«Aufbrausend, ungeduldig und ruppig» sei er. Trotzdem kann es Walti Mathis gut mit Kindern. (Bild: Natalie Ehrenzweig)
Kultur Theater

«Aufbrausend, ungeduldig und ruppig» sei er. Trotzdem kann es Walti Mathis gut mit Kindern. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

«Ich bin wie der Piratenkapitän: ein autoritärer Sack»

5min Lesezeit

Für den leidenschaftlichen und langjährigen Theaterpädagogen Walti Mathis ist jedes Kind gleich viel Wert, vom kleinen Knirps bis zum Jugendlichen. Er freut sich, wenn er Profikarrieren anstossen kann, verdrückt auch mal eine Träne – und er sagt, wieso er alle zwei Monate eine Rettungsinsel braucht.

Walti Mathis ist in der Kinder- und Jugendtheaterszene eine Legende. Theaterpädagoge zu werden, war aber nicht seine erste Berufswahl. Der gebürtige St. Margrethener hat nämlich Theologie studiert und wollte Pfarrer werden. «Der Pfarrer hat durchaus Parallelen zum Theaterpädagogen. Bei beiden geht es um Kreativität, darum, sozialethische Werte zu vermitteln und pädagogisch tätig zu sein. Und im Alten Testament gibt es ja jede Menge dramatischer Figuren», sagt Walti Mathis lachend.

Werte zu vermitteln, ist denn auch eines der Ziele des Wahlluzerners. «Als Leiter der Theaterkids Stadt Luzern, der Nidwaldner Theaterkids und der Theaterkids Schulen Weggis arbeite ich mit Kindern vom ersten bis zum neunten Schuljahr. Wenn diese Kinder zu mir kommen und ein Theaterstück erarbeiten, machen sie jedes Mal eine spannende Entwicklung durch», erzählt er begeistert. Das sei ganz anders als die Arbeit mit Profischauspielern, die nach dem Stück die Gleichen seien wie davor.

Jedes Kind mit einer wichtigen Rolle

«Mir ist das Gruppenerlebnis sehr wichtig. Die Kinder sollen lernen, dass wir im Theater nur als Gemeinschaft zum Ziel kommen», betont der Theaterpädagoge. Das sei heute schwieriger als früher, denn Eltern würden das manchmal vergessen und nicht daran denken, dass sie der Gruppe schaden, wenn zum Beispiel ein Kind nicht am Probeweekend mitmache.

Walti Mathis bringt den Kindern auch bei, dass jeder gleich viel Wert ist: «Ich achte darauf, dass möglichst viele Kinder gleichzeitig auf der Bühne stehen, dass wir nicht Stücke spielen, die nur zwei, drei wichtige Rollen haben.»

Kinder- und Jugendtheatertage

Am Freitag, 8. Juni (18.00–20.00 Uhr) und Samstag, 9. Juni (13.00–22.00 Uhr) findet im Theaterpavillon in Luzern das Zentralschweizer Kinder- und Jugendtheatertreffen (Jutz) statt. Der Eintritt ist frei (Kollekte).

Am Wochenende steigt nun zum 19. Mal das Zentralschweizer Kinder- und Jugendtheatertreffen (Jutz), das Mathis leitet (siehe Box). Von den 120 bis 140 Kindern und Jugendlichen, die sich jedes Jahr für seine Theaterprojekte anmelden, kommt etwa ein Drittel nicht zurück. «Ein zweiter Drittel meldet sich alle paar Jahre wieder an und der Rest wird angefressen und zieht durch. Es gibt einige Kinder, die alle zehn möglichen Jahre mitmachen», so Mathis. Er hofft, dass sich hieraus auch seine Nachfolge ergibt: «In all den Jahren sind mit der Zeit erwachsene Freundschaften entstanden.» Da verdrücke er bei einem Abschied auch mal innerlich eine Träne.

Bei den Kleinen geht es um Spielfreude

Die Faszination für Kinder- und Jugendtheater liegt für den ehemaligen Kinder- und Jugendbeauftragten der Stadt Luzern im Spannungsfeld zwischen Kunst und Pädagogik. «Mit Profis habe ich ein künstlerisches Ziel, mit Kindern wird eine Entwicklung angestossen.» Die Förderung der Kinder geschehe aber unabhängig vom Thema eines Stückes, obwohl die Jugendlichen schon an einem spannenden Inhalt interessiert seien.

Walti Mathis als Regisseur in Aktion mit Kindern.
Walti Mathis als Regisseur in Aktion mit Kindern. (Bild: zvg)

«Dieses Jahr spielen wir zu ‹Flucht›. Da passierte etwas, das in meiner Karriere noch nie geschah: Es haben sich fünf Kinder zurückgezogen, weil ihnen das Thema zu düster und schwierig war», sagt Mathis. Je älter die Kinder sind, je mehr steht dann aber auch die Kunstform Theater im Fokus. «Bei den Kleinen geht es um die Spielfreude, da ist es immer etwas chaotisch. Ich weiss auch nie, wie lange ein Stück dauert – je nachdem, wie viel sie vergessen oder wiederholen», verrät der 62-Jährige schmunzelnd.

Alle zwei Monate eine Auszeit

Die Beziehung zu den Kindern ist wichtig, denn beim Theaterspielen braucht es Vertrauen. «Ich wurde einmal nach meinem Führungsstil gefragt. Ich bin wie der Piratenkapitän auf einem Schiff, ein autoritärer Sack, aufbrausend, ungeduldig und ruppig. Alles Eigenschaften, die man nicht haben sollte, wenn man mit Kindern arbeitet», erzählt er lachend. Doch die Kinder verzeihen das, weil Walti Mathis ihnen einen Rahmen gibt.

«Jonas Anderhub von ‹Ohne Rolf› war auch bei den Theaterkids dabei.»

Walti Mathis, Theaterschaffender

Letztes Jahr feierte Walti Mathis, Vizedirektor des Historischen Museums, mit den Theaterkids sein 30-Jahr-Jubiläum, heuer steht der 25. Geburtstag der Kinderbühne Littau an. In dieser langen Zeit sind auch einige theaterbegeisterte Kinder ihren Weg auf die Profibühne gegangen. «Jonas Anderhub von ‹Ohne Rolf› oder Samuel Zumbühl waren bei den Theaterkids dabei», sagt er stolz.

Der engagierte Theaterliebhaber hat oft Siebentagewochen. «Dafür buche ich mir alle zwei Monate für fünf Tage ein schönes Hotel in Deutschland. Das sind meine Rettungsinseln. Dort lasse ich mich verwöhnen, lese, gehe ins Theater», sagt er. Am liebsten sieht er Shakespeare. «Viele seiner Stücke sind eigentlich Jugendstücke, ich habe einige davon inszeniert», schwärmt er. Shakespeare sei der beste. Gleich nach seinen Büchern komme aber die Bibel, findet Walti Mathis schmunzelnd.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur