herrichten, die Bühne aufstellen und sich mit grosser Konzentration um die Dekoration kümmern.

Unter ihnen befindet sich Jennifer Jans. Vor zwei Jahren übernahm sie gemeinsam mit Marius Disler und Marcel Bieri die Geschäftsleitung (zentralplus berichtete). Dieses Jahr leitet die 30-Jährige das Festivalbüro in Zusammenarbeit mit Benedikt Geisseler, der für Medien und Kommunikation zuständig ist. Die Gesamtkoordinatorin scheint jedoch gelassen und alles andere als gehetzt zu sein.

Vor zwei Jahren war für die gebürtige Baslerin alles noch neu, mit den Menschen und den Abläufen musste sie erst noch vertraut werden. «Für mich ist das Festival dieses Jahr entspannter und ruhiger als zuvor», so Jans. Angst, dass sie etwas vergessen oder eine Situation sie besonders herausfordern könnte, hat sie nicht. Denn sie habe gelernt, spontan zu reagieren und sich gut zu organisieren.

Schrill, bunt und mit Liebe zum Detail

Ein Spaziergang über das Gelände zeugt zwar noch von einem Chaos – doch die Kreativität und die Liebe zum Detail wird bereits jetzt ersichtlich. Die Gestaltung ist inspiriert vom «Memphis Design», einer Mailänder Designergruppe, die in den 80er-Jahren in den Bereichen Möbel-, Textil- und Keramikdesign für weltweites Aufsehen sorgte. Knallige, schrille Farben, gewagte Material- und Formkombinationen sowie ein unbeschwerter Umgang mit Dekor und Ornament zeichnen diesen Stil aus.

Vanessa Gerotto und Christof Bühler haben alle Hände voll mit einer Holzinstallation zu tun. Ein Himmelbett, das aus Veloschläuchen gebastelt wurde, soll Besucher zum Relaxen verführen. Rundum ist eine Holzinstallation mit vielen Schubladen aufgestellt. Öffnet man eine Schublade, entdeckt man einen Zettel, auf dem eine Aufgabenstellung steht, die den Austausch unter den Besuchern fördern soll. «Welches Zitat aus einem Song inspiriert dich?», steht beispielsweise geschrieben.

«Dieses Jahr stehen die Künstler und ihre Songtexte im Zentrum», so Jennifer Jans. «Aus Holz wurden nun zahlreiche Buchstaben geschnitzt, die aneinandergereiht Zitate aus den Songtexten widergeben – und die das ganze Gelände zieren.»

Die Lieblingsfarbe dieser Dame wird wohl Türkis sein.
Die Lieblingsfarbe dieser Dame wird wohl Türkis sein. (Bild: ida)

Über die Gender-Thematik

Die diesjährige Ausgabe setzt auf nationale Acts und internationale Musiker, die erst noch entdeckt werden müssen. Rund zwei Drittel aller Künstler, die an der diesjährigen B-Sides-Ausgabe auftreten, kommen aus der Schweiz (zentralplus berichtete). Tagespässe für Freitag und Samstag sind restlos ausverkauft. Nur für den Donnerstag gibt es noch Tickets – obwohl es das Line-up an diesem Tag Jennifer Jans besonders angetan hat. Viele Künstlerinnen stehen dann auf der Bühne. Allgemein zählt das B-Sides auch dieses Jahr einen hohen Frauenanteil von 51 Prozent (zentralplus berichtete).

«Als Frau, die selbst Musik macht, möchte ich auf der Bühne stehen, weil man meine Musik schätzt. Und nicht, weil ich eine Frau bin.»

Jennifer Jans, Gesamtkoordinatorin B-Sides-Festival

«Als Frau setze ich mich intensiv mit der Genderthematik in der Musikbranche auseinander», sagt Jans. Früher war sie gegenüber Quoten zwiespältig eingestellt. «Als Frau, die selbst Musik macht, möchte ich auf der Bühne stehen, weil man meine Musik schätzt. Und nicht, weil ich eine Frau bin.» Viel habe man darüber diskutiert, auch darüber, ob man Künstlerinnen durch eine Quote in eine noch schwächere Position bringen würde. «Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass es eine Quote braucht, bis sich der Gedanke zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt hat.»

Jennifer Jans bei einem Rundgang über das Festivalgelände:

So rief das B-Sides-Festival 2015 «Say Hi!», eine nationale Vernetzungsplattform, ins Leben. Ziel dabei ist, in einer ungezwungenen Atmosphäre den Austausch innerhalb der Musikbranche zu fördern. Dieses Jahr wurden in Kooperation mit «Helvetiarockt» rund zehn Personen aus dem Musikbusiness eingeladen, die wiederum eine weibliche Künstlerin eingeladen haben und gemeinsam auf den Sonnenberg wandern. Ein Zeichen für den Dialog und die Sensibilisierung der Genderthematik.

Benedikt Geisseler, Jennifer Jans und Vera Frasson, die für das Foto aus dem Festivalbüro krochen.
Benedikt Geisseler, Jennifer Jans und Vera Frasson, die für das Foto aus dem Festivalbüro krochen. (Bild: ida)

Die Geheimtipps der Gesamtkoordinatorin

Und was darf man beim B-Sides keineswegs verpassen? Besonderes Highlight am Donnerstag ist in Jennifer Jans' Augen der Auftritt von Yasmine Hamdan und The Several Ways. Freitags freut sich die Gesamtkoordinatorin auf Ammar 808 und Sudan Archives. Vergangenen Herbst habe sie Sudan Archives, eine amerikanische Violinistin und Sängerin, in Holland auf einem Festival gehört – und sie habe sofort gewusst, dass man diese für die Bühne des B-Sides gewinnen müsse. Am Samstag dürfe man das Konzert von Romano nicht verpassen – und dies dürfte was heissen, hört die 30-Jährige zu Hause nur wenig Hip-Hop.

«Die letzten zwei Jahre war ich stets im Schuss. Ich konnte höchstens 20 Minuten von einem Konzert hören.»

Jennifer Jans

Kann Jans das Festival überhaupt geniessen – oder ist sie in voller Eile auf dem Festivalgelände anzutreffen? «Die letzten zwei Jahre war ich stets im Schuss. Ich konnte jeweils höchstens 20 Minuten von einem Konzert hören.» Dieses Jahr habe sie sich besser organisiert. «Über ein Jahr lang haben wir uns auf das Festival vorbereitet. Es ist eine Belohnung für uns, wenn die ersten Klänge über den Sonnenberg erklingen. Denn darauf haben wir lange hingearbeitet. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl», sagt Jans.

Doch: «Nach dem Festival ist vor dem Festival», sagt die 30-Jährige. Und die Ausgabe für 2019 wird in Angriff genommen. Doch jetzt genug geredet: Fort springt sie, um mit den herumwuselnden Mitarbeitenden anzupacken. Noch steht ja die Ausgabe 2018 bevor.

Weitere Einblicke erhalten Sie in der Bildergalerie:

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